Kulmbach
Selbsthilfegruppe

Leben nach der Krebsoperation: "Ich sage 'Ja' zum Leben!"

In einer Selbsthilfegruppe tauschen sich Frauen aus, bei denen eine Brustkrebs-Erkrankung das ganze Leben auf den Kopf gestellt hat.
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Seit zehn Jahren besteht die Kulmbacher Selbsthilfegruppe "Frauen nach Krebs" mit ihrer Leiterin Liane Wack (links im Bild). Zu den Angeboten gehört auch ein Nodic-Walking-Treff.Foto: Rainer Glissnik
Seit zehn Jahren besteht die Kulmbacher Selbsthilfegruppe "Frauen nach Krebs" mit ihrer Leiterin Liane Wack (links im Bild). Zu den Angeboten gehört auch ein Nodic-Walking-Treff.Foto: Rainer Glissnik

Was für eine Diagnose: Krebs. Diese verändert dramatisch das Leben jedes betroffenen Menschen. Die Betroffenen bekommen vielfältige medizinische Hilfe. Sie machen sich meist auf einen langen Weg. Dabei nicht allein zu sein macht vieles leichter.

In Kulmbach feiert die Selbsthilfegruppe "Frauen nach Krebs" heuer ihr zehnjähriges Bestehen. Zehn Jahre, in denen viele Menschen dazu kamen, dabei blieben oder ihren eigenen Weg weiter gingen - manche fand auch Trost, wenn der Weg schließlich doch nicht weiter führte.

Krebs-Selbsthilfegruppen sind nach der Akutbehandlung häufig erste und wichtige Anlaufstellen für Patienten.

Aus dem Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit Gleichbetroffenen können Patienten Mut und Zuversicht schöpfen. Die Mitglieder von Selbsthilfegruppen sind aufgrund der Erfahrungen mit ihrer eigenen Erkrankung Fachleute für Fragen des Alltags und der Lebensgestaltung.

In der Gruppe erfahren Betroffene, wie andere ihren Alltag bewältigen, und was sie selbst tun können, um den Schock von Diagnose und Therapie zu überwinden.

"Ich sage Ja zum Leben", stellt die Leiterin der Kulmbacher Selbsthilfegruppe, Liane Wack, fest. Kurz vor der Gründung der Selbsthilfegruppe gestaltete sie ein Büchlein, das unendlich viel sagt. "Hoffnung, Heilung, Zuversicht" hat sie es überschrieben. Die Idee dazu war zwischen Chemotherapie und Strahlentherapie gereift, um die Weihnachtszeit 2007. "Die Diagnose Brustkrebs hat mich persönlich in einen Ausnahmezustand versetzt und mein bisheriges Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt", schrieb sie damals. "Mir war sofort klar, dass ich mein Leben verändern und Abstand zu meinem Arbeitsleben gewinnen musste. Finanzielle Sicherheit und ein unkündbarer Job verlieren an Bedeutung, wenn es plötzlich ums eigene Überleben geht. Werte, die bisher wichtig waren verändern sich. Es war plötzlich möglich, jeden Tag bewusst zu genießen und dankbar für kleine Genesungsschritte zu sein."

Die Krankheit lehrte sie, Wege zu einem bewussteren Leben zu suchen, um so Körper, Geist und Seele wieder heil werden zu lassen. Die Krankheit gab ihr die Möglichkeit, über den Sinn ihres Lebens in Ruhe nachzudenken und Tore zu anderen Aufgaben und Zielen zu öffnen. "Die Krankheit hat mir eine größere Ruhepause zwangsverordnet, aber auch die Möglichkeit gegeben, inne zu halten. Es war mir möglich, Dinge neu zu ordnen und zu fragen, was wichtig ist und was zählt. "

Für Liane Wack war all dies ein Grund, sich bis heute maßgeblich in der Selbsthilfegruppe zu engagieren. Sie kann aus eigenem Erleben viel weitergeben. Neben dem Durchstehen der medizinischen Behandlung hatte sie immer das Bedürfnis, selbst mitzuwirken, sich zu informieren und aktiv an ihrer Genesung und Heilung mitzuarbeiten. "Dieses aktive Mitarbeiten ließ bei mir kein Gefühl des Ausgeliefertseins entstehen", sagt sie.

Chance auf ein neues Leben

"Zum ersten Mal in meinem Leben rückte ich in den Mittelpunkt und suchte nach Möglichkeiten, mir Gutes zu tun. Die Krebserkrankung war für mich eine Chance ein neues Leben zu beginnen." Sie konnte längst überfällige Veränderungen mutig angehen, denn sie hatte das Schlimmste hinter sich - den Krebs.

Schon während der Chemotherapie war Liane Wack der Gedanke gekommen, ihre Erfahrungen nicht für sich behalten zu wollen. "Ich spürte einen großen Bedarf unter den Frauen, über ihre Probleme zu reden."

Vor zehn Jahren besuchten Christine Thümling und Liane Wack einen Kurs bei der Beratungsstelle in Bayreuth. Karin Schulz von der Beratungsstelle regte an, in Kulmbach eine eigene Selbsthilfegruppe zu gründen. Gestartet wurde als Gesprächsgruppe.

In der Gemeinschaft wird spürbar, dass Andere gleiche Probleme haben. Ganz oft wurden bei den Treffen konkrete Themen besprochen. Wie führe ich ein Arztgespräch? Wie bereite ich mich da vor?

Bewegung tut gut

Es wurde viel gemacht was den Teilnehmerinnen einfach gut tut wie Yoga oder Qi Gong und andere Entspannungstechniken. Es kamen Referenten, die beispielsweise zum Umgang mit Ängsten sprachen.

Wenn das Wetter es zulässt läuft die Nordic-Walking-Gruppe jede Woche, denn Bewegung tut gut. Alle zwei Jahre wird ein gemeinsames Wochenende in Schloss Schney oder neuerdings im Kloster Kirschletten organisiert. "Wir bereiten dies immer selbst vor, buchen Referenten", erläutert Liane Wack.

Die Teilnehmerinnen der Selbsthilfegruppe sind zwischen 35 und 70 Jahren alt. "Wir sind immer offen für neue Interessentinnen." Einige der Frauen sind schon lange dabei, andere erst kürzlich dazu gestoßen.

Um der wichtigen Bedeutung der Selbsthilfe für das moderne Gesundheitssystem Rechnung zu tragen, unterstützt die Deutsche Krebshilfe auch diese Kulmbacher Selbsthilfeorganisation.

Kontakt Liane Wack Höferänger 4, Kulmbach, Telefon 09221/3917500, Email: liane.wack@web.de

Veranstaltung Zum zehnjährigen Bestehen findet am morgigen Mittwoch um 19 Uhr ein Leitender Oberärztin Gabriele Stenglein, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Kulmbach, statt. Thema "Gesundheit für mich und meine Umwelt"

Die Treffen Die Treffen finden einmal monatlich mittwochs um 19 Uhr im Gemeindezentrum Friedenskirche (Ziegelhütten), Kemmetweg 1, Kulmbach, statt.

Weitere Angebote Außer den Gesprächsabenden gibt es etliche thematische Angebote wie Pilates, Töpfern, Bewegung. Für heuer stehen an festen Programmpunkten noch an: Sommerfest mit Jubiläumsfeier am 3. Juli, eine Kochvorführung "Zurück zu den Wurzeln" am 11. September mit Edith Wagner, "Miteinander umgehen" am 9. Oktober mit Kathrin Karban-Völkl, eine Kreativwerkstatt "Basteln mit Naturmaterialien" am 13. November und eine Adventsfeier am 11. Dezember. Ende Oktober findet ein dreitägiges Wochenende in der Benediktinerabtei "Maria Frieden Kirschletten" statt.

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