Kulmbach
Frühjahrsputz

Landkreis Kulmbach: Sie sind die Saubermänner

Zwei Trupps des Bauhofs laufen 195 Kilometer Kreisstraßen ab und räumen im Straßengraben die Sauerei weg, die Autofahrer hinterlassen haben. Die Müllsuche kostet eine Stange Geld.
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Michael Pittroff (links) und  Jürgen Burger  sammeln die Hinterlassenschaften der Müllsünder ein. Foto: Stephan Tiroch
Michael Pittroff (links) und Jürgen Burger sammeln die Hinterlassenschaften der Müllsünder ein. Foto: Stephan Tiroch
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Ob die Sonne scheint, ob es regnet oder vielleicht noch mal schneit - jedes Jahr im Frühling rücken die Saubermänner des Kreisbauhofs aus. Ihr Job: die Schweinerei im Straßengraben wegräumen, die Autofahrer hinterlassen haben.

Ob sie da recht viel finden werden? Schließlich hat der Landkreis Kulmbach ein System der Abfallentsorgung, das für den Bürger bequem ist und von Restmüll über Papier und Verpackungen bis Sondermüll und Sperrmüll alles erfasst. Außerdem schreiben wir nicht mehr das Jahr 1970, das ökologische Bewusstsein ist gewachsen und laut Umweltbundesamt "in der Mitte der Gesellschaft angekommen".

Zwei bis drei Wochen unterwegs

Wie es in der Wirklichkeit ausschaut, wissen die Mitarbeiter des Kreisbauhofs Leuchau. "Wir schicken zwei Trupps zu jeweils vier Mann los", sagt Bauhofleiter Hans-Günther Dörfler. Die Leute seien zwei bis drei Wochen unterwegs: Denn es muss jeder Meter Kreisstraße abgelaufen werden, und zwar beidseitig. Insgesamt 195 Kilometer.

Michael Pittroff, Jürgen Burger, Christian Stark und Jannik Vogler bilden so einen Trupp. Wir treffen uns beim Weiler Kleetzhöfe an der KU 7, die von Thurnau nach Tannfeld, Alladorf und Trumsdorf führt. Von der Jurahöhe bietet sich eine herrliche Aussicht. Aber dafür haben die Straßenwärter jetzt keinen Blick.

Greifzange und blauer Sack

Jannik Vogler kontrolliert die Leitpfosten und Grenzpfähle. Christian Stark sitzt am Steuer des orangefarbenen Dienstfahrzeugs. Michael Pittroff und Jürgen Burger, bewaffnet mit Greifzange und blauem Sack, laufen voraus. Einer links, einer rechts, konzentrieren sie sich auf den Straßengraben, wo eigentlich nur Natur sein dürfte. Mit geübtem Blick entdecken sie die Hinterlassenschaften der Müllsünder.

Eingesammelt werden vor allem Einwegverpackungen, wo irgendwann einmal Kaffee oder Hamburger drin waren, sowie leere Wein- und Sektflaschen. Auch Flaschen und Dosen mit Pfand. "Aber Centbeträge sind denen nicht wichtig", meint Stark und glaubt, dass das Umweltbewusstsein eher nachgelassen hat.

"Jeder kennt seine Rechte ..."

Diesmal müssen er und seine Kollegen sich über einen Ölfilter und eine Dose mit Dieselzusatz besonders aufregen. "So was kann das Grundwasser verschmutzen und gehört in den Sondermüll", schimpft er und kritisiert: "Jeder kennt seine Rechte, aber nicht seine Pflichten."

Dabei hält sich die Müllmenge an der KU 7 bei Alladorf und Tannfeld noch in Grenzen. "Je näher wir zu den Hauptverkehrsstraßen kommen, desto mehr findet man", erklärt Michael Pittroff. Brennpunkte seien die Umgebung von Einkaufszentren sowie die Bereiche Mainleus und Neudrossenfeld mit viel überörtlichem Verkehr auf den großen Ost-West-Verbindungen.

Ganz was Feines

"Auf Parkplätzen an Autobahnen und Bundesstraßen ist es noch viel schlimmer", weiß Bauhofchef Dörfler. Aber auch den Kulmbacher Saubermännern ist fast keine Sauerei fremd. "Wir haben schon fast alles gefunden", sagt Jürgen Burger: vom Hausmüll über Spritzen und Windeln bis zum Kot- und Inkontinenzbeutel. Oder ganz was Feines: Plastikflaschen mit Urin. "Lkw-Fahrer pinkeln in die Flaschen und schmeißen sie dann einfach raus", so Stark. Gut, dass es die Greifzange gibt ...

Ob man sich manchmal Gedanken macht, wer die Leute sind, die so was tun? "Ja, schon, aber es führt zu nix", sagt Stark und klingt ein bisschen resigniert: "Es ist doch inzwischen fast schon normal geworden, irgendetwas aus dem Auto rauszuwerfen."

10 bis 15 Kubikmeter Müll

Jahr für Jahr kommen beim Frühjahrsputz an den Kreisstraßen 10 bis 15 Kubikmeter Müll zusammen. Ein Service, der nicht ganz billig ist. Hans-Günther Dörfler rechnet kurz nach, und das Ergebnis lautet: "Die Müllsuche kostet den Landkreis Kulmbach jedes Jahr 10.000 bis 15.000 Euro."

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