Bergleshof
Interview

"Landwirtschaft ade!"

Der Stadtsteinacher BBV-Obmann sieht seinen Berufsstand verunglimpft und gefährdet.
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BBV-Obmann Adolf Hildner brachte an einem "Grünen Kreuz" das Schild mit dem Text "Landwirtschaft ade! ..." an. Foto: Werner Reißaus
BBV-Obmann Adolf Hildner brachte an einem "Grünen Kreuz" das Schild mit dem Text "Landwirtschaft ade! ..." an. Foto: Werner Reißaus

Der Stadtsteinacher Obmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Adolf Hildner, ist bekannt für eine klare Sprache und mitunter auch für deutliche, kritische Worte gegenüber dem eigenen Verband und auch der Politik. Jetzt ließ er an der Anhöhe der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Stadtsteinach und Gumpersdorf Taten folgen: An einem "Grünen Kreuz" brachte er, mit einer Solarleuchte, damit man auch nachts den Text lesen kann, das Schild mit folgenden Zeilen an: "Landwirtschaft ade! Zu spät werden die grünen Besserwisser erkennen, dass Land- und Forstwirte die Einzigen waren, die wirklich und praktisch die Natur pflegen und erhalten."

Die Anbringung dieses Schildes hatte Adolf Hildner auch mit seinem Ortsverband abgesprochen, und deshalb war auch der Name "BBV-Ortsverband Stadtsteinach" am Ende angebracht. Wir haben uns mit Adolf Hildner über seine Beweggründe unterhalten. In den letzten Wochen wurden ja auch in unserer Region "Grüne Kreuze" auf landwirtschaftlichen Flächen aufgestellt. Was hat Sie zu dieser außergewöhnlichen Aktion veranlasst? Adolf Hildner: Durch eine bauernvernichtende Agrarpolitik sehen wir Landwirte uns gezwungen, Mahnkreuze aufzustellen. Wir wollen damit zeigen, dass eine familiengeführte, bäuerliche Landwirtschaft damit zu Grabe getragen wird. Es gab ja einen sogenannten "Runden Tisch" mit Ministerpräsident Markus Söder, an dem auch die Landwirte mit den Vertretern des Naturschutzbundes am Tisch saßen. Lässt das Ergebnis dieses Gespräches aus Ihrer Sicht zu wünschen übrig? Mehrheitlich waren Naturschützer, oder besser gesagt: Naturvernichter und Grüne, am Tisch. Hier wusste doch jeder, wie so ein Gespräch ausgeht. Ich kann mir nicht helfen, aber unser Ministerpräsident hat dabei auch die Funktion eines Steigbügelhalters der Grünen übernommen, denn durch eine Umschwenkung auf Klimawandel und Naturschutz will er für die nächste Landtagswahl punkten, und da zählt die Minderheit Landwirtschaft einfach nicht. Wie stehen Sie zur Biolandwirtschaft? Egal, ob Bio- oder konventionelle Landwirtschaft - wir sitzen alle im gleichen Boot. Aber jetzt schon zeigt sich, dass die Biomolkereien keinen neuen Bio-Lieferanten aufgrund von Absatzproblemen aufnehmen. Die Getreidepreise für Bioware fallen, und der Verbraucher will billig essen, und damit ist das auch nicht das Gelbe vom Ei. Es gibt freilich auch Ausnahmen. Wenn Auslandsprodukte billiger sind, ist es egal, wie das Tierwohl aussieht, welches Genfutter verabreicht wurde und wie die Schlachtung und der Transport abliefen. Hauptsache ist doch: Es muss billig sein. Haben Ihrer Meinung nach Junglandwirte überhaupt noch eine Chance und auch die Lust dazu, eine Landwirtschaft zu betreiben? Sollte nicht in absehbarer Zeit eine andere Landwirtschaftspolitik eintreten, dann wird es bald auch keine gut gehenden Betriebe mehr geben. Zwei meiner Enkelsöhne haben in Triesdorf die Fachschule für den Landwirtschaftsmeister und Landwirtschaftstechniker absolviert. Unter Tränen gaben sie mir preis, dass mit den derzeitigen Auflagen und Verordnungen keine vernünftige Landwirtschaft mehr zu betreiben sei. Sie waren der Meinung, dass die Bürokratieflut gegen die Landwirtschaft nicht mehr tragbar sei, und dazu kommen noch die extremen Wetterverhältnisse. Wo müsste der Hebel angesetzt werden, um was zum Positiven zu verändern? Der Verbraucher in Deutschland bekommt vollwertige und beste Qualität zu günstigen Preisen, jedoch wird alles konfisziert. Hier ist mehr Verständnis vom Verbraucher gewünscht, denn nur die Landwirtschaft leistet einen Beitrag zur Artenvielfalt und zur Klimaverbesserung. Ich erinnere hier an die Blühflächenaussaat - das "Grüne Kreuz" steht auf so einer Fläche - und die Reduzierung beziehungsweise eine Düngung nach Computervorgaben. Wie sieht Ihr Wunsch für die Zukunft in der Landwirtschaft aus? Ich möchte es nicht hoffen und spreche es ungern aus, aber der gebeutelten Landwirtschaft würde eine Art Hungersnot helfen, so brutal und erschreckend das klingt. Dann würden unsere Produkte und unsere mühevolle Arbeit von der Politik und den Verbrauchern nicht mehr mit Verachtung und Erniedrigungen betrachtet werden, sondern würden wieder die Anerkennung finden, die uns zusteht. Für mich ist klar: Stirbt der Bauernstand, stirbt das ganze Land! Das Gespräch führte Werner Reißaus.

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