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Kulmbach
Gericht

Kulmbacher Wirt verprügelt renitenten Gast

Die Berufung vor der Bayreuther Jugendkammer bringt dem Angeklagten einen Teilerfolg ein - aber auch eine saftige Geldstrafe.
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Die Jugendkammer am Landgericht Bayreuth verurteilt einen Kulmbacher Gastwirt, der einen renitenten Gast verprügelt hat, in der Berufungsverhandlung zu einer Geldstrafe von 10.500 Euro.  Foto: Stephan Tiroch
Die Jugendkammer am Landgericht Bayreuth verurteilt einen Kulmbacher Gastwirt, der einen renitenten Gast verprügelt hat, in der Berufungsverhandlung zu einer Geldstrafe von 10.500 Euro. Foto: Stephan Tiroch
Der Kulmbacher Gastwirt nimmt an prominenter Stelle Platz. Auf derselben Anklagebank, wo vor einer Woche Ulvi K. saß. Bundesweit berichteten alle Medien aus dem Schwurgerichtssaal des Bayreuther Landgerichts über den Peggy-Prozess. Hier verkündete Vorsitzender Michael Eckstein einen Freispruch. Damit kann derselbe Richter dieses Mal nicht dienen. Dennoch erringt der Angeklagte am Mittwoch einen Teilerfolg mit seiner Berufung gegen das Kulmbacher Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung.

Es geht um einen Vorfall frühmorgens während der Bierfestzeit vor einem Jahr. Ein paar junge Leute zechen bis sechs Uhr in dem Lokal. Als die Rechnung kommt, geht die Streiterei los. Ein Mann wird ausfällig und beleidigt den Wirt, der den renitenten Gast mit Hilfe seines Sohnes an die Luft setzt.

Hier soll noch keine Gewalt im Spiel gewesen sein, aber draußen, wo schon das Taxi wartet, geht das Gerangel los. Der 46-jährige Hausherr streckt den Provokateur mit einem Faustschlag zu Boden. Dann treten Vater und Sohn auf das am Boden liegende Opfer ein. Mindestens zwei Fußtritte gegen Kopf und Körper sind gesichert, Zeugen sprechen sogar von 20 und mehr Tritten. Erschwerend kommt hinzu, dass der damals 19-Jährige Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen trägt. Trotzdem sind die Verletzungen des Mannes nicht besonders schwer.

Sohn kann wieder gehen

Der Sohn nimmt seine Berufung gegen den Spruch des Kulm bacher Jugendrichters zurück, der ihm die Zahlung von 800 Euro auferlegt hat. Das Urteil wird rechtskräftig - und die Verhandlung geht ohne den Sohn weiter.
Anders der Vater, der sich mit der achtmonatigen Freiheitsstrafe zur Bewährung plus 2000 Euro Geldauflage überhaupt nicht anfreunden kann. Er beschänkt seine Berufung jedoch auf die Rechtsfolgen, also auf das Strafmaß. "Die Freiheitsstrafe erscheint mir zu hoch", meint auch sein Verteidiger, Rechtsanwalt Karsten Schieseck.

Die Jugendkammer kann damit auf eine erneute Beweisaufnahme und die Einvernahme der Zeugen verzichten. "Das Geschehen, wie im erstinstanz lichen Urteil zugrundegelegt, ist für das Gericht verbindlich", erklärt Eckstein. Es gilt die so genannte Geständnisfiktion. Oder, wie Schieseck versichert: "Mein Mandant hält vollumfänglich den Kopf hin."

Das überzeugt Staatsanwalt Matthias Burkhardt aber nicht. "Die Tat kann man nicht wegdiskutieren", sagt er, "ich komme nicht zu einem minder schweren Fall." Er fordert neun Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.. Der gefährliche Übergriff mit den Tritten gegen den wehrlos am Boden liegenden Mann sei erst draußen und aus nichtigem Anlass erfolgt. Die Beschränkung der Berufung bezeichnet der Staatsanwalt als taktisches Manöver. Obendrein hält er dem Gastwirt vor, dass er - gewöhnt an betrunkene Gäste - besonnener hätte reagieren müssen. Außerdem habe er als Vorbild für seinen Sohn schwer versagt.

Der Vorwurf trifft den Vater. Er ringt mit den Worten. "Das ist unfair, unter der Gürtellinie", sagt er, räumt im Schlusswort aber sein Fehlverhalten ein. Er habe sich bedroht gefühlt, denn: "Die jungen Leute trinken zu viel und werden immer aggressiver."

"Aufgeheizte Situation"

Sein Verteidiger plädiert "in der Gesamtschau" auf einen minder schweren Fall. Ausgangspunkt sei das strafbare Verhalten des Gastes gewesen, der sich über ein Hausverbot hinwegsetzt und den Gastwirt provoziert hat. Sein Mandant habe in einer "aufgeheizten Situation" falsch reagiert. Dazu komme, dass der Mann keinerlei Vorstrafen hat, sozial voll integriert ist, seit vielen Jahren ein arbeitsreiches und erfolgreiches Leben führt und auch nicht zu erwarten ist, dass er wieder straffällig wird.

Das Urteil bringt dem Angeklagten einen Teilerfolg. Die Kammer vertritt ebenfalls die Ansicht, dass ein minder schwerer Fall vorliegt, verurteilt den Gastwirt aber zu einer saftigen Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 70 Euro - also 10 500 Euro. "Dazu kommen noch die erheblichen Gerichtskosten", sagt Eckstein.

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