Kulmbach
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Kult-Mopeds der Marke Kreidler knattern im Landkreis Kulmbach

Fünf Senioren aus dem Landkreis leben ihren Jugendtraum weiter und fahren Mopeds der früheren Kultmarke Kreidler. Bei den Treffen geht es immer lustig zu.
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Die Kreidler-Freunde bei einem Stopp auf dem Kulmbacher Marktplatz. Von rechts rechts Harry Ohnemüller (Kulmbach), Rainer Weith (Willmersreuth), Heinz Seyferth (Thurnau), Reinhard Auschill (Kulmbach) und Dieter Zapf (Ebersbach), der hier seine BMW dabei hatte.  Foto: privat
Die Kreidler-Freunde bei einem Stopp auf dem Kulmbacher Marktplatz. Von rechts rechts Harry Ohnemüller (Kulmbach), Rainer Weith (Willmersreuth), Heinz Seyferth (Thurnau), Reinhard Auschill (Kulmbach) und Dieter Zapf (Ebersbach), der hier seine BMW dabei hatte. Foto: privat
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Sie sind zusammen 358 Jahre alt, aber im Geiste immer noch die Lausbuben von damals. Damals, das war in den sechziger Jahren, als sie mit ihren Mopeds und Motorrädern die Gegend unsicher machten - und Schwarm mancher Mädchen waren. Der fahrbare Untersatz hieß Kreidler, und diese Marke verbindet das Quintett heute noch: Heinz Seyferth (71) aus Thurnau, Dieter Zapf (73) aus Ebersbach, Reinhard Auschill (69) und Harry Ohnemüller (72) aus Kulmbach und Rainer Weith (73) aus Willmersreuth.

"Hast du Kreidler, hast du Frauen", sagt Heinz Seyferth lachend, wenn er sich an seine Jugendzeit erinnert, in der die Mopeds der 1982 in Konkurs gegangenen Metall- und Drahtwerke aus Kornwestheim bei den jungen Leuten absolut "in" waren. Er hat die Männerfreundschaft initiiert, mit anfänglichen Schwierigkeiten.

Im Frühjahr 2015, als Seyferth mit dem Fahrrad in Ebersbach unterwegs war, sah er - ohne ihn zu kennen - Dieter Zapf, der mit seiner Kreidler durch den Ort fuhr. Der Thurnauer, früher selbst Besitzer eines solchen Mopeds, beschloss eine Woche später, nach dem Unbekannten zu suchen. Die Recherchen blieben zunächst ergebnislos (Seyferth lachend: "Ich habe erst im falschen Ort gesucht"), bis er mehrere Werkstätten abklapperte und beim Motorrad- und Oldtimerservice Breuer in Lanzendorf Erfolg hatte. "Die kannten den Dieter, und seitdem sind wir befreundet."

Mit Harry Ohnemüller ist Seyferth als Kind aufgewachsen, Reinhard Auschill kennt er seit längerem vom Tennis spielen, und mit Rainer Weith kam er beim Kulmbacher OldtimerTreffen 2017 ins Gespräch - das Quintett war komplett.

Bei ebay "blind" ersteigert

Zur Veranstaltung auf dem Mönchshofgelände war Heinz Seyferth mit seiner Kreidler vorgefahren, die er 2015 "blind" bei ebay ersteigert hatte: "Die Folgen musste ich ausbaden", kommentiert Dieter Zapf schmunzelnd in Anspielung auf die technischen Mängel. Der gelernte Kfz-Mechaniker ist der Schrauber in der Gruppe. Er kam, obwohl er das Thema längst abgehakt hatte, 2010 zu einer Kreidler wie die Jungfrau zum Kind: Sein Schwiegersohn, der daheim ein altes Bild von ihm und seiner Kreidler sah, ersteigerte - ohne sein Wissen - eine Maschine in Ingolstadt. "An Weihnachten schleppte mich mein Enkel in den Keller und sagte: Opa, da steht dein Geschenk."

Das Weihnachtsgeschenk

Das Geschenk, das Zapf als "vollkommen versifft" bezeichnet, ist inzwischen freilich ein schmuckes Moped. Während der Restauration ist ihm noch eine zweite Maschine "zugelaufen", die er gleich mit instand setzte. Heute besitzt er drei Kreidler-Mopeds, ein BMW-Motorrad vom Typ R/27, das er von einem Kumpel günstig bekam, und eine BMW K 100 RS.

Von seiner Sammlung profitieren Rainer Weith und Harry Ohnemüller, die aktuell kein eigenes Moped besitzen und bei Ausfahrten immer die Kreidler-Mopeds aus Ebersbach nutzen dürfen. Zapf, der dann mit einer BMW dabei ist: "Es ist schön, von hinten aus meine Kreidler fahren zu sehen."

Auf einer dieser Mopeds sitzt manchmal auch Reinhard Auschill, das "Schwarze Schaf" in der Gemeinschaft. Er besitzt nämlich "nur" eine Honda 1000 CBF, und auch früher war Kreidler nicht sein Ding. Er fuhr ein Hercules-Moped und später drei BMW-Motorräder (R 25/3, R 26 und R 75/5). "Die habe ich alle verkauft. Leider."

Doch bei dem Quintett geht es nicht nur um die Marke Kreidler, sondern um die Freundschaft und gemeinsame Ausfahrten, die zum Beispiel zur Schrepfersmühle im Kleinziegenfelder Tal, in die "Fränkische" zur "Kathi", nach Lindenhardt oder Weiglatal führen. Zu den lockeren Treffen, die keinem festen Terminplan unterworfen werden, sind Gleichgesinnte herzlich willkommen. Da machen dann oft auch alte Fotos die Runde und werden Erinnerungen an Erlebnisse in der Jugend ausgetauscht.

Stapaziöse Heimfahrt

Wie das von Heinz Seyferth, als er 1964 mit Freunden zum Tanz nach Seibelsdorf fuhr: "Als ich nach Hause wollte, musste ich feststellen, dass jemand aus meiner Sitzbank sämtliche Spannfedern herausmontiert hatte. So musste ich halb im Stehen nach Hause fahren."

Und einmal war ihm der Sprit ausgegangen, der damals für ein Moped (Gemisch) 70 Pfennig pro Liter kostete - 20 Pfennig mehr als Benzin. Zum Glück war ein Freund dabei. "Zusammen brachten wir es noch auf 35 Pfennig, so dass wir einen halben Liter kaufen und noch ein bisschen weiterfahren konnten."

Was machten die als zuverlässig geltenden Kreidler und andere Mopeds für die damalige Jugend zu Objekten der Begierde? "Wenn du a Maschinla g'habt hast, dann konnt'st a Madla mitnehma", so Harry Ohnemüller, der sich noch daran erinnert, dass die "Cortina"-Eisdiele in der Langgasse immer der Treffpunkt war.

Reinhard Auschill nickt: "Die hatten eine hübsche Bedienung."

Kontakt

Heinz Seyferth

Telefon 0171/522 17 25 und

Dieter Zapf

Telefon 0175/611 28 64

Kreidler

Unternehmen Kreidler's Metall- und Drahtwerke G.m.b.H. Fahrzeugbau war ein deutscher Hersteller von Mopeds, Mofas, Mokicks, Klein- und Leichtkrafträdern von 50 bis 80 Kubikzentimetern Hubraum. Die Firma war 1889 als Stuttgarter Telegraphendraht- und Kabelfabrik A. Kreidler in Heslach gegründet und 1904 nach Kornwestheim bei Stuttgart verlegt worden. Florett Zu den beliebtesten und bekanntesten Modellen der Marke gehört die Florett, von der 1957 das erste Modell K 54 erschien. Angetrieben wird es von einem liegend eingebauten Einzylinder-Zweitaktmotor mit 50 Kubikzentimetern.

Varianten Bis 1967 gab es die Florett nur mit Gebläsekühlung. Ausgeliefert wurde sie entweder mit Pedalen (Moped), ohne Pedale als Mokick mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h, als Kleinkraftrad ohne Geschwindigkeitsbegrenzung zunächst mit 3,6 PS, dann als GT- und RS-Modell (ab 1967) mit 5,3 PS und ab 1972 mit 6,25 PS bis zur letzten Ausbaustufe kurz vor Produktionsende mit 6,8 PS (1980) bei der Florett RS.

Konkurs 1982 musste das Unternehmen Konkurs anmelden. Beide Gebäude in Stuttgart-Heslach stehen heute noch, wobei die Außenfassaden nahezu originalgetreu erhalten werden konnten. Die Marke gehört heute dem Zweiradhersteller Prophete, der unter dem Namen Kreidler Fahrräder, Motorroller, Klein- und Leichtkrafträder in Zweirad-Fachgeschäften vertreibt. Quelle: Wikipedia



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