Kulmbach
Campus-Standort

Kulmbachs ungeklärte Uni-Frage

2020 sollen die ersten Studenten nach Kulmbach kommen. Bei der Standortsuche für den Campus hakt es aber noch. Stadt und Brauerei ist bei den Verhandlungen noch kein Durchbruch gelungen. Doch zum Start braucht es zum Glück keinen Neubau.
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Auf dem Güterbahnhofs-Areal soll der Uni-Campus entstehen. Wo  er gebaut werden kann, steht noch nicht fest.  Foto: Katrin Geyer/Archiv
Auf dem Güterbahnhofs-Areal soll der Uni-Campus entstehen. Wo er gebaut werden kann, steht noch nicht fest. Foto: Katrin Geyer/Archiv

Das Ziel ist durchaus sportlich. Im Juni 2017 hat der Ministerrat "grünes Licht" für den Hochschulcampus in Kulmbach gegeben, schon drei Jahre später, im Oktober 2020, sollen die ersten Studenten kommen. Die Planungen für die inhaltliche Ausgestaltung der Studiengänge sind schon weit gediehen. Noch ungeklärt ist aber eine ganze wichtige Frage: Wo wird der Uni-Campus gebaut?

Ruckdeschel-Campus?

Über die Grundstücke verhandelt die Immobilien Freistaat Bayern. Die Stadt hat als Standort - wie bekannt - das Güterbahnhofs-Areal im Visier. Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) hat sogar schon einen Namen ins Spiel gebracht: Ruckdeschel-Campus könnte die Uni heißen, um Unternehmer Hans-Albert Ruckdeschel für dessen Verdienste um die Stadt Kulmbach zu würdigen.

Ein Tauschgeschäft?

Auf dem Güterbahnhof-Gelände gehört der Stadt von den 49 000 Quadratmetern Gesamtfläche allerdings nur ein Drittel. Zwei Drittel sind im Besitz der Kulmbacher Brauerei. Die Stadt hat ihre Fläche, die sich am Weißen Main entlang in Ost-West-Richtung erstreckt, der Futura Immobiliengesellschaft abgekauft. Einig sind sich die Experten, dass Hochschulgebäude und Studentenwohnheim idealerweise kompakt auf dem östlichen Teil des Geländes gebaut werden sollten. Dafür wäre aber Grund der Brauerei vonnöten.

Seit Monaten laufen die Gespräche der Stadt mit dem zweiten Eigentümer über einen Grundstückstausch. Bis dato wurde kein Durchbruch erzielt, denn die Brauerei hat eigene Interessen. Sie will beim Güterbahnhof ein Logistikzentrum errichten, das mit einer Brücke über den Main mit dem brauereieigenen Gelände in der Lichtenfelser Straße verbunden werden könnte.

"Das wird schwierig"

Das Unternehmen, so hatte Schramm in der jüngsten Stadtratssitzung erklärt, habe vermehrt Platzbedarf angemeldet, um Hallen bauen zu können. "Das wird schwierig. Da müssen noch Gespräche geführt werden", sagte der OB - mit dem Hinweis darauf, dass auf dem Areal neben dem Campus auch Lehr- und Verwaltungsgebäude sowie möglichst auch ein Studentenwohnheim und eine Mensa errichtet worden sollen.

"Konstruktive Gespräche"

Warum die Verhandlungen stocken, ob eine Lösung der Grundstücksfrage in Sicht ist? Fragen, die wir dieser Tage der Stadt Kulmbach, der Brauerei und der Uni Bayreuth gestellt haben. Trotz unterschiedlicher Vorstellungen wurde eine gemeinsam verfasste Stellungnahme von Stadt, Brauerei sowie Uni Bayreuth herausgegeben. Wörtlich heißt es darin: "Derzeit laufen konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten, und wir sind optimistisch, dass in einem angemessenen Zeitrahmen eine passende Standort-Lösung gefunden wird." Konstruktiv, optimistisch, in angemessener Zeit... Wenig aussagekräftige Antworten - der Durchbruch scheint noch nicht gelungen.

Interimslösungen geplant

Dabei, so wird betont, sei der geplante Start des Universitätsbetriebs 2020 gar nicht in erster Linie von der Standortfrage abhängig. "Hier sind ohnehin für die ersten Jahre Interimslösungen - zum Beispiel übergangsweise Teilflächen der Spinnerei und die Errichtung von Modulbauten - geplant", heißt es in der Stellungnahme.

Und Zwischenlösungen sind wohl tatsächlich zum Start ausreichend, sollen es doch erst in der "vollen Ausbaustufe" 1000 Studenten in Kulmbach sein - nach den derzeitigen Plänen wäre das im Jahr 2025. Gestartet wird im Oktober 2020 mit zwei Studiengängen, in denen die Uni 50 bis 70 Studenten erwartet. "Das potenziert sich von Jahr zu Jahr, insbesondere wenn bis zu fünf weitere Studiengänge bis 2025 dazukommen, auf 1000 Studierende in Kulmbach", so Pressesprecherin Anja-Maria Meister.

Wie die Uni bei der Jahrespressekonferenz erklärt hat, wird aktuell nach Räumen für Wissenschaftler und Studenten gesucht. Seminarräume könnten in der von der Stadt gekauften Hornschuch-Villa und in der alten Spinnerei entstehen.

Noch 2018?

Ob wie geplant noch in diesem Jahr mit der konkreten Planung der Campus-Neubauten begonnen werden kann, scheint jedoch fraglich. Der Startschuss wird sicherlich erst erfolgen, wenn die Standortfrage endgültig geklärt ist.



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