Stadtsteinach
Hilfsaktion

Liebe auf den ersten Blick

Sonja Birner aus Wonsees kümmert sich ehrenamtlich um den kleinen Yusef, der seine Beine nicht benutzen kann. Die BR hilft mit einer Spendenaktion.
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Yusef ist ein aufgeweckter kleiner Junge, der sich für alles Neue einschließlich der Bücher seiner Geschwister interessiert. Familienpatin Sonja Birner verbringt gerne Zeit mit dem Kleinen. Mit im Bild ist Yusefs Schwester Asya. Foto: Dagmar Besand
Yusef ist ein aufgeweckter kleiner Junge, der sich für alles Neue einschließlich der Bücher seiner Geschwister interessiert. Familienpatin Sonja Birner verbringt gerne Zeit mit dem Kleinen. Mit im Bild ist Yusefs Schwester Asya. Foto: Dagmar Besand
Es war im Sommer 2015: Yasmin und Samir Mohamad flohen mit ihren beiden Kindern Asya und Rashid aus dem syrischen Aleppo nach Deutschland. Yasmin war im zweiten Monat schwanger, und die Familie hatte nach fünf Jahren Bomben, Straßenkämpfen und Giftgasattacken keine Hoffnung mehr auf ein Leben in Frieden und Sicherheit in ihrer Heimat.
Es ist eine moderne Weihnachtsgeschichte: eine Familie unterwegs ins Ungewisse, auf der Suche nach einer Bleibe, einem Ort, wo sie willkommen ist. Diesen Ort fanden die Mohamads im Landkreis Kulmbach. Aus einem zentralen Aufnahmequartier kam die Familie zunächst nach Wonsees. Heute wohnt sie in Stadtsteinach.
Eine der ersten Einheimischen, die die Mohamads kennenlernten, war Sonja Birner. Sie kümmerte sich als ehrenamtliche Helferin um die Familie. "Ich mochte die Mohamads von Anfang an. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich die Wonseeserin. "Die Chemie zwischen uns hat einfach gestimmt."


Ein Schock ohne Vorwarnung

Dann kam der 5. April 2016: Im Kulmbacher Klinikum kam Söhnchen Yusef zur Welt - mit einer schweren körperlichen Behinderung, von der die Mutter vorher nichts ahnte. Die Beine und Füße des kleinen Jungen waren deformiert, vermutlich eine Folge des Giftgases, dem die Mutter während des Krieges ausgesetzt war. Im Raum Aleppo sind inzwischen viele Kinder mit ähnlichen Behinderungen geboren worden. Bald war klar: Mit diesen Beinen wird er nicht laufen lernen können. Schlimmer noch: Die Beine sollten amputiert werden. Nach langer Suche haben die Mohamads jetzt mit Unterstützung ihrer Familienpatin Spezialisten am Universitätsklinikum Münster gefunden, die das Kind operieren und seine Beine retten wollen.
Als die Bayerische Rundschau davon erfuhr, war in der Redaktion sofort klar: Da möchten wir helfen! Auf die Familie werden im Zusammenhang mit den notwendigen Operationen in nächster Zeit viele große Belastungen und erhebliche Kosten zukommen. Deshalb gilt ihr unser aktuelles Weihnachts-Spendenprojekt (siehe Infokasten).


Hilfebedarf ist unterschiedlich

Sich in einem fremden Land zurechtfinden, eine neue Sprache lernen - das ist nicht leicht für die Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten. Menschen zu haben, die sie - im übertragenen Sinne oder auch ganz wörtlich genommen - bei der Hand nehmen und das erste Stück des Weges mit ihnen gehen, sind da eine wertvolle Hilfe.
Das weiß auch Peter Müller, der als Koordinator der Bildungsangebote für die neu Zugewanderten am Landratsamt Kulmbach tätig ist. "Ohne Ehrenamt geht nichts", sagt er. Die Anforderungen an die Ehrenamtlichen seien dabei ganz unterschiedlich und verändern sich mit dem Integrationsprozess. Es ist eine dynamische Entwicklung, die den einheimischen Helfern auch einiges abverlangt. Nicht jeder kann und will sich in die vielfältigen schwierigen Fragestellungen einarbeiten, die sich im Verlauf dieses Prozesses ergeben können. Das muss auch nicht sein: Dafür sind die Profis da.


Weiterbildung für die Helfer

Um die Ehrenamtlichen, die sich intensiv um die Integration der Geflüchteten kümmern, zu unterstützen, hat Bildungskoordinator Müller vor einem Jahr eine Seminarreihe für Ehrenamtliche gestartet. "Dabei ging es nicht nur um das Vermitteln von Wissen, beispielsweise zu ausländer- oder arbeitsrechtlichen Fragen, sondern auch darum, alle Akteure zusammenzubringen. Vieles läuft einfach besser, wenn man sich kennt und weiß, wer wann wofür der richtige Ansprechpartner ist."
Aktuell sind rund 1000 Geflüchtete in 13 Gemeinden an 45 Standorten untergebracht. Es gibt drei Gemeinschaftsunterkünfte in Neuenmarkt, Kulmbach und Mainleus, in denen jeweils eine hauptamtliche Betreuungskraft tätig ist. Der Rest der Unterkünfte ist dezentral, und da gibt es in jeder Gemeinde Helferkreise, die die Neuankömmlinge unter ihre Fittiche nehmen. Insgesamt sind es bis zu 300 Ehrenamtliche, die sich mehr oder weniger intensiv um die Menschen kümmern.


"Ich bin sehr stolz auf die Familie"

Zu denen, die sehr viel Zeit und Engagement investieren, gehört Sonja Birner. Sie hat "ihre Familie" auch nach dem Umzug nach Stadtsteinach weiterbegleitet, fährt noch immer mindestens einmal pro Woche von Wonsees nach Stadtsteinach. Die Mohamads sind ihr ans Herz gewachsen: "Ich bin sehr stolz auf alle. Sie haben schon so viel erreicht, sprechen gut Deutsch, sind sehr selbstständig."
Daran hat die 61-Jährige großen Anteil. Sie gehört für die Mohamads längst zur Familie. Vor allem Mutter Yasmin ist glücklich, dass sie Sonja Birner an ihrer Seite hat - als Freundin, als mütterliche Ratgeberin, als eine, die weiß, wo man hingehen muss, wenn es ein Problem zu lösen gilt.


Unsere Spendenaktion

Zweck Die Bayerische Rundschau und "Franken helfen Franken" bitten die Leserinnen und Leser der BR um Spenden für die Begleit- und Folgekosten der notwendigen Operationen des kleinen Yusef. Bitte geben Sie als Verwendungszweck "Yusef" an.
Kostenlos Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken (MGO), der die Bayerische Rundschau angehört.
Spendenkonto Sparkasse Bamberg; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01
BIC: BYLADEM1SKB
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