Thurnau

Martin Bernreuther: "Im Team haben wir viel bewegt"

Die Schulden des Marktes wurden in sechs Jahren um 80 Prozent reduziert, viele Firmen ins Industriegebiet gelockt. Thurnaus Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) meint: " Der Gemeinderat hat mehr richtig als falsch gemacht."
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Neun Firmen haben sich in der Amtszeit von Martin Bernreuther im Industriegebiet angesiedelt. Und es wird weiter gebaut. Im Hintergrund ist die Firma Konrad Friedrichs zu sehen, die viele Millionen Euro in eine neue Produktionsstätte investiert hat. Foto: Alexander Hartmann
Neun Firmen haben sich in der Amtszeit von Martin Bernreuther im Industriegebiet angesiedelt. Und es wird weiter gebaut. Im Hintergrund ist die Firma Konrad Friedrichs zu sehen, die viele Millionen Euro in eine neue Produktionsstätte investiert hat. Foto: Alexander Hartmann

Er sieht sich als Teamplayer: der Thurnauer Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU), der mit Blick auf die Entwicklung des Marktes in seiner Amtszeit im Interview erklärt: "Wir haben in den vergangenen sechs Jahren gemeinsam viel auf den Weg gebracht." Herr Bernreuther, lange Zeit sah es so aus, als wären Sie bei der Kommunalwahl der einzige Kandidat. Waren Sie überrascht, als sie davon erfahren haben, dass die SPD/OL Dunja Pfaffenberger nominiert? Ich war nicht überrascht, weil es in der Vergangenheit immer mindestens zwei Kandidaten gab, die sich zur Wahl gestellt haben. Es ist auch gut so, dass der Wähler am 15. März die Möglichkeit hat, zu entscheiden, wem er es zutraut, die Geschicke der Gemeinde in den nächsten sechs Jahren zu leiten. 2014 konnten Sie sich als Newcomer in der Stichwahl mit nur wenigen Stimmen Vorsprung vor Amtsinhaber Dietmar Hofmann (SPD/OL) durchsetzen. Mit welchem Ergebnis wären Sie im März zufrieden? Ich möchte keine Prognose abgeben, wer wie viel Prozent bekommen könnte. Ich würde mich freuen, wenn mir die Thurnauer wieder ihr Vertrauen schenken. Ihre Kontrahentin Dunja Pfaffenberger hat erklärt, dass Sie von Weichenstellungen profitiert haben, die unter ihrem Vorgänger vorgenommen wurden. So sei unter Hofmann die Konsolidierung auf den Weg gebracht worden, dank derer es jetzt bei Projekten eine Förderung von bis 90 Prozent gibt. Hat Sie damit Recht? Ich möchte nicht bewerten, was vor meiner Wahl zum Bürgermeister in Thurnau war. Wir haben in den vergangenen sechs Jahren versucht, uns an dem, was wir in unserem Wahlprogramm erklärt haben, zu orientieren und für Thurnau das Beste zu erreichen. Ich glaube, dass der Bürger die Arbeit selbst bewerten sollte. Der Gemeinderat hat viel auf den Weg gebracht, im ganzen Zeitraum über 1000 Beschlüsse gefasst - in großen Teilen übrigens einstimmig.

In Thurnau hat sich viel bewegt. Auf was sind Sie besonders stolz? Besonders stolz bin ich auf die Verleihung des Gütesiegels "Heimatdorf", die eine unabhängige Jury vorgenommen hat. Wir sind einer von nur zwölf Orten in Bayern, die das Siegel tragen. Bewertet wurden unter anderem die wirtschaftliche Eckdaten, die Innenverdichtung und die ökologische Ausrichtung. Dass wir zu den Preisträgern zählen, zeigt uns, dass der Gemeinderat mehr richtig als falsch gemacht hat. Außerdem können wir stolz darauf sein, dass sich das Industriegebiet mehr und mehr füllt und wir die Schulden um 80 Prozent zurückfahren konnten. Und wir haben ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung in den Ortsteilen gelegt, so auch Dorferneuerungen angestoßen. Im Team haben wir viel bewegt. Die Mitarbeiter haben wahnsinnig viel geleistet. Apropos Schuldenstand. Der lag 2014 bei 4,1 Millionen Euro, heute sind es nur noch 750 000 Euro. Wie ist der Abbau gelungen? Wir haben ohne Frage vom starken Anstieg der Einkommenssteuerbeteiligung profitiert, aber auch vom leichten Anstieg bei der Gewerbesteuer. Und natürlich davon, dass wir die Fördermöglichkeiten gut genutzt und eine Stabilisierungshilfe erhalten haben. Aber auch ohne letztere wäre es uns gelungen, den Schuldenberg spürbar abzubauen. Das Thurnauer Industriegebiet wächst und wächst. Nach der Firma Konrad Friedrichs kommt jetzt auch die Spedition Emons. Rechnen Sie mit weiteren neuen Betrieben? Es ist wichtig, starke Firmen und Arbeitsplätze vor Ort zu haben, weil wir in unserer ländlichen Region einen wirtschaftlichen Abschwung nur viel schwerer verkraften können als Städte in Ballungsräumen. Bei aller Bedeutung, die wir heute zu Recht dem Klimaschutz beimessen, dürfen wir deshalb die wirtschaftliche Entwicklung auf keinen Fall aus dem Auge verlieren.

Bei uns haben sich in den vergangenen sechs Jahren neun Betriebe angesiedelt, viele Arbeitsplätze sind entstanden. Das spricht dafür, dass Thurnau ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist. 70 Prozent der Flächen im neuen Industriegebiet sind verkauft. Für die restlichen 30 Prozent gibt es Anfragen. An eine Erweiterung des Industriegebiet ist übrigens vorerst nicht gedacht. Wo sehen Sie in Thurnau Entwicklungspotenzial? Es gibt noch viel zu tun. Ich wünsche mir, dass die Zahl der Leerstände in Thurnau und den Ortsteilen weiter schrumpft, noch mehr Häuser saniert und bewohnt werden. Wir können das nicht als Gemeinde allein schaffen, sondern brauchen die Bürger, denen wir eine finanzielle Unterstützung bieten. Es geht darum, die Ortskerne lebendig zu halten und zu entwickeln. Neuer Wohnraum sollte möglichst dort geschaffen werden, wo das durch Nachverdichtungen und Ortsabrundungen möglich ist.

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