Kulmbach
Wald

Den Schwarzkitteln im Landkreis Kulmbach Einhalt gebieten

Die Wildschwein-Population wächst nicht nur im Landkreis Kulmbach. Gründe sind unter anderem die milden Winter. Was können Jäger und Politik dagegen tun?
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Archiv/Stephan Tiroch
Archiv/Stephan Tiroch

Wer die Comichelden Asterix und Obelix kennt, weiß, dass Wildschweine für die tapferen Gallier das Höchste der Gefühle sind. Fast jeden Tag gehen sie auf die Jagd, um sich am Abend die über dem Feuer gegrillte Jagdbeute schmecken lassen zu können.

In Deutschland wird das sogenannte Schwarzwild weniger verehrt, es ist inzwischen eher zum Problem geworden. In den letzten Jahrzehnten hat es sich laut Angaben des Wildtierportals Bayern stark vermehrt, Tendenz steigend. "Die Anzahl der Wildschweine muss regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls reduziert werden, um die entstehenden Schäden, die diese verursachen, in Grenzen zu halten", gibt David Buchwald, Pressereferent im Landratsamt Kulmbach, Auskunft über die Lage.

Ein verwüsteter Sportplatz

Helmut Müller hat solche Schäden selbst gesehen. Über Nacht hatte eine Horde Wildschweine den ganzen Sportplatz umgepflügt. Der Ehrenamtsbeauftragte des SSV Peesten war entsetzt. "In Deutschland werden viel zu wenig Wildschweine abgeschossen", findet er. In fünf Jahren sei die Plage dann nicht mehr zu ignorieren.

"Unsere Anstrengungen im Landkreis , das Schwarzwild in den Griff zu bekommen, sind uneingeschränkt hoch", bestätigt hingegen Otto Kreil, stellvertretender Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach e. V. Der Verein arbeitet eng und produktiv mit einzelnen Stellen zusammen, um flächendeckend eine rapide Ausbreitung zu verhindern. Diese Stellen sind der Bayerische Bauernverband, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach, das Landratsamt, die AG Jagdgenossenschaft und der Verein, dem er mit vorsitzt.

Bisher war die Jagd auf Schwarzwild nur von Mitte Juni bis Ende Januar erlaubt. Seit 2018 dürfen Jäger das Schwarzwild aber ganzjährig bejagen. "Grundsätzlich gilt, dass Elterntiere, solange sie für die Aufzucht der Jungtiere notwendig sind, nicht bejagt werden dürfen", so Fachbereichsleiter Heinrich Rauh vom Landratsamt Kulmbach.

Schwierigkeiten in der Jagd ergeben sich dadurch, dass die Tiere äußerst anpassungsfähig an die örtlichen Lebensbedingungen sind, zudem nachtaktiv. Das ist mit ein Grund für den rapiden Anstieg der Populationszahlen. Die vergangenen milden Winter begünstigen das Nahrungsangebot, das Schwarzwild müsse keine Not erleiden, erklärt Otto Kreil. Durch landwirtschaftliche Entwicklungen gebe es außerdem mehr zusammenhängende Flächen, die dann im Sommer oft mit Mais bepflanzt seien. "Das ist wortwörtlich ein gefundenes Fressen für das Schwarzwild", so der erfahrene Jäger.

Tendenz steigend

Im Jahr 2017 verzeichnete das Landratsamt Kulmbach 1.691 Wildschweine für den Landkreis, der in sechs sogenannte Hegegemeinschaften unterteilt ist. Damit ist die Zahl im Vergleich zu den beiden Vorjahren leicht gestiegen, 2015 waren es noch 1.368. 30 Jahre zuvor sind es schätzungsweise nur 50 Tiere im gesamten Landkreis gewesen, so Otto Kreil. Für 2018 liegen die Daten bisher noch nicht vor, denn der Erfassungszeitraum eines Jahres läuft immer bis zum 31. März. Zwar ist es möglich, dass die Zahlen leicht zurückgegangen sind, vermutet er, allerdings müsse die Situation über die Gesamtjahre betrachtet werden.

Die Schäden an Mais-, Raps- und Wiesenflächen gehen bei den Jagdrevieren oft in Höhe von mehreren tausend Euro, so Pressereferent David Buchwald. Ferner werden sie ab und zu Autofahrern zum Verhängnis. Wildunfälle sind im Landkreis Kulmbach laut der Polizeiinspektion 2018 im Vergleich zum Vorjahr zwar angestiegen.Blickt man aber auf die einzelnen Verteilungen, verursacht das Reh-, Rot- oder Damwild mehr Unfälle (770) als das Schwarzwild (71).

Veränderungen in der Jagd

Grundsätzlich ist die Jagdgenossenschaft, eine Vereinigung aller Eigentümer von bejagbaren Grundstücken, für Schäden zahlungspflichtig, die auf wirtschaftlich genutzten Flächen entstehen. Die Genossenschaft hat aber die Möglichkeit, die Kosten auf den Jagdpächter umzuwälzen. Für Sondernutzungsflächen, wie beispielsweise der Fußballplatz des SSV Peesten, entfällt diese Regelung, wenn diese nicht bejagbar sind.

Bis vor einigen Jahren, als die Wildschweinpopulation noch nicht so ein großes Problem darstellte, seien in der Jagd einige Fehler begangen worden, so Otto Kreil. "In den Neunzigern war es noch etwas Besonderes, wenn ein Jäger eine Sau geschossen hat. Darauf hat man dann erst einmal ein Bier zusammen getrunken", berichtet er lachend. Heute sei das Schießen aber in gewissem Maße normal. Doch Wildschweine leben in einer festen Sozialstruktur. Wird eine Leitbache erlegt, steige die Population unkontrollierter, da sie die Tagesabläufe und auch den Zeitpunkt der Fortpflanzung mit steuere, erklärt Otto Kreil.

Die richtige Methode gegen die Schwarzwildproblematik müsse dann aus einzelnen Bausteinen zusammengesetzt werden, so Kreil. Drückjagden oder der Gebrauch von technischen Hilfsmitteln sind nur zwei Beispiele vieler Faktoren, die in der Jagd Einsatz finden.

Der Reiz der Jagd

Aus der Perspektive eines Jägers kann es aber auch erfreulich sein, ein Wildschwein zu erblicken. "Die Wildschweinjagd ist auch etwas Faszinierendes", findet Otto Kreil. Erst eine Woche zuvor ist er in seinem Revier spazieren gewesen, erzählt er, als ihm plötzlich drei Sauen über den Weg gelaufen sind. Eine davon hat er erlegt. Das sei nicht selbstverständlich. "Es sind immer wieder überraschende Momente dabei", sagt er über seine Tätigkeit. Das sei der Reiz der Jagd, der beim Jäger immer noch ein Kribbeln hervorrufe.

Die Eindämmung von Schwarzwild wird wohl in den kommenden Jahren aktuell bleiben, denn selbst eine intensive bisherige Bejagung hat den schnellen Anstieg nicht stoppen können, wie es auch dem Wildtierportal Bayern zu entnehmen ist. Die Jägerschaft zumindest ist bemüht, dem weiter entgegen zu wirken. Eine wichtige Grundlage sei vor allem auch eine weitere gute Zusammenarbeit der einzelnen Gremien, so Otto Kreil.

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