Langenstadt
Kerwa-Tradition

Langenstadter Kirchweih: Durchhaltevermögen ist gefragt

Sie ziehen juchzend durch das Dorf, bis nach Buch am Sand und Reuthersberg. Singen ihre Kerwaliedla, tanzen auf den Anwesen, bieten ein Schluck aus dem Sprenger an. Dafür gibt's einen Obulus, Verköstigung und etwas in die Spardose für die Ortsbum und Ortsmadla bei der Langenstadter Kirchweih.
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Der Tanz auf der Linde ist Tradition bei der Kerwa in Langenstadt. Fotos: Horst Wunner
Der Tanz auf der Linde ist Tradition bei der Kerwa in Langenstadt. Fotos: Horst Wunner
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Sie müssen aber auch Durchhaltevermögen beweisen, stand-und trinkfest sein, die Ortsbum und Ortsmadla. Zehn Pärchen sind es diesmal bei der Langenstadter Kirchweih, Kathrin Wirth ist die Chefin. "Wir wollen die Tradition der Kerwa und des Tanzens auf der Linde fortsetzen und auch in Erinnerung bringen, dass da mal eine Gerichtslinde stand, wo 1260 der Langenstädter Frieden besiegelt wurde. So viel spezielle Historie kann in der ganzen Region niemand vorweisen", meint sie ein bisschen stolz. Und gibt das Zeichen, die Treppe hinauf zu steigen auf die hölzerne Tanzfläche, die von Säulen getragen wird, umgeben von einem grünen Blätterdach.

Es wird sich zu den Klängen der "Wiesenthaler Musikanten" im Kreis geschwungen.
"Wer hot Kerwa, mir hom Kerwa, wer hot Kiechla, mir hom Kiechla", tönt es hinaus ins Rotmaintal, und die Zuschauer unten applaudieren.
Das Wirtshaus Hübner mit dem großen Tanzsaal und den fränkischen Spezialitäten ist die richtige Adresse, die Kerwa tüchtig zu feiern. Zwischen Linde und Gaststätte sitzen die Besucher eng beisammen, der Lindenverein kredenzt leckere Kuchen und Torten, man redet über alte Zeiten und Jugendstreiche und erinnert sich, selbst zu den Pärchen gehört zu haben.

Isabell und Lukas haben Premiere. Den 14-Jährigen - sie wohnt im Kerwadorf, er in Rottlersreuth - sieht man die Strapazen der vier Tage an, sie haben aber viel Spaß bei ihrem Debüt. Sie können schon ordentlich miteinander tanzen. Und rufen: "Wer hot Doscht? Mir hom Doscht! An Saudoscht!"

Auf die Frage, ob er aufgeregt gewesen sei vor dem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit, meint Lukas cool: "Wenig, ich habe mich eher darauf gefreut." Schon ganz wie ein Kerwa-Routinier ergänzt der Jüngste: "Mit der Isabell kann man sich gut im Walzertakt drehen." Die Realschülerin lacht und gibt zu verstehen, dass ihr das Kerwaleben im Blut steckt: "Schließlich bin ich ja in Langenstadt geboren." Ihr gefalle es auch, wenn die Leute einem zujubeln, das sei ein schönes Gefühl. Beide wollen nächstes Jahr wieder dabei sein. Lukas denkt noch etwas nach und sagt dann: "Mit dem Alkohol halte ich mich zurück, da sind die Älteren ein Stück voraus. Ein Seidla genehmige ich mir aber schon mal."

Lothar Semmelmann vom Lindenverein sitzt neben den Youngsters und freut sich über deren Teilnahme. Er hofft, dass weitere junge Langenstädter den beiden nacheifern.
Das Fußballspiel auf dem Bolzplatz neben dem Feuerwehrhaus gehört auch zur Kerwa. Wie meist in den letzten fünf Jahrzehnten siegten die Nachthemden (Verheirateten) gegen die Schlafanzüge (Ledigen), diesmal mit 16 : 5.

Rote Karten vom Bürgermeister

Die Partie leitete der neue Bürgermeister Harald Hübner. Er kam nicht umhin, ein paar Rote Karten zücken. "Ich hatte die Begegnung aber schon im Griff, ein Gemeindeoberhaupt muss ja auch eine gewisse Autorität ausstrahlen", sagt er und schmunzelt. Ein langer Schlafanzügler, der Otmar, auch Feuerwehrkommandant, macht noch mit einem akrobatischen Fallrückzieher auf sich aufmerksam.

Nach dem Schlusspfiff stürmten die Frauen der Akteure aufs Spielfeld und stimmten den Song an "So sehen Sieger aus".

Zum Finale gab es heute einen Kerwaumzug von 9 Uhr bis zum frühen Abend. Zuletzt bringen die Kerwa-Paare kaum mehr ein Wort heraus, treffen sich dann zum Absacker im Wirtshaus. Dort hören sie den Dorfmusikanten zu, einer bunt zusammengewürfelten Truppe, die nur am Kerwamontag aufspielt - vom Frühschoppen bis in die Nacht. Auch sie sind ein Stück Tradition: "Kumm, wir haua nuch aans nei", singen sie.
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