Langenstadt
Tradition

Lothar Semmelmann: Vater der Tanzlinde

Seit fünf Jahren wird in Langenstadt wieder auf dem Baum getanzt. Lothar Semmelmann und sein Verein investierten viel Arbeit, damit im und unter dem Wahrzeichen des Ortes gefeiert werden kann.
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Der Vorsitzende des Tanzlindervereins Lothar Semmelmann erklärt, wie die Langenstädter Tanzlinde gezogen werden muss, damit optimal auf ihr getanzt werden kann.  Foto: Julia Schilling
Der Vorsitzende des Tanzlindervereins Lothar Semmelmann erklärt, wie die Langenstädter Tanzlinde gezogen werden muss, damit optimal auf ihr getanzt werden kann. Foto: Julia Schilling
Früher soll der Baum als Gerichtslinde genutzt worden sein. Das erzählt man sich zumindest in Langenstadt - so genau weiß es jedoch niemand. Wofür er heute gebraucht wird, ist im ganzen Landkreis bekannt: zum Tanzen und Feiern!

Eigentlich ist 1858 zum letzten Mal auf der Linde getanzt worden. 2008 wurde dann aber der Tanzlindenverein in Langenstadt gegründet. "Wir wollten die Tradition wieder aufleben lassen", sagt Vorsitzender Lothar Semmelmann (50).

Kein Unglück herausfordern

Seitdem ist das Leben auf die Linde zurückgekehrt. Bis zu zehn Pärchen dürfen auf die Bruck. Das massive Eichenholz und die Sandsteine würden sicher mehr Gewicht aushalten, vermutet Semmelmann. Man wolle aber kein Unglück herausfordern.

Im Kulmbacher Raum gibt es neben der Tanzlinde in Langenstadt noch eine in Limmersdorf und Peesten.
Zwei weitere findet man dann erst wieder in Thüringen. "Früher hat es mehr solche Tanzlinden geben", sagt Herbert Hübner, der Vorstandsmitglied im Verein ist.

Knapp 150 Jahre ohne Tanzbruck

Als um das Jahr 1885 zum letzen Mal auf der Linde getanzt wurde, entfernte man auch die Bruck. Bis 1990 stand dann inmitten der acht Sandsteinsäulen nur der Baum mit einen Stammumfang von 3,60 Metern. Ein Gewittersturm beschädigte ihn jedoch so enorm, dass er 1990 gefällt werden musste.

Im gleichen Jahr pflanzte man dann eine Russische Grimmlinde. Normalerweise handelt es sich bei Tanzlinden immer um Sommerlinden, erklärt Semmelmann. Mit der Gründung des Vereins 2008 begann der Bau einer neuen Tanzbruck, die 2010 fertiggestellt wurde. Sie wird noch von den alten Sandsteinsäulen gestützt. Auch einen Treppenaufgang, über den die Tanzlinde vom Nebengebäude aus begehbar gemacht wurde, baute der Verein.

"Dabei haben die Mitglieder viel Eigenleistung an den Tag gelegt", erklärt Semmelmann nicht ohne Stolz. "Insgesamt waren das sicherlich 750 Stunden - die ein Viertel der Gesamtkosten ausmachten."

Richtig ziehen

Bevor eine Linde jedoch zur Tanzlinde wird, muss sie "gezogen" werden. Wolfgang Schwarz, ebenfalls Mitglied im Vorstand, erklärt das Prinzip: "Die Äste werden so mit Seilen gezogen, wie sie wachsen sollen. Dann werden sie festgebunden, damit sie auch genau in die richtige Richtung gehen. Die unteren Äste sollen bis hoch zur Brüstung wachsen", so Schwarz. Damit sich starke Äste ausbilden, müssen die waagerechten Äste immer wieder gestutzt werden. Insgesamt wird die Linde ein- bis zweimal im Jahr beschnitten.

Heute beginnt die Langenstadter Tanzlindenkerwa, die die Einwohner donnerstags traditionell als Wirtshauskerwa feiern. Am Freitag findet dann das "Runterspielen der Ortsburschen" statt. Außerdem eröffnen zehn Pärchen den Tanz auf der Linde. Am Sonntag sorgen die Wiesentaler Musikanten für gute Stimmung auf der Lindenkerwa. Bei einem Gaudifußballspiel treten die verheirateten Langenstadter gegen die ledigen an.

Rumspielen am Montag

Das Highlight wird aber das "Rumspielen" am Montag sein. Fünf Kilometer werden dann die zehn bis 14 Pärchen von 9 bis 17 Uhr durch die umliegenden Dörfer laufen und vor jedem Haus tanzen. Dass diese Tradition in Langenstadt nun seit knapp fünf Jahren wieder gelebt wird, freut freilich nicht nur den Verein, sondern sicherlich auch die restliche Dorfgemeinschaft.
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