Kulmbach

Lob der Bescheidenheit

Wenn man jung ist, hat man große Träume. Später genießt man eher die kleinen Freuden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Katrin Geyer
Foto: Katrin Geyer

Was wird man mit den Jahren doch bescheiden! Früher, wenn es Herbst wurde, tat und wünschte man sich Großes. Fuhr so eben mal übers Wochenende in jenes Gebirgstal, in dem die Ahornbäume in dieser Zeit so golden leuchten. Der Klimawandel war noch nicht erfunden. Deshalb träumte man von noch mehr Herbst: Indian Summer auf dem Appalachian Trail. Oder gleich ganz hoch oben in der kanadischen Tundra.

Und dann der Winter: Mit dem Hundeschlitten durch Lappland fahren, auf Skiern die Hänge in den Rocky Mountains hinunter. Man hat das nie gemacht, sondern hat sich bestenfalls einen Wochen-Ski-Pass am Kronplatz gegönnt. Aber man hätte gekonnt. Theoretisch.

Können würde man jetzt auch. Vermutlich nicht nur theoretisch, denn seit den Studentenzeiten hat sich die Lage einkommenstechnisch doch verbessert.

Aber will man überhaupt noch? Ich selber übe mich ganz ohne Bedauern schon längst in Bescheidenheit. Wenn es Herbst wird draußen und regnerisch und grau, freue ich mich, dass ich selbst gestrickte Wollsocken besitze und ein Kirschkernsäckchen für den schmerzenden Nacken. Und wenn der Winter dann kommt, mit klirrendem Frost und vielleicht sogar Schnee: Dann bin ich glücklich, dass mein neues Auto eine Sitzheizung hat.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren