Kulmbach
Bürgerpreis

Matthias Hahn: Engagierter Einsatz gegen Gewalt von Rechts

Matthias Hahn hat in eigener Initiative einen Schweigemarsch gegen Rechts durch Kulmbach organisiert.
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Matthias Hahn (links, orangefarbenes T-shirt) bei dem von ihm initiierten Schweigemarsch. Foto: Archiv/Peter Müller
Matthias Hahn (links, orangefarbenes T-shirt) bei dem von ihm initiierten Schweigemarsch. Foto: Archiv/Peter Müller
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Die Mutter ein Flüchtlingskind aus Schlesien. Eine Schwester verheiratet mit einem Nepalesen, seit langem in dem Land am Himalaya zu Hause. Ein mittlerweile verstorbener Bruder ausgewandert nach Südamerika. Eine Nichte, die in Kürze in Australien einen Iren heiratet: In der Familie von Matthias Hahn ist die offene, tolerante, vorurteilsfreie Gesellschaft von jeher gelebte Realität.

Vielleicht hat Matthias Hahn gerade deswegen eine so abgrundtiefe Abneigung gegen Ausländerfeindlichkeit, rassistische Hetze und Fremdenhass. Und weil er zudem eine ausgeprägte soziale Ader hat, sich seit Jahren in der SPD und im Betriebsrat engagiert, kam irgendwann eins zum anderen und Matthias Hahn ging auf die Straße: Dann zum Beispiel, wenn im Mainleuser Ortsteil Schwarzach die NPD ihren "Bayerntag" veranstaltete oder der "Bund Frankenland", ebenfalls eine Gruppierung aus der rechten Szene, zum "Frankentag" einlud.

Nun demonstrierte er erneut gegen rechte Gewalt - mit dem Aufruf zu einem Schweigemarsch. "Das passt in die Zeit", befand die Jury - und zeichnete Matthias Hahn dafür mit dem Bürgerpreis 2018 in der Kategorie "Zivilcourage" aus.

In der Tat passt seine Aktion in die Zeit. Leider.

Zur Erinnerung: Ende August war am Rande des Chemnitzer Stadtfestes ein Mann durch Messerstiche tödlich verletzt worden. Bei den Tätern soll es sich um Migranten gehandelt haben. In der Folge kam es in Chemnitz zu erschreckenden Szenen: Organisierte Rechte und Neonazis griffen tatsächliche oder vermeintliche Migranten, Gegendemonstranten, Polizisten, Pressevertreter und unbeteiligte Passanten sowie ein jüdisches Restaurant an. Menschen zeigten skrupellos vor laufenden Kameras den Hitlergruß.

"Es waren Szenen wie 1933", erinnert sich Matthias Hahn, der politisch sehr interessiert ist und sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinander gesetzt hat. "Das darf in Kulmbach nicht passieren.", Matthias Hahn zögerte nicht lange und organisierte einen Schweigemarsch gegen Rechts. Im Alleingang - wissend, dass er sich mit dieser Aktion zur Zielscheibe von Pöbeleien und Beleidigungen machen würde. Die gab es dann in der Tat. "Aber ich nehme das nicht sonderlich ernst", sagt der 52-Jährige.

500 kamen

Was für ihn viel wichtiger ist und was ihn sehr freut: "Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Menschen kommen!" 150 Teilnehmer hatten sich über die Internet-Plattform Facebook angemeldet. Gekommen waren dann rund 500. Menschen, die ebenso wie Matthias Hahn Gesicht zeigten.

"Besonders gefreut hat es mich, dass wirklich alle Parteien und Gruppierungen vertreten waren - CSU und SPD, Grüne, Linke, Mut-Partei, die Kirchen und viele mehr und alle Altersgruppen." Der Schweigemarsch selbst verlief friedlich, war in unruhigen Zeiten ein Signal, weit über Kulmbach hinaus: Hier gibt es Menschen, die sich ein friedliches Zusammenleben wünschen statt Hetze, gegenseitigen Respekt statt rechter Parolen. Möglich gemacht hat das Matthias Hahn.

Und der sagt: "Wenn es nötig wäre, würde ich das jederzeit wieder machen."

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