Kulmbach
Initiative

Mahnwache für ertrunkene Flüchtlinge

Mit einer Mahnwache machte ein Kulmbacher Aktionsbündnis auf ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam und forderte die Einrichtung einer Seebrücke.
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1Sonny Adam
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Sechs Menschen täglich sind im vergangenen Jahr bei der versuchten Überquerung des Mittelmeers ertrunken - das geht aus der Bilanz des Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) vor. Insgesamt starben 2275 Menschen. Um darauf aufmerksam zu machen, haben Amnesty International, die Partei mut, die Grünen und Interessierte in Kulmbach eine Mahnwache initiiert. Rund 40 Menschen nahmen am Dienstagabend daran teil.

Georg Friedmann von Amnesty International, Arno Pfaffenberger und Gigi Raithel von der Partei mut, aber auch Dagmar Keis-Lechner von den Grünen breiteten auf dem Kulmbacher Marktplatz ehrfurchtsvoll eine dunkle Plane aus. Darauf setzten sie gefaltete Papierschiffchen in leuchtendem Orange. Die Boote trugen die Aufschrift: "Stoppt das Sterben im Mittelmeer!"

Die Mahnwache sollte Passanten wachrütteln, zum Nachdenken aufrufen. "Wir müssen über Ängste und über die unsichtbaren Feinde der Demokratie reden. Wir müssen über extremistische Kräfte im Innenministerium sprechen", sagte Arno Pfaffenberger von der Partei mut. Statt Hilfe kämen nur "Hau-ab"-Gesetze, so Pfaffenberger. Er sah es als Skandal, dass die Veröffentlichung von Abschiebeterminen unter Strafe gestellt werden solle. Auch die Tatsache, dass Flüchtlinge bis zu zehn Tage inhaftiert werden könne, sah Pfaffenberger als Angriff auf die Demokratie.

Die Menschen, die zur Mahnwache gekommen waren, stellten Lichter auf - mitten in den Schiffskonvoi. Jedes Licht sollte einen verunglückten Flüchtling symbolisieren.

Georg Friedmann betonte, wie wichtig eine "Seebrücke" über das Mittelmeer wäre. Man dürfe nicht diskutieren, ob Flüchtlinge an Land gelassen werden und wer sie aufnehmen sollte. "Das einzige Ziel der Politik ist es, Menschen von Europa fernzuhalten - man nimmt Folter, Verbrechen, Menschenhandel und andere Verbrechen in Kauf", prangerte Friedmann an.

Dagmar Keis-Lechner (Die Grünen) machte sich für eine politische Intervention stark. Alle Industrienationen müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Fluchtursachen zu bekämpfen.

"Es ist wichtig, auf die Not der Menschen aufmerksam zu machen", sagte stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Sie sprach im Namen des Landkreises Kulmbach, aber auch als Vertreterin der evangelischen Kirche. Jeder Tod sei sinnlos und überflüssig. Auch Dekan Thomas Kretschmar nahm an der Mahnwache teil.

Auch fünf Flüchtlinge aus Afghanistan mischten sich unter die Demonstranten. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie "Stoppt das Sterben - nicht die Retter!", "Flucht ist kein Verbrechen" oder "Seebrücke statt Seehofer!". Die Schilder stammten von den Organisatoren der Mahnwache.

Mohammes Sekil Sharifi ist 20 Jahre alt. Er hat in Deutschland eine Schule besucht, hat aber schon seine dritte Ablehnung. "Es kann sein, dass ich nächste Woche bei der Abschiebung dabei bin", sagte er und fügte leise hinzu: "Aber ich kann nichts machen."

Auch Reza Mohmamadi (21) hat schon zwei Ablehnungen, genauso wie Bashir Mohammadi (20). Etwas zuversichtlicher waren die beiden anderen Flüchtlinge. Asisz Ghorbani (24) hat in Kulmbach soeben einen Asia-Laden aufgemacht, Said Hosseini (18) hat ein Abschiebungsverbot. "Ich hatte einfach etwas mehr Glück", sagt er.

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