Die Bilder sehen wir täglich in den Nachrichten im Fernsehen: Einsatzkräfte, die in den Katastrophengebieten in Oberbayern einsturzgefährdete Dächer von einer meterhohen Schneelast befreien.

"Es ist ein kräftezehrender, nicht ungefährlicher Job", sagt Matthias Goletz, der diese Einschätzung nicht aufgrund der Fernsehbilder trifft. Goletz spricht aus eigener Erfahrung: Er ist der Mann, der eine neun Personen starke Einsatzgruppe des Technischen Hilfswerks Kulmbach anführt, die am Samstag zum Kampf gegen die Schneemassen ins Berchtesgadener Land aufgebrochen ist - um den THW-Ortsverband in Ainring zu unterstützen, der seit 10. Januar im Dauereinsatz ist.

Das Dach einer Alm

Samstagmittag sind die Kulmbacher in Ainring-Mitterfelden eingetroffen. "Wir haben unser Quartier in den Räumen der Bereitschaftspolizei bezogen und sind dann gleich zu unserem ersten Einsatz ins Gebiet Weißbach-Jochberg im österreichischen Grenzgebiet aufgebrochen", berichtet Goletz.

Dort wurde bis 20 Uhr das Dach einer Alm geräumt, auf dem eine Schneelast von 490 Kilogramm pro Quadratmeter lag. "Als wir es geräumt hatten, war dort immer noch ein halber Meter Schnee, der sich festgesetzt hat", so der Einsatzleiter. Sein Team geht mit Schneeschaufeln und -hexen ans Werk. Bei Defekten an den Geräten können Reparaturen an Ort und Stelle vorgenommen werden, weil die Kulmbacher auch den Gerätewagen mit nach Oberbayern genommen haben.

Bis spät in die Nacht

"Da die Straßen nur einspurig befahrbar sind, müssen die Einsatzfahrzeuge immer wieder umgesetzt werden. Problematisch ist das gerade in der Dunkelheit", berichtet Goletz. Da bis spät in die Nacht gearbeitet wird, wird die Einsatzstelle komplett ausgeleuchtet.

Die Sicherheit geht vor

Die Sicherheit geht natürlich vor. "Unsere Helferinnen und Helfer führen neben Schneeräumgeräten auch ihre persönliche Schutzausstattung gegen Absturz mit. Das ist ein Sicherheitsseil mit Auffanggurt und Falldämpfer", teilt der stellvertretende Ortsbeauftragte Norbert Groß mit.

Nach zwei Stunden Pause nöitg

Nach zwei Stunden müssen die Einsatzkräfte eine Verschnaufpause einlegen. "Um nach der anstrengenden Arbeit wieder Kraft zu tanken", sagt Ronald Baumüller, der beim THW für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und den Einsatz von Kulmbach aus begleitet.

Am Sonntag wurde schon am Morgen das Dach eines Bauernhofes von der Schneelast befreit. Gesichert wurden die Helfer da durch einen Ladekran der Fachgruppe Wassergefahren. "Ohne Schneeketten geht hier gar nichts mehr", berichtet Goletz, der von schwierigen Bedingungen spricht. Da Tauwetter eingetreten ist, hat sich das Gewicht des Schnees erhöht. Es sei ein Wettlauf mit der Zeit.

Massive Niederschläge erwartet

Im Laufe des Tages wurden massive Niederschläge erwartet. "70 bis 80 Zentimeter Neuschnee und Sturm sind angesagt. Das wird unsere Arbeit sicherlich weiter erschweren", vermutet Goletz, der mitteilt, dass derzeit im Krisengebiet allein rund 600 THW-Helfer im Einsatz sind, darunter 60 aus dem Bereich der Regionalstelle Hof.

Noch bis Dienstag

Der Einsatz der Kulmbacher Helfer soll bis Dienstag dauern. "Dann kehrt das Team zurück. Eventuell rücken neue Helfer nach", sagt Ronald Baumüller. Nicht nur das Technische Hilfswerk aus Kulmbach ist im Katastrophengebiet. Mittlerweile ist auch eine regionale Gruppe der DLRG und die Kulmbacher Bergwacht auf dem Weg nach Oberbayern.