Kulmbach
Spinnalto

Mainleuser Spinnerei wird zum Kunstraum

Bei "Spinnalto" in der Mainleuser Spinnerei konnte man Kunst, Kreativität und Ideenreichtum bestaunen.
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Bei "Spinnalto" wurden beeindruckende Kunstwerke präsentiert. Fotos: Uschi Prawitz
Bei "Spinnalto" wurden beeindruckende Kunstwerke präsentiert. Fotos: Uschi Prawitz
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War die "Spinnalto"-Veranstaltung 2018 von Rüdiger Baumann ein Hingucker, so hat sie sich in diesem Jahr weit übertroffen. Ab 16 Uhr öffneten sich am Samstag die Pforten für die Besucher. Viele Akteure und Künstler hatten sich am Projekt beteiligt. Allein bei der Installation von Beka Gigauri wirkten 40 Personen malerisch mit.

Imposant erhob sich sein "Denkmal für die Demokratie", ein riesiger Pavillon aus einem Holzgerüst, gepflastert mit individuell gestalteten "Pappschindeln" in der Mitte des Saals. "Die Demokratie ist für mich unheilbar erkrankt", sagte der Künstler, der aus Georgien stammt und anführte: "Die Rechtsstaatlichkeit ist für mich das höchste Niveau, das ein Kunstwerk erreichen kann."

Durch eine Lichtschleuse kam man ins Innere des Pavillon. Es war ein leerer Raum, in dem man mit Taschenlampen Lichtbilder an die Wand "malen" konnte. Über eine Kamera wurden die Lichtpunkte mit Langzeitbelichtung zu Bildern verdichtet. "Dies ist der Behandlungsraum. Hier besteht die Hoffnung, aus dem Unbewussten einen Impuls zu setzen, der zur Heilung beitragen kann."

Den Herzschlag simuliert

Mit einer großen Pauke simulierte Hartmut Reuter einen Herzschlag und führte die Besucher durch die Ausstellungshalle, denn an verschiedenen Punkten gab es Vorführungen, Vorträge, Performances. Hier sang ein Chor, dort spielte Harald Burger auf der Gitarre, an einer anderen Stelle präsentierten Melkendorfer Schüler eine Theaterszene, oder Schülerinnen des CVG zeigten, wie man Plastikmüll reduzieren kann.

Neben seiner Installation "Traum der Materie" machte sich Organisator und Veranstalter Rüdiger Baumann Gedanken dazu, was Glück sei, und kam zu dem Schluss: "Wir haben ein Geheimnis vergessen, was Menschen früher kannten." Wir hätten die Feiertage verloren, sie verschmölzen mit dem Alltag. Es sei schwer, das Glück zu erkennen, weil wir versuchten, es uns leicht zu machen.

Fantasievolle Kreationen

Eine Voraussetzung für die Teilnahme an "Spinnalto" war, nur Materialien zu verwenden, die als nicht mehr brauchbar in der Spinnerei vorgefunden wurden oder die ansonsten ohnehin auf dem Müll gelandet wären. So entstanden unter der Regie von Edina Thern fantasievolle Modekreationen. Harald Burger erweckte Alltagsgegenstände, die er in einem alten Bauernhof entdeckt hatte, zu neuem Leben, Hartmut Reuter erweckte altes Metall zum Klangspiel.

"Es ist schön, Klänge in dieser Halle zu hören, die Menschen zusammenführen", sagte Bürgermeister Robert Bosch(CSU). Er zeigte sich begeistert von der Kreativität, mit der die Akteure das unter Denkmalschutz stehende Webereigebäude zum Kunstraum erhoben hätten.

Das Stuhl-Projekt

CVG-Schüler hatten Stühlen neues Leben eingehaucht. Mia und Veronika etwa haben Absperrband gefunden und den Stuhl zu einem Tatort gemacht, die Gruppe um Jannik lässt ihren Stuhl mit zerstückelten CDs in neuem Licht erstrahlen. Benno Fries hatte menschliche Silhouetten aus ehemaligen Türblättern frei gelegt und gestaltet. Am Samstag hingen sie scheinbar schwerelos von der Decke und erschienen farbig angestrahlt in neuem Licht.

Ganz anders mutete die Installation an, die eine Gruppe von Geflüchteten an der Berufsschule gestaltet hatte. An einer Säule hingen anrührende Geschichten, Erinnerungen, die sie an ihre Großmütter festgehalten hatten. Sie spielten arabische Musikstücke.

Alphorn-Klänge

Bevor zum Abschluss des offiziellen Programms der Stummfilm "Die Weber" gezeigt wurde, der live vom Stummfilm-Pianisten ‚Miller the Killer' begleitet wurde, durften die Besucher die eindrucksvollen Klänge zweiter Alphörner genießen.

"Spinnalto 2.0" überzeugte auf ganzer Linie durch ein hohes Maß an Kreativität, Können und Ideenreichtum.

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