Kulmbach
Landtagswahl

Martin Schöffel, CSU: "Ich bin präsent in der Region"

Martin Schöffel tritt für die CSU an. Er kommt aus Wunsiedel, sieht sich aber "a weng" auch als Kulmbacher.
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Martin Schöffel ist gerne in der Region unterwegs und schätzt die Natur.Hannes Bessermann
Martin Schöffel ist gerne in der Region unterwegs und schätzt die Natur.Hannes Bessermann

Wenn es ums Bier geht, kann Martin Schöffel seine Wunsiedler Heimat nicht verleugnen. "Das Heiner's von Hönicka" sagt er auf die Frage nach seinem Lieblingsbier. "Ein sehr süffiges Bier. Der Mann auf dem Etikett ist mein Urgroßvater."

Heimatverbundenheit ist wohl ein wesentlicher Charakterzug des 41-Jährigen. Wenn er davon erzählt, dass er seine knappe Freizeit auf den eigenen Äckern verbringt, die er mit seinem Vater bewirtschaftet, dass er gerne im Wald arbeitet, zum Jagen geht, an den Fischteich, dann bekommt seine Stimme einen schwärmerischen Ton.

Aber nicht nur dem Fichtelgebirge fühle er sich verbunden, betont Martin Schöffel. Sondern auch dem Kulmbacher Land. Und das sage er bestimmt nicht nur deshalb, weil er auch hier gewählt werden wolle bei der Landtagswahl am 14. Oktober.

Vor fünf Jahren war er zum ersten Mal im Raum Kulmbach für die CSU zur Wahl angetreten - als Kandidat im damals neu gebildeten und viel diskutierten neuen Stimmkreis 408 Wunsiedel-Kulmbach. Damals hatten die Kulmbacher ein wenig gefremdelt mit ihm, dem Kandidaten, der nicht von da war, den wenige kannten. Die Erststimmen-Ergebnisse im Raum Wunsiedel und im Raum Kulmbach differierten beträchtlich.

Was wenige wussten: Schon damals nahm Kulmbach einigen Raum in der Biografie des Martin Schöffel ein. Geboren 1977 in Bayreuth, aufgewachsen im Fichtelgebirge, war zunächst der Weg ins Biergeschäft fast unvermeidlich.

In der Brauerei Hönicka, die die Familie betreibt, habe er schon als Bub mit dem Opa am Sudkessel gestanden. "Der hat dann schon mal gesagt: Ich muss weg - passt halt auf, dass nix überkocht."

Nach dem Abitur begann er eine Lehre als Brauer und Mälzer und wenig später parallel dazu das Studium der Landwirtschaft und Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Weihenstehpan. "Ich habe gewissermaßen mein eigenes duales Studium durchgezogen", sagt er schmunzelnd, und schiebt ein paar Details nach, die erkennen lassen, dass er hart gearbeitet hat, um diesen Weg erfolgreich zuende zu gehen.

Nach einigen Jahre als Vertriebsleiter bei der Hönicka-Bräu wechselte Schöffel als Verkaufsleiter zur Ireks nach Kulmbach, wohnte auch in der Bierstadt, engagierte sich im Braugerstenverein Oberfranken und lernte die Region kennen - und schätzen.

Das sagt sich leicht und macht sich gut, wenn man Politiker ist. Wir haken da gründlicher nach, fragen, wo denn der Lieblingsplatz im Kulmbacher Land ist - und erhalten überraschende Antwort: "Das ist die Traischelkapelle oberhalb von Wartenfels. Wenn man da sitzt, in die Ferne blickt, spürt man eine unglaubliche Kraft - dann kommt man runter, wird geerdet."

Hat er seinerzeit daran gedacht, hauptberuflich Politik zu machen? "Im Gegenteil", sagt Martin Schöffel. Zwar hatte die Politik schon früh in seinem Leben eine Rolle gespielt. Jung war er in die CSU eingetreten, war mit 22 Jahren schon Mitglied des Landesvorstandes der Jungen Union und Mitglied des CSU-Bezirksvorstandes. "Aber als ich nach Kulmbach gekommen bin, dachte ich eigentlich, dass ich mit der politischen Arbeit aufhöre."

Das klappte mehr oder weniger bis zum Jahr 2008. Da kündigte Karl Döhler, bislang Abgeordneter des Stimmkreises Hof-Wunsiedel an, nicht mehr für den Landtag zu kandidieren.

Seine CSU-Parteikollegen fragten bei Martin Schöffel nach. Der sagte "Ja", trat an und errang mit 41,1 Prozent der Stimmen das Direktmandat für die CSU.

Auch die Wahl im Jahr 2013 entschied der Wunsiedler souverän mit nun 44,7 Prozent aller Erststimmen für sich - auch wenn die Ergebnisse aus dem Landkreis Kulmbach und aus dem Landkreis Wunsiedel aus den erwähnten Gründen doch erheblich voneinander abwichen.

Seit zehn Jahren nun sitzt Martin Schöffel im Landtag. Macht's immer noch Spaß? Mimik und Gestik zeigen: Noch immer brennt er für seine Aufgabe. Ja, sagt er, er denke durchaus gerne an die Arbeit in der Brauerei und an seine Zeit in der Ireks zurück. "Aber ich bereue nichts!"

Selbst dann nicht, wenn die kommenden Wochen hart werden. Wahlkampf in einem so ausgedehnten Stimmkreis wie dem seinen bedeutet nicht nur, viele Menschen zu treffen, viele Gespräche zu führen, viele Themen zu führen. Es bedeutet auch: lange Autofahrten, manchmal zu sehr später Stunde. Als wir Martin Schöffel zum Interview in unseren Redaktionsräumen begrüßen, kommt er von einer Diskussionsveranstaltung in der Gemeinde Neudrossenfeld. Und muss am Abend noch weiter, nach Hohenberg an der Eger. Mehr als 70 Kilometer. Und dann noch einmal gute 20 Kilometer zurück nach Hause nach Wunsiedel.

Schöffel versucht, dem Gutes abzugewinnen. Die Autofahrten, so sagt er, seien ideal, sich manches durch den Kopf gehen zu lassen, die Gedanken zu sortieren.

Auszeiten vom turbulenten Politiker-Dasein sucht er sich ganz bewusst. Auch im Wahlkampf hat er sich Zeit genommen für ein paar Urlaubstage mit seinen kleinen Töchtern. Mit der Mutter seiner Kinder lebt er nicht mehr zusammen. Aber sich die Betreuung möglichst partnerschaftlich zu teilen, ist ihm sehr wichtig. "Wenn die Kinder dann ein paar Tage bei mir sind, gibt es halt keine Termine. Ich will nicht, dass sie dann von Oma und Opa betreut werden." Er ist sich sicher, dass sich dieses Engagement als Vater auszahlt. Irgendwann.

Ob sich sein Engagement im Wahlkampf auszahlt, wird er in weniger als fünf Wochen wissen. Am 14. Oktober wird in Bayern gewählt. Eine Prognose bezüglich des Ergebnisses der CSU, für die es in Umfragen derzeit nicht sonderlich gut aussieht, wagt der Kandidat noch nicht. "Das ist zu früh. Da kann noch viel passieren."

Und eine Prognose bezüglich seiner Person? Bei der Wahl vor fünf Jahren habe ihn in außer den Kollegen kaum jemand in Kulmbach gekannt, meint Schöffel. Und nach der Diskussion um den "Hundeknochen", wie der neue Wahlkreis damals gerne genannt wurde, hätten die Kulmbacher einfach lieber die örtlichen Kandidaten gewählt. "Aber ich war in den letzten Jahren sehr viel unterwegs und bin jetzt sicher sehr viel präsenter in der Region", meint er. "Ich habe das Gebiet des Landkreises Kulmbach politisch nicht vernachlässigt. Im Gegenteil: Auch die Region hat viel von meiner Arbeit profitiert. Insofern: Ich bin optimistisch!"

Fakten zur politischen Arbeit

Partei ohne Programm? Die Frage darf man stellen: Die CSU hat noch kein Programm für die Landtagswahl am 14. Oktober veröffentlicht. Das soll am 15. September präsentiert werden.

Martin Schöffel, der Kandidat für den Stimmkreis Wunsiedel-Kulmbach, hat auf die Frage eine Antwort, verweist auf die Regierungserklärung von Ministerpräsident Markus Söder vom 18. April, in der dieser "Das Beste für Bayern" verspricht.

Der Kandidat selbst hat ein persönliches Programmmit vielen Themen - und klare Ansichten zu aktuellen Entwicklungen. Innere Sicherheit: Die Menschen wünschen sich einen starken Staat, der ihnen persönliche Sicherheit garantiert. Eine starke Grenzpolizei ist wichtig, auch für Oberfranken, wo nicht illegale Zuwanderer, sondern Diebesbanden und Drogenhändler aus dem östlichen Europa ein Problem darstellen. In den nächsten zwei Jahren sollen 1500 neue Stellen für die Polizei geschaffen werden. Zukunft für die Ortskerne: Jeder Ort soll ein schönes, lebendiges Zentrum haben, der Gebäudebestand soll saniert und neu genutzt werden, bevor neues Land verbraucht wird. Maßnahmen werden gefördert mit dem Industriebrachen-Programm oder der Förderinitiative Nordostbayern. Im Raum Kulmbach haben davon unter anderem Kulmbach, Thurnau, Grafengehaig oder Marktleugast profitiert. Medizinische Versorgung: Neben der Investition in Gebäude und Infrastruktur (allein 140 Millionen Euro fürs Klinikum Kulmbach) müssen (Deutsch sprechende) Ärzte in die Region geholt und zum Bleiben animiert werden. Diesem Zweck dienen Stipendien für Medizinstudenten. Eine Aufgabe wird es sein, nicht nur für Hausärzte, sondern auch für Fachärzte Anreiz zu schaffen, sich in der Region niederzulassen.

Keine Koalition mit der AfD: Die AfD besetzt nur wenige Themen. Für Bildung, Digitalisierung usw. gibt es kein Konzept. Eine Zusammenarbeit oder gar eine Koalition mit einer europafeindlichen Partei ist kein Thema, weder persönlich noch für den Ministerpräsidenten. Mögliche Koalitionen im Landtag: Persönlich ist eine Zusammenarbeit mit den Grünen nicht vorstellbar. Die Freien Wähler sind (derzeit) noch schwer einschätzbar; die Fraktion im agiert uneinheitlich. Im Fall des Falles müssen aber alle demokratischen Kräfte miteinander reden - in der Hoffnung, dass Koalitionsverhandlungen zügig über die Bühne gehen und in München keine "Berliner Verhältnisse" entstehen. Weitere Themen im persönlichen Wahlprogramm: Unterstützung für junge Familien durch Bayerisches Familiengeld. Stärkung von Bildung und Forschung. Stärkung des Pflegebereichs. Leistungsfähiges Internet für alle. Mobilität für alle. Perspektiven für die Jugend durch die Modernisierung von Schulen - aber auch zum Beispiel durch die Gründung eines Uni-Campus in Kulmbach. Praxisnahe Agrar- und Forstpolitik, die Rahmenbedingungen schafft, unter denen Bauern und ihre Familien nachhaltig leben können



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