Weiher
OB-Wahl

Lehmann trägt die Niederlage mit Fassung

Der unterlegene SPD-Kandidat wird in der Gastwirtschaft Ohnemüller mit Beifall empfangen: "Ich haben alles gegeben, ich muss nicht in Sack und Asche gehen."
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"Du hast nicht verloren, Du hast ganz viele Sympathien gewonnen":  Landtagsabgeordnete Inge Aures tröstet den unterlegenen OB-Kandidaten der SPD, Ingo Lehmann. Fotos: Stephan Tiroch
"Du hast nicht verloren, Du hast ganz viele Sympathien gewonnen": Landtagsabgeordnete Inge Aures tröstet den unterlegenen OB-Kandidaten der SPD, Ingo Lehmann. Fotos: Stephan Tiroch
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Als SPD-Kandidat Ingo Lehmann um 18.34 Uhr den Saal in der Gastwirtschaft Ohnemüller betritt, ist die Wahl bereits gelaufen. Stadtrat Claus Stenglein gibt den Zwischenstand durch: "61,52 Prozent für Schramm, 33,69 Prozent für Lehmann und 4,89 Prozent für Herold - vier Stimmbezirk fehlen noch." Da ist den Genossen klar, dass es bei der Kulmbacher Oberbürgermeisterwahl keine Überraschung geben wird.

Schon um 18 Uhr ist der Saal voll. Matthias Schau bedient Computer und Beamer und versorgt die Genossen mit den aktuellen Zwischenständen. Das erste Ergebnis aus Oberdornlach versetzt so manchem einen Schock. "80 Prozent für Schramm ..." Was Stadtrat Helmuth Breitenfelder, einen alten Hasen in Sachen Wahlen, nicht überraschen kann: "Das ist doch normal. Gut, dass es nicht 90 Prozent sind." Als die Hälfte der Stimmbezirke ausgezählt ist, weiß nicht nur Erika Brose, "dass es keine Stichwahl geben wird". Doch Helmut Weith betont, "dass noch nicht aller Tage Abend ist", und bemüht den Vergleich mit dem Fußball: Schließlich habe die deutsche Nationalmannschaft gegen Schweden auch schon 4:0 geführt - und am Ende hieß es 4:4.

Dann kommt Ingo Lehmann mit seiner Familie. Lebensgefährtin Margit Eber und deren Tochter Laura, die den OB-Kandidaten der SPD in den zurückliegenden harten Wochen des Wahlkampfs unterstützt haben, sind auch jetzt dabei. Der Beifall ist groß, aber es ist kein Siegerapplaus. "Ich bin stolz auf Euch alle, Ihr habt mich super unterstützt", sagt Lehmann. Er ist sogar schon wieder zu Scherzen aufgelegt: "Dass wir in Oberdornlach nicht die absolute Mehrheit holen, war klar ..." Natürlich sei er zunächst enttäuscht gewesen, doch er sei Demokrat und akzeptiere den Wählerwillen. Und er habe gewusst, dass es nicht einfach wird gegen einen amtierenen OB. "Ich habe alles gegeben, ich muss nicht in Sack und Asche gehen", sagt er. Offenbar hätten seine Themen die Wähler nicht überzeugt.

Die Landtagsabgeordnete Inge Aures tröstet Ingo Lehmann: "Du hast nicht verloren, Du hast ganz viele Sympathien gewonnen." Sie gibt zu, dass sich die SPD insgeheim etwas mehr erwartet hat. Sie spricht es nicht aus, aber sie meint die Stichwahl. Schließlich habe es im Vorfeld der Wahl viele Diskussionen über den amtierenden OB und seine Amtsführung geben. Aures lobt Lehmanns sachlichen und fairen Wahlkampf. Da sei nichts verkehrt gelaufen. Die SPD habe halt nicht die finanziellen Mittel wie die CSU.

Ihre Landtagskollegin Susann Biedefeld, seit 13 Jahren Arbeitgeberin des SPD-Kandidaten, gibt zu, "dass ich Ingo lieber als OB gehabt hätte". Sie hätte ihren Mitarbeiter gerne abgegeben. Aber, was nicht ist, kann ja noch werden - die SPD-Abgeordnete betont: "Ingo hat zwei Vorteile - er ist jung und gesund und kann in acht Jahren noch mal einen Anlauf unternehmen."

Mit der weiteren Zukunft mag sich Ingo Lehmann am Wahlabend jedoch nicht befassen. Er sei Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat und werde seine Arbeit für Kulmbach weitermachen. Er holt sich erst mal ein Bier, bevor er in die "Alte Feuerwache" aufbricht, um dem Wahlsieger zu gratulieren, und ruft seinen Freunden zu: "Wir haben trotzdem allen Grund zu feiern."
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