Metzdorf
Tag des Bieres

Kulmbacher Wirt: Heute bau ich, morgen brau ich

"Gründla"-Wirt Werner Pittroff hat ein ehrgeiziges Projekt in Angriff genommen. Er werkelt seit einem Jahr an seiner Kleinbrauerei und will bald sein eigenes Metzdorfer Bier ausschenken.
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Die Beschilderung des Kühlhauses ist schon fertig, ansonsten hat "Gründla"-Wirt Werner Pittroff alle Hände voll zu tun mit dem Umbau zur Brauereiwirtschaft. Fotos: Stephan Tiroch
Die Beschilderung des Kühlhauses ist schon fertig, ansonsten hat "Gründla"-Wirt Werner Pittroff alle Hände voll zu tun mit dem Umbau zur Brauereiwirtschaft. Fotos: Stephan Tiroch
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"Wenn ich will, könnten wir nächste Woche brauen." Werner Pittroff meint es ernst, obwohl von einer Brauerei im Wirtshaus "Zum Gründla" nicht viel zu erkennen ist. Aber es tut sich was auf der Baustelle. Der Gastwirt und Bauherr werkelt im Sudhaus und verlegt Elektrokabel, während die nagelneue Brautechnik - alles Kupfer - unter Plastikplanen versteckt ist. Nichts soll beschädigt werden. Im früheren Wirtshaussaal fehlt noch die komplette Inneneinrichtung. Dort, wo sich künftig das Zentrum der "Braumeisterei zum Gründla" befinden wird. "Im September nach dem Betriebsurlaub werden wir offiziell aufmachen", sagt Pittroff. Dann wird der "Gründla"-Wirt sein eigenes, handwerklich gebrautes Metzdorfer Bier aus seiner Gasthausbrauerei ausschenken.

"Das Nonplusultra"

Vor elf Jahren hat der 44-Jährige zusammen mit seiner Frau Moni das "Gründla" übernommen und das ganze Lokal auf Vordermann gebracht. Fassade, Dach, Biergarten, Kegelbahn und Bowlingbahn - fast alles ist gemacht. Aber schon geraume Zeit trägt Pittroff seine Bieridee von einer eigenen kleinen Brauerei mit sich rum. "Das wäre das Nonplusultra." Seit einem Jahr wird an der Umsetzung gearbeitet. Der Wirt hat Garagen abgerissen und drinnen den früheren Saal ausgeräumt, wo das fränkische Bierstübla hinkommt. Neben der Kegelbahn ist ein Raum zum Sudhaus umfunktioniert worden.

Draußen ist in vier Wochen die Halle für die Gär- und Lagertanks entstanden. Während die Bauhandwerker Thomas Jochim und Hans Rohbogner ("Die haben richtig rangeklotzt") Restarbeiten am Lagerkeller erledigen, erläutert Pittroff, dass alle Bereiche durch unterirdische Leitungen verbunden sind. Wo künftig die Theke steht und die Gäste sitzen, ist noch Baustelle. "Das macht alles die James-Bond-Firma", erklärt er.

James wer? "Das ist eine Firma aus Prag, die für alle James-Bond-Filme nach der Wende die Kulissen gebaut hat", sagt Gisbert Sattler. Der frühere Vorstand der Stuttgarter Hofbräu, der in Kulmbach lebt, berät Pittroff bei seinem Projekt. "Die Prager machen auch Gastronomie-Objekte. Im Gründla wird es ein Bierstübla mit fränkischer Atmosphäre und 100 Plätzen und Holzofengrill."

Blick zur Plassenburg

Der Clou, so der 64-jährige Brauerei-Experte, wird die Wandgestaltung. "Wer durchs Sudhaus ins Bräustübla reinkommt, sieht an der Wand ein dreidimensionales Gemälde von Kulmbach - mit Blick zur Plassenburg, als ob man durch ein Fenster rausschaut."

Der "Gründla"-Wirt ist sich sicher, dass der Innenausbau etwas Besonderes wird. "Wir wollen ein Aushängeschild für Kulmbach werden", sagt er und denkt dabei an die Förderung des Tourismus'. Sein Konzept hat auch die Regierung von Oberfranken überzeugt, die für sein Projekt mit einer Investition im sechsstelligen Bereich Fördermittel zur Verfügung stellt. Pittroff nennt die Plassenburg, das Bierfest und seine "Braumeisterei zum Gründla" - auf den Namen ist ein Gast gekommen - in einem Atemzug: "Die Highlights von Kulmbach."

Hauptsorte: hell und naturtrüb

Dabei sind sich Wirt und Berater einig, dass der Gerstensaft die Hauptrolle spielt. Hier überlässt Pittroff dem Experten das Wort: "Wir müssen ein ordent liches Bier machen", sagt der gelernte Braumeister. Die Hauptsorte wird ein Pilstyp, hell und naturtrüb, goldgelb in der Farbe. Dazu soll es Saisonbiere geben wie einen Weihnachtsbock.

Produziert wird in einem 500-Liter-Braublock von der österreichischen Firma Dreher aus Baden bei Wien. "Wir haben modernste Technologie und können bis 1200 Hektoliter im Jahr herstellen, alles unter gärige Biere wie Pils, Lager, Märzen oder Bock", so Sattler. Er betont, dass nur Naturprodukte und hochwertige Rohstoffe aus der Region ("In Oberfranken gibt's die beste Braugerste") verwendet werden.

Der "Gründla"-Wirt denkt auch daran, so etwas wie Brauereianteile an seine Gäste herauszugeben - mit zwölf Prozent Rendite und jährlichem Kündigungsrecht. Genaueres ist aber noch mit einem Rechtsanwalt abzuklären.

An den Biertyp herantasten

Bis zur offiziellen Eröffnung im September muss die Brauanlage getestet werden. "Man weiß nicht genau, wie das Sudhaus funktioniert. Wir müssen uns an den Biertyp heran tasten", erklärt Sattler.


Tag des Bieres

Drei Kleinbrauereien Neben der großen Kulmbacher Brauerei (früher die eigenständigen Reichel-, Mönchshof- und Sandlerbräu sowie die EKU-Brauerei) gibt es in Kulmbach bereits zwei Kleinbrauereien: die genossenschaftliche Kommunbräu (seit 1994) und die gläserne Brauerei (seit 2002) im Bayerischen Brauerei- und Bäckereimuseum. Im "Gründla" entsteht also die dritte Kleinbrauerei.

Biergesetz Die Kulmbacher Brauer halten sich selbstverständlich an das bayerische Reinheitsgebot vom 23. April 1516. Die Regelung, dass Bier nur aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe hergestellt werden darf, gilt als das älteste noch gültige Lebensmittel gesetz der Welt. Seit 1994 feiern deshalb die Brauer und die Freunde des Gerstensaftes hierzulande am Mittwoch, 23. April, den Tag des deutschen Bieres.
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