Kulmbach
Kirche

Maria 2.0 auch in Kulmbach: Den Frauen eine Stimme

Engagierte Katholikinnen fordern auch in Kulmbach mehr Teilhabe an allen kirchlichen Ämtern
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Vorbereitung für den Vortragsabend (von links): Michaela Axtner, Susanne Witzgall, Bernadette Sauerschell und Brigitte Wolpert  Foto: Katrin Geyer
Vorbereitung für den Vortragsabend (von links): Michaela Axtner, Susanne Witzgall, Bernadette Sauerschell und Brigitte Wolpert Foto: Katrin Geyer

Würde Jesus heute leben - er wäre wohl längst aus der Kirche ausgetreten! Für viele katholische Frauen ist der Gedanke so abwegig nicht, hat sich nach ihrer Überzeugung ihre Kirche doch weit von ihren biblischen Wurzeln entfernt. Amtsmissbrauch und sexueller Missbrauch, Pflichtzölibat und der Ausschluss von Frauen aus vielen kirchlichen Ämtern empören sie, und diese Empörung hat mittlerweile einen Namen: Maria 2.0.

Ausgehend vom westfälischen Münster haben sich inzwischen in vielen Orten Frauen dieser Initiative angeschlossen (siehe dazu auch Infobox unten). Auch im katholischen Seelsorgebereich Kulmbach gibt es seit einigen Monaten eine Gruppe von Frauen, die sich für eine Erneuerung ihrer Kirche starkmacht. Worum es dabei genau geht, erläutern Michaela Axtner, Brigitte Wolpert, Susanne Witzgall und Bernadette Sauerschell ("Wir sind der harte Kern!") im Vorfeld einer ersten öffentlichen Veranstaltung.

Man habe, so sagen sie, die Aktivitäten der Frauen in Münster mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und dann irgendwann beschlossen: "Wir fangen jetzt an!" Um sich nicht zu verzetteln, wollen sich die Frauen zunächst auf ein Thema konzentrieren: Die Stellung der Frau in der Kirche und damit verbunden die Forderung nach Zugang der Frauen zu allen Ämtern der Kirche - auch zum Priesteramt.

"Keine Wurzeln im Evangelium"

Diese Forderung sehen die Kulmbacherinnen durchaus im Einklang mit der biblischen Botschaft. "In den frühen Evangelien tauchen Frauen als Gemeindevorsteherinnen auf", erläutert Brigitte Wolpert. "Jesus hat - gegen den Geist seiner Zeit - Frauen aufgewertet." Dem widerspreche die heutige Praxis, die Frauen im kirchlichen Leben klein zu halten, meint Michaela Axtner. "Man verbunkert sich hinter Abläufen, die im Laufe der Kirchengeschichte entstanden sind, die aber keine Wurzeln im Evangelium haben."

Dies deutlich zu machen, ist nicht nur ein persönliches Anliegen der Frauen. Drei von ihnen sind als Religionslehrerinnen tätig. "Wir stehen vor unseren Schülern, können vieles nicht erklären und müssen Dinge vermitteln, die wir selbst nicht gut finden", beklagen sie, und sie sind sich sicher: "Nicht die Zulassung von Frauen zum Priesteramt ist erklärungsbedürftig, sondern deren Ausschluss."

Provokante Thesen sind das in einer Kirche, die in vielem auf Althergebrachtem verharrt.

So konnte es auch nicht ausbleiben, dass die Frauen, die seit Anfang Juni mit Informationsblättern und Unterschriftenlisten auf ihr Anliegen aufmerksam machen, vereinzelt Gegenwind aus den eigenen Gemeinden bekamen. Auch von Frauen. Eine Spaltung der Gemeinden freilich ist nicht die Absicht der Kämpferinnen von Maria 2.0. "Wir wollen einen friedlichen, konstruktiven Dialog, der uns inhaltlich weiterbringt", versichert Michaela Axtner.

Immerhin: Einen prominenten Fürsprecher hat die Initiative, der rund 20 Aktive und bis zu 70 Unterstützerinnen und Unterstützer angehören. Hans Roppelt, Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Kulmbach, stellt sich klar auf die Seite der Frauen. "Das Anliegen ist berechtigt", sagt er. "Priesterinnen wären eine Bereicherung für unsere Kirche." Roppelt weiß, dass so eine Aussage nicht im Einklang steht mit dem päpstlichen Dogma. Aber: "Viele Katholiken berufen sich auf die Tradition. Traditionen allerdings können sich ändern."

"Ohne die Frauen geht nichts"

Den Frauen von Maria 2.0 in Kulmbach sichert der Geistliche seine Unterstützung zu. Er hat die Erfahrung gemacht: "Ohne die Frauen geht in den Kirchengemeinden gar nichts!" Die Gründerinnen von Maria 2.0 in Münster und andere haben das im Mai mit einem einwöchigen "Kirchenstreik" unter Beweis gestellt. Für die Kulmbacherinnen, alle auf vielen Gebieten ehrenamtlich aktiv, ist so ein Streik freilich kein Thema. "Das würde", so Brigitte Wolpert, "die Falschen treffen."

Sie setzen stattdessen darauf, an der Basis Informationsarbeit zu leisten und auf Dauer Veränderungen anzuschieben. Ein erster Schritt dazu soll eine Vortragsveranstaltung sein, die am 23. Oktober im Pfarrzentrum von St. Hedwig in Kulmbach stattfindet. Der Wissenschaftler Joachim Kübler, Inhaber des Lehrstuhls für Neutestamentliche Wissenschaften an der Universität Bamberg, befasst sich unter dem Motto "Wenn Frauen 'Söhne' Gottes sind..." mit der Ämterfrage in der katholischen Kirche.

Gerade auch die Kritiker von Maria 2.0 seien dazu eingeladen, sagen die Frauen, die sich ganz bewusst, angelehnt an das Bistumsmotto "Getauft und gesendet" das Motto "Getauft - berufen - un(d)gesendet" gegeben haben. "Wir wünschen uns eine offene und gerne auch kontroverse Diskussion."Ursprung Ihren Ursprung hat die Bewegung Maria 2.0 in der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster. Dort wurden in einem Frauen-Gesprächskreis die Missbrauchsfällle in der katholischen Kirche und der Umgang der Amtsinhaber mit Tätern, Mittätern und Opfern thematisiert.

Maria 2.0 - Wie alles begann

Ursprung Ihren Ursprung hat die Bewegung Maria 2.0 in der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster. Dort wurden in einem Frauen-Gesprächskreis die Missbrauchsfällle in der katholischen Kirche und der Umgang der Amtsinhaber mit Tätern, Mittätern und Opfern thematisiert.

Brief an den Papst Die Initiative Maria 2.0 fand schnell Nachahmerinnen. Im Mai wurde ein offener Brief an Papst Franziskus verfasst (www.mariazweipunktnull.de/downloads/), in dem unter anderem der Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche gefordert wurde.

Kirchenstreik Im Mai, in der katholischen Kirche der Marien-Monat, riefen die Frauen vom 11. bis 18. Mai zum Kirchenstreik auf.

Reaktionen Nicht überall gab es Beifall für Maria 2.0. In vielen Kirchengemeinden kam es zu teils spektakulären Reaktionen. So hat im Raum Schweinfurt ein Pfarrer am Vorabend von Mariä Himmelfahrt die Frauen von Maria 2.0. aus der Kirche geworfen.

Vortrag in Kulmbach In Kulmbach ist die Initiative Maria 2.0 seit Juni aktiv. Sie lädt am Mittwoch, 23. Oktober, um 20 Uhr zu einem Vortrag in den Pfarrsaal St. Hedwig ein. Joachim Kügler, Professor für neutestamentliche Wissenschaften befasst sich unter dem Motto "Wenn Frauen 'Söhne' Gottes sind..." mit der Ämterfrage in der katholischen Kirche.

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