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Kulmbach
Pandemie

Landkreis Kulmbach plant voraus: Kein Covid-19-Patient bleibt unversorgt

Der Landkreis wappnet sich für einen möglichen Anstieg der Corona-Fälle. Ab Dienstag stehen an vier Standorten improvisierte Covid-Arztpraxen zur Verfügung.
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Schutzausrüstung ist noch immer Mangelware. Der Landkreis sorgt in den Covid-19-Praxen dafür, dass die Ärzte mit dem Notwendigen ausgestattet sind.  Symbolbild: Daniel Reinhardt, dpa
Schutzausrüstung ist noch immer Mangelware. Der Landkreis sorgt in den Covid-19-Praxen dafür, dass die Ärzte mit dem Notwendigen ausgestattet sind. Symbolbild: Daniel Reinhardt, dpa
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Noch sind die Fallzahlen im Raum Kulmbach überschaubar, aber das kann sich jederzeit ändern. Der Landkreis Kulmbach rüstet sich deshalb für einen möglichen Anstieg der Corona-Infektionen. Über die dafür eingeleiteten Schritte informierten Landrat Klaus Peter Söllner und Vertreter der Ärzteschaft gestern Nachmittag bei einem Pressegespräch vor der Steinachtalhalle in Stadtsteinach.

Dort ist in der vergangenen Woche eine zusätzliche Abstrichstelle eingerichtet worden, die von der Bundeswehr betreut wird. Getestet werden vor allem Pflegepersonen , die in den Alten- und Pflegeheimen tätig sind. "Wir versuchen, alle Pflegekräfte zu testen, und haben deshalb die Bundeswehr gebeten, ihre Einsatz um weitere 14 Tage bis Ende April zu verlängern", so der Landrat.

Zwei Versorgungsärzte im Team

Der Katastrophenstab hat gemäß einer Vorgabe des Innenministeriums und des Gesundheitsministeriums zwei Versorgungsärzte bestimmt, die in enger Abstimmung mit dem Team am Landratsamt die ärztliche Versorgung auf Ebene der Haus- und Fachärzte organisieren. Dies übernehmen Heinrich Behrens aus Kulmbach und Thomas Koch aus Mainleus. Ihre Aufgabe: eine ausreichende Versorgung mit ärztlichen Leistungen und entsprechender Schutzausrüstung sicherzustellen.

"Letzteres ist angesichts des allgemeinen Mangels an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln schwierig, denn die Beschaffung liegt nicht in ihrer Macht", sagt Söllner. Gerade deshalb müsse verhindert werden, dass Menschen die Covid-19-Symptome zeigen, in die Arztpraxen kommen. "Ein einziger positiver Fall legt die ganze Praxis für mindestens zwei Wochen lahm."

Vier Standorte im Landkreis

Deshalb wurden jetzt kurzfristig Covid-Praxen an vier dezentralen Standorten im Landkreis eingerichtet: in der Steinachtalhalle in Stadtsteinach, in der Mainleuser Schule, im Thurnauer Golfclub und im Archivgebäude des DDM in Neuenmarkt.

Versorgungsarzt Heinrich Behrens erklärt, wie das System funktioniert: Positiv getestete Patienten und solche mit dringlichem Verdacht auf eine Infektion und entsprechenden Symptomen nehmen telefonisch Kontakt zu ihrem Hausarzt auf, der sich wiederum bei Behrens meldet. Der vereinbart einen Termin in der nächstgelegenen Covid-Praxis, wo ein Kollege nach Bedarf Dienst tut. "Primäres Ziel bleibt: Alle Verdachtsfälle bleiben zu Hause. Aber wer einen Arzt braucht, soll nicht telefonisch abgefertigt werden, sondern auch einen Termin bekommen."

Covid-Praxis: Das Nötigste ist da

Die Covid-Praxen nehmen am Dienstag ihren Dienst auf, sind aber nur nach vorheriger Terminabsprache besetzt. Vorteil der Bündelung der Patienten dort: Der Katastrophenstab kann die Versorgung der diensthabenden Ärzte mit der nötigen Schutzausrüstung garantieren, was flächendeckend zur Zeit nicht möglich ist. "Es fehlt überall an Material. Wir haben nur das Nötigste, aber das ist da", betont Söllner.

Ein Lob spricht Thomas Koch, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands, der Kooperation mit dem Landkreis aus: "Die frühe Zusammenarbeit zwischen Politik und Ärzten war ein sehr guter Start." Gemeinsam mit Behrens dankt er allen Ärzten, insbesondere Anja Tischer vom Hausarztverbund, für die Unterstützung. Das habe die Umsetzung enorm erleichtert.