Kulmbach
Kommunalwahl

Landrat Söllner tritt in Kulmbach nochmals an: "Eine schwere Entscheidung"

Klaus Peter Söllner (63) wird sich bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr ein fünftes Mal um das Amt des Landrats in Kulmbach bewerben. In einem Pressegespräch am Dienstag macht er allerdings deutlich, dass seine Entscheidung auch anders hätte ausfallen können.
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Klaus Peter Söllner
Klaus Peter Söllner
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Das Datum hat Klaus Peter Söllner parat: am 15. August 1996 war er zum letzten Mal krank. "Ich bin mit einer außergewöhnlichen Gesundheit gesegnet", sagt er - und dennoch ist er diesmal ins Grübeln gekommen. Der plötzliche Herztod des Schwagers, ein enger Wegbegleiter, der völlig überraschend seine Frau verloren hat - "das alles hat mich in den vergangenen Monaten massiv getroffen", räumt er ein. Selbst im Oktober habe es noch Augenblicke gegeben, in denen er für sich gedacht habe, dass er auch auf ein erneutes Antreten verzichten könnte.

Landratswahl 2020 in Kulmbach: Klaus Peter Söllner kandidiert erneut

Seit Ostern, so Söllner, habe er mit sich gerungen, jeden Tag überlegt. Zahlreiche Hinweise habe er von Freunden und Weggefährten erhalten - und es habe Etliche gegeben, "die verstanden hätten, wenn ich gesagt hätte: ich verzichte". "Es war jedenfalls eine der schwierigsten Entscheidungen in meinem Leben".

30 Jahre habe er inzwischen "Vollgas gegeben" - und er kenne Menschen, "die sagen, ich brauche das". Dennoch gebe es auch Augenblicke, in denen er sich nach Ruhe sehne.

Er sei jemand, der auf Gemeinsamkeit setze, so Söllner, der vor dem Pressegespräch folgerichtig mit den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag telefoniert hatte, um sie über seine Entscheidung zu informieren. Dass er auf seine Erfolge durchaus stolz sei, betonte der Landrat ebenfalls: der Landkreis Kulmbach habe die niedrigste Arbeitslosenquote bisher, eines der höchsten Steueraufkommen - und stehe mit nur noch 15 Millionen Euro Schulden bei einer hohen Investitionsquote am Jahresende sehr gut da.

Seine Teamorientierung führe dazu, dass er viel mit den anderen Fraktionen reden müsse - dafür seien aber alle eingebunden, was in der Kreispolitik keineswegs selbstverständlich, aber auch ein Grund für den Erfolg sei. "Mein Vater hat immer gesagt: Zwietracht zehrt - Eintracht nährt". Auch mit dem Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm habe er ein sehr gutes Miteinander - dadurch hätten Stadt und Landkreis gemeinsam sehr viel erreicht, etwa mit der Uni-Ansiedlung.

Dennoch habe der Landkreis Schwächen - das wolle er gar nicht verschweigen. Und Söllner ist sich sicher, "dass die nächsten Jahre schwierig werden". Er sieht, dass sich "in der Wirtschaft Wolken auftun", die sich auch negativ auf den Landkreis auswirken könnten. Es gebe hier Zulieferer von Automobil-Zulieferern, die von der Lage in dem Bereich abhängig seien.

Sich selbst sieht Söllner als "Troubleshooter, Problemlöser und Chancen-Nutzer". Die "Kraft des Faktischen" und seine Freien Wähler hätten ihn letztlich bewogen, weiterzumachen.

Deren Kreisvorsitzender, MdL Rainer Ludwig, verhehlte nicht, dass der BR-Artikel vom Montag "Alle rätseln: Was macht Söllner?" den Ausschlag gegeben habe, die Öffentlichkeit zu informieren. "Wir wollten die Spekulationen beenden". Er hätte auch Verständnis für eine Absage Söllners gehabt und sie respektiert. Nun sei er aber sehr froh, dass "das kommunalpolitische Kraftbündel" Söllner noch einmal als Landrat kandidiere. "Das sorgt für Ruhe und Stabilität".

Klaus Förster, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag, gewährte ein paar Einblicke in die Seelenlage seiner Vereinigung. Seit Mai habe man diskutiert und selber gerätselt, wie sich Klaus Peter Söllner wohl entscheiden werde. Nun habe man die Wahlliste zusammenstellen müssen - und es habe auch einige Kandidaten gegeben, die ihre Entscheidung, auf die Liste zu gehen, von der Söllners abhängig gemacht hätten.

Auch stellvertretender Landrat Dieter Schaar und Kulmbachs Bürgermeister Ralf Hartnack begrüßten die erneute Kandidatur Söllners. "Persönlich hätte ich es verstanden, wenn er nicht mehr angetreten wäre - politisch nicht."

Zur Person

Der am 6. September 1956 in Stadtsteinach geborene Klaus Peter Söllner ist seit 1996 Landrat des Landkreises Kulmbach. 2002, 2008 und 2014 wurde er jeweils im ersten Wahlgang im Amt bestätigt - zuletzt ohne Gegenkandidat und mit mehr als 96 Prozent Zustimmung. Söllner war zuvor sechs Jahre Bürgermeister seiner Heimatstadt. Der studierte Rechtswissenschaftler hatte seine berufliche Laufbahn beim Oberlandesgericht Bamberg, dem Landratsamt Wunsiedel und der Regierung von Oberfranken begonnen. Er ist Mitglied der Freien Wähler und bekleidet eine Vielzahl an Ehrenämtern, darunter die des Vorsitzenden des Klinikum-Zweckverbands Kulmbach, der Genussregion Oberfranken und des BRK-Kreisverbands Kulmbach.

Landräte

Klaus Peter Söllner ist der fünfte Landrat des Landkreises Kulmbach. Er wird nach einer Wiederwahl im kommenden Jahr die längste Amtsperiode aufweisen, die vorher Theodor Heublein (1947 - 1970) innehatte. Sein unmittelbarer Vorgänger war Herbert Hofmann (1984 - 1996), Kurt Held amtierte von 1970 - 1984. Erster Landrat in Kulmbach nach dem Zweiten Weltkrieg war Adam Sühler (1947).

Kommunalwahlen

Die Kommunalwahlen in Bayern finden am 15. März 2020 statt. Dann werden die überwiegende Zahl an Landräten, Oberbürgermeistern und Bürgermeistern ebenso neu gewählt wie Kreistage, Stadt- und Gemeinderäte. Die neue Amtsperiode beginnt am 1. Mai 2020. Bei den Kommunalwahlen 2020 schrumpft der Kulmbacher Kreistag von 60 auf 50 Köpfe. Der Grund: Der Landkreis verliert Einwohner und liegt bei der zweiten Kommunalwahl in Folge unter der Marke von 75.000. Verkleinert wird auch der Gemeinderat Grafengehaig - zum zweiten Mal unter 1000 Einwohnern - um vier auf nur noch acht Sitze.

Kommentar von Alexander Müller

Klaus Peter Söllner hat es sich nicht leicht gemacht - das zeigt das lange Hinauszögern einer Entscheidung. Der 63-Jährige absolviert seit mehr als 23 Jahren ein tägliches Pensum, das Beobachtern Respekt abnötigen muss. Ein Leben ohne nennenswerten Urlaub, ohne freie Wochenenden sind der Preis für den hohen Anspruch, den der Landrat an sich stellt: immer und überall präsent, von allen ansprechbar sein. Söllner agiert nicht abgehoben und bürokratisch, sondern legt Wert auf Einigkeit und Bürgernähe.

Daher besteht auch kein Zweifel an seiner Wiederwahl - das wissen auch die politischen Mitbewerber des im höchsten Maße Anerkannten und ausgezeichnet Vernetzten. Ernsthafte Chancen hat nach aktuellem Stand kein Gegenkandidat, auch wenn ein Wettbewerb um ein solch bedeutendes Amt in einer Demokratie dringend geboten wäre. Insofern dürfen es sich die politischen Parteien auch nicht zu leicht machen, zumal ein Mitbewerber in einem Wahlkampf bekannt(er) würde und so seine Ausgangsposition für die nächste Wahl verbessern könnte.

Jede Medaille hat freilich auch eine Kehrseite: Klaus Peter Söllner wird in den kommenden Jahren bewährte Wege gehen, was nicht falsch sein muss. Wirklich neue Impulse jedoch wird nur ein Nachfolger 2026 vermitteln können, der dann auch einer anderen Generation als der dann fast 70-jährige Söllner angehören wird. Und: Bei den Freien Wählern wird weiter alles auf ihren starken Mann zugeschnitten bleiben - ob es da gelingt, einen Nachfolger aus deren Reihen aufzubauen, wird sich zeigen.

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