Mainleus
Großübung

Mainleus: Bundespolizei hat die Täter im Visier

Schüsse, Verletzte, Tote: Den Ernstfall trainierte die Bundespolizei mit über 200 Mann am Mittwoch. Der Einsatz zog sich von Weismain nach Mainleus.
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Großübung der Bundespolizei in Mainleus. Foto: Barbara Herbst
Großübung der Bundespolizei in Mainleus. Foto: Barbara Herbst
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9.22 Uhr, Parkplatz Schrepfersmühle im Kleinziegenfelder Tal: 200 "Fußballfans" (allesamt Polizeischüler aus Bamberg) reisen in einem vollbesetzten Bus an. Sie wollen zu einem brisanten Entscheidungsspiel ins Waldstadion nach Weismain.

Für die 200 Beamten der Bundespolizeiabteilung Bayreuth, die zu solchen Anlässen regelmäßig die "normale" Polizei unterstützen, ist die Großübung ein Routineeinsatz. So wie er jedes Wochenende bei Fußballspielen in der Bundesrepublik stattfinden. Personenkontrollen. Störer und gewaltbereite Fans von den friedlichen trennen. "Abfischen" nennt sich das im Jargon. Die Kräfte können zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass das Fußballspiel bald zur Nebensache wird.

"Die Beamten, die an der Übung teilnehmen, wissen nicht, was sie erwartet", erklärt Veit Diettrich, der bei der Bundespolizei Bayreuth für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Denn noch während die Kontrollen der Fans laufen, ändert sich ihr Auftrag. Aus Mainleus werden Schüsse gemeldet. Eine "lebensbedrohliche Einsatzlage" in der ehemaligen Spinnerei . Was genau passiert ist, wissen die Bundespolizisten nicht. Wie viele Täter sind am Werk? Wo haben sie sich auf dem großen Gelände verschanzt? Es gibt Verletzte, vielleicht auch Tote.

10.22 Uhr. Auf dem Gelände der Spinnerei sind Explosionen zu hören. Rauch steigt auf, Schüsse hallen durch die Gassen der alten Industriebrache. Eine blutverschmierte Frau rennt schreiend aus dem Komplex.

10.30 Uhr. 40 Einsatzfahrzeuge sind mit Blaulicht in Mainleus eingetroffen. Zwei "angeschossene Polizisten" einer Streife liegen hinter einem Auto und rufen um Hilfe. "Hier ist es wichtig, schnell, aber nicht überhastet vorzugehen, überlegt und konsequent zu handeln", erklärt Polizeidirektor Dieter Hader, zugleich Abteilungsführer der Bundespolizeiabteilung Bayreuth, den Hintergrund der Übung.

Mit Blick auf die aktuellen Terroranschläge hat sich das Vorgehen der Beamten geändert. "Man muss mit dem Einsatz von Schusswaffen und Sprengmitteln rechnen", sagt Hader. Während es früher meist reichte, den oder die Täter mit Schüssen in Arme oder Beine handlungsunfähig zu machen, ist das heute oft nicht mehr ausreichend. "Als letztes Mittel bedeutet das, den Täter auszuschalten." Auch müsse man heute in solchen Fällen mit vielen Verletzten rechnen, deshalb sei die Versorgung dieser Menschen ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung.

Die Beamten, die in mehreren Teams vorrücken, werden genau von so genannten Beobachtern - darunter auch GSG9-Kräfte - überwacht. Sie sollen Fehler aufzeigen, aus denen die Einsatzkräfte lernen können. "In den folgenden Wochen wird die Übung intensiv aufgearbeitet", so Hader weiter, der sich am Ende des Einsatzes zufrieden zeigen und das konsequente Vorgehen der Kräfte loben wird.

Aber noch ist es nicht so weit. Die mit Maschinenpistolen ausgerüsteten Einsatztrupps arbeiten sich langsam vor, müssen sich absichern, um nicht selbst zur Zielscheibe zu werden. Nicht allen gelingt das. Immer wieder liegen "tote" Beamte am Boden. Vor allem unter den ersten Kräften vor Ort sind Opfer zu verzeichnen. Sie sind in eine Sprengfalle und unter feindliches Feuer geraten.

Erst nach und nach gelingt es den Beamten, die fünf Täter auszuschalten. Sie sichern Erdgeschoss, Außengelände, den Keller..

Während es in der alten Spinnerei wie im Krimi zugeht, läuft auch außerhalb die Maschinerie auf Hochtouren. Die Zugänge zur Spinnerei werden abgesichert, vor dem Komplex wird ein sicherer Bereich zur Behandlung von Verletzten eingerichtet.

11.50 Uhr. Die Übung ist zu Ende. Es gibt Applaus von den Beobachtern.

Die Kräfte legen die schwere Montur ab, sind froh, aus der warmen Halle herauszukommen. Es gibt Getränke und Verpflegung. Feierabend ist deswegen aber noch nicht. Am Nachmittag findet eine Fortbildung zur Bewältigung verschiedener Einsatzszenarien statt. Denn der nächste Ernstfall ist sicher nicht weit ...
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