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Kulmbach
25 Jahre Mauerfall

Kulmbacher war Zeitzeuge in Berlin: "ein Gefühl in der Luft"

Der Kulmbacher Helmut Zink war unmittelbar vor und nach dem 9. November 1989 in Berlin. Seine Fotos zeichnen das Bild einer Stadt zwischen Schockstarre und Freude. Im Artikel finden Sie zahlreiche historische Fotos Berlins aus dem Jahr 1989.
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Helmut Zink hat vor und nach dem 9. November 1989 zahlreiche Fotos in Berlin gemacht. Hier sind einige "Mauerspechte" am Werk, die kleine Betonstücke aus dem teilenden Bollwerk schlagen. Fotos: Helmut Zink
Helmut Zink hat vor und nach dem 9. November 1989 zahlreiche Fotos in Berlin gemacht. Hier sind einige "Mauerspechte" am Werk, die kleine Betonstücke aus dem teilenden Bollwerk schlagen. Fotos: Helmut Zink
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"Macht den Fernseher an, die stehen in Berlin auf der Mauer." Als der Kulmbacher Architekt Helmut Zink diesen Satz hörte, hielt er sich in einem Hotel in München auf. Es war Donnerstagabend, der 9. November 1989. Am Wochenende zuvor besuchte Zink Verwandte seiner damaligen Freundin im West-Berliner Stadtteil Lichtenrade.
Die Mauer hatte er von dort immer im Blickfeld, sie verlief direkt hinter dem Garten.

Wie so oft bummelte Helmut Zink damals über den Berliner Kudamm, ging mit den Bekannten ins Café. Doch diesmal war es irgendwie anders. "Es lag etwas in der Luft. Die Berliner spürten, dass irgendetwas passieren würde", beschreibt Helmut Zink die Stimmung in der geteilten Stadt wenige Tage vor den historischen Ereignissen.
Dass es die bevorstehende Freiheit in der Luft war, die Paul Lincke bereits 1904 in seiner Operette "Das ist die Berliner Luft" zu einem Synonym eines freien Lebensgefühls machte, konnte niemand ahnen.
Als Helmut Zink nach diesem merkwürdigen Wochenende über den Grenzübergang Hirschberg ausreiste, dachte er, es sei sein letzter Besuch in Ost-Berlin gewesen.

"Ich hatte es eilig und mich in der Lkw-Schlange eingeordnet, dann bin ohne Ausreisestempel über die Grenze gefahren", erinnert er sich und zeigt eine Seite mit vielen Stempeln in seinem grünen Reisepass. Einer fehlt jedoch: der von der Ausreise vom Wochenende vor dem Mauerfall. "Damit wäre ich unter normalen Umständen wahrscheinlich nicht mehr nach Ost-Berlin gekommen." Doch die Umstände seines nächsten Besuchs konnte er damals nicht vorhersehen.

Mit Hammer und Meißel

Denn als er wenige Tage später in München von den Menschen auf der Mauer erfuhr, waren die Einreiseprozeduren bereits genauso löchrig wie die Mauer. Das Bauchgefühl der Berliner und dieses merkwürdige Gefühl, das in den Tagen vor dem 9. November in der Luft lag, hatte sich bewahrheitet. Wirklich begreifen, was genau geschah, konnte der damals 33-Jährige erst zwei Tage nach dem Fall der Mauer, als er wieder nach West-Berlin fuhr. "Überall in Berlin war Hämmern zu hören. Innerhalb von nur zwei Tagen hatten die Menschen nur mit einfachen Werkzeugen schon große Teile der Mauer zerstört", sagt Zink.

Einige Leute saßen fassungslos herum und konnten noch gar nicht begreifen, was gerade passierte. Auch diese Momente hat Helmut Zink mit seiner Kamera festgehalten. Die Stimmung in den Tagen nach dem 9. November beschreibt er als "positiv geschockt". Darüber, dass es so schnell und friedlich ablief. "Die Menschen waren froh, dass sie frei waren."

Grenzer, Tränen und Erinnerung

In Ost-Berlin war Zink zuvor noch nie gewesen. Im Gedächtnis ist ihm auch der Trabbi-Gestank geblieben: "Es war schlimm, man konnte fast nicht mehr atmen." Helmut Zink erzählt von Grenzern, die auf der Mauer patrouillierten und Menschen immer wieder ermahnten herunter zu klettern. "Die Soldaten waren bestimmt, aber nicht aggressiv. Sie wussten selbst nicht so recht, was geschah." Auf der West-Berliner Einkaufsmeile, dem Kudamm, sah er Menschen, die angesichts der bunten Warenvielfalt im Kapitalismus vor den Schaufenstern staunten oder weinten. "Es war toll, dabei zu sein. Es passierte Geschichte.

Das will ich nicht missen." Auch in den folgenden Wochen und Monaten war Helmut Zink regelmäßig in Berlin. Als Architekt, der Beruf und sein Hobby, die Fotografie, miteinander verbunden hat, boten sich ihm zahllose Motive in der zusammenwachsenden Stadt. Zuletzt war er 2011 in Berlin Mitte, um die neuen Gebäude am Potsdamer Platz zu fotografieren. Es habe sich dort wahnsinnig viel verändert.

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