Laden...
Kulmbach
Gastronomie

"Kultur-Wirtshaus" in Kulmbach: Fleischlos im Keller und darüber

Die Gaststätte "Schwanenbräukeller" im Spiegel hat nicht nur eine bewegte Vergangenheit über und unter der Erde, sondern auch eine neue Pächterin: Claudia Vonbrunn eröffnet am Mittwoch ihr "Kultur-Wirtshaus".
Artikel drucken Artikel einbetten
Am Mittwoch eröffnet das "Kultur-Wirtshaus" in Kulmbach Foto: Jochen Nützel
Am Mittwoch eröffnet das "Kultur-Wirtshaus" in Kulmbach Foto: Jochen Nützel
+6 Bilder
Das Skelett mit nur einem Arm bewacht den Eingang. Der Kerzenstumpen in der korrodierten Fassung spendet schon lange kein Licht mehr. Hinter dem Bogen aus Klinkerstein ein Geräusch: Pling, plong, ploing. Die Vielfalt der Töne, die fallende Wassertropfen in einem Felsenkeller hervorzubringen vermögen, erstaunt. Der Hohlraum wirkt wie ein Verstärker für das Gedröppel. Da das Auge permanent an Grenzen stößt, sind die Ohren gefragt. Und schnell irritiert.

Claudia Vonbrunn erweitert die Sinne und knipst den Schalter an. Eine elektrische Funzel gibt den Blick frei in dieses unterirdische Tonstudio. Wo einst Bierfässer lagerten, gähnt Leere. Die 43-Jährige schlendert ein Stück weiter, sie steht jetzt mitten in einer Pfütze - und direkt unter der Gaststätte "Schwanenbräukeller" im Spiegel.
Die hat sie vor zweieinhalb Monaten als Pächterin übernommen, am heutigen Mittwoch eröffnet die gelernte Köchin ihr "Kultur-Wirtshaus", wie sie es nennt.

Reminiszenzen an der Wand

Viel Kultur war mal im Keller. Hier haben schon zu Beginn der1960er-Jahre Bands gejazzt und Dixieland-Musik gemacht. Die verfaulenden Holzreste einer Bühne in einem Nebenraum lassen noch die Auftritte erahnen. Und dazu jede Menge Wandzeichnungen. An einer Ecke prangen Teile ein stilisierten Saxofons; der Rest des Instruments ist mit notdürftigem Putz überspachtelt.

In einem anderen Gewölbe zieren blau hinterlegte Namen von Musikgrößen das Gewölbe: Schlagzeug legende Gene Krupa, Mister "Take Five" Dave Brubeck, Pianist Count Basie und die beiden Über-Trompeter Miles Davis und Louis Armstrong. Andere Räume hat das Ordnungsamt aus Sicherheitsgründen vorläufig mit Planen verhängt.

Keller für die Kunst reaktivieren

"Wenn es nach mir ginge, ließen sich die Keller für die Kunst reaktivieren", sagt Claudia Vonbrunn. Vielleicht eine lange Kinonacht? "Natürlich mit ,Helloween'." Oder doch wieder eine Location für Jazz & Co.? Vieles ist denkbar, aber momentan ist das alles noch Zukunftsmusik.

Die 43-Jährige schließt die Tür. Über der Erde wartet genug Arbeit auf sie. Seit zweieinhalb Monaten hat sie den "Schwanenbräukeller" gepachtet. Im Hauptraum ist Platz für 30 Personen, im neu gestalteten Nebenraum für weitere 40 Gäste. Der Clou: Der Anbau ist quasi ein Raum im Raum, mit einer extra eingezogenen Wand, mit vier Fenstern und einer eigenen Decke unter dem gebogenen Dach des altehrwürdigen Brau- und Malzhauses.
Die Gebäude hatte Louis Weiß 1850 erworben und für seine Brauzwecke umgewandelt. Der Bier-Exporteur trieb auch die Gänge unterhalb der Straße in den Fels, im Brauhaus errichtete er die Gaststätte "Schwanenbräukeller".

Endlich der eigene Chef

Fundsachen erinnern noch an diese Zeit. Ein Schild mit der Aufschrift "Stammtisch Schwanenbrüder" hängt jetzt im Gang zu den Toiletten. "Mir war wichtig, das zu zeigen", sagt die neue Pächterin. Sie hatte unter anderem mehrere Jahre in der "Kommunbräu" gekocht und zuletzt im "Nash" Burger zubereitet. "Jetzt war es Zeit, mein eigener Chef zu sein und meine Ideen von Gastronomie zu verwirklichen", sagt Claudia Vonbrunn.

Bei ihr können die Gäste wählen zwischen Sauerbraten klassisch und veganem Tofu-Bratling, in Kokosöl statt Butter geschwenkt. "Auch wenn ich selber aus Gründen des Tierschutzes seit 15 Jahren kein Fleisch esse, schmecke ich alle meine Braten und Soßen selber ab. Es soll ja den Gästen munden."

Zum Auftakt gibt es heute ab 16 Uhr einen Auszug aus der Speisekarte, dazu Live-Musik mit Gerhard Frankenberger und Partner. Claudia Vonbrunn hofft, dass ihre Kombination ankommt - und der Umsatz nicht gleich in den Keller geht.