Kulmbach
Aufruf

Kulmbacher Tafel wirbt Fahrer über Facebook an

Das soziale Netzwerk ist schon lange nicht mehr nur etwas für Teenies und Jugendliche. Die Kulmbacher Tafel postete einen Hilferuf, dass es aktuell einen Engpass bei der Auslieferung gibt. Innerhalb weniger Tage meldeten sich zehn neue Freiwillige.
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Der prominenteste Fahrer ist Wolfgang Hoderlein - derzeit wird er von Knud Espig angelernt und holt in der Bäckerei Will in Stadtsteinach die übrig gebliebenen Brötchen ab. Fotos: Sonja Adam
Der prominenteste Fahrer ist Wolfgang Hoderlein - derzeit wird er von Knud Espig angelernt und holt in der Bäckerei Will in Stadtsteinach die übrig gebliebenen Brötchen ab. Fotos: Sonja Adam
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Vor wenigen Tagen kam die Kulmbacher Tafel ganz schön in die Bredouille. Denn plötzlich meldete sich ein Fahrer nach dem anderen krank. "Wir hatten normalerweise immer 22 Fahrer", schildert Tafel-Vorsitzende Elfriede Höhn das Dilemma. Aber plötzlich haben sich fünf krank gemeldet - fast alle leiden unter längerfristigen Erkrankungen, müssen sich Operationen unterziehen oder auf Reha gehen. Zwar war die Abholung der Waren nicht akut in Gefahr, längerfristig aber schon. Denn jeder Fahrer übernimmt ein oder zwei Mal im Monat eine Tour - und die ist ziemlich umfassend.

Zwanzig verschiedene Stellen im ganzen Landkreis müssen immer montags und donnerstags jeweils zwischen 8 und 13 Uhr abgefahren werden; insgesamt werden bei einer solchen Tour bis zu einer Tonne Lebensmittel eingesammelt.
"Das ganze Auto wird vollgepackt - das ist schon ein größerer Transporter", sagt Elfriede Höhn.

Immer vormittags im Einsatz

Die Waren müssen immer vormittags abgeholt werden, "deshalb sind unsere Fahrer eigentlich alle Rentner", so Höhn. "Fahrdienstleiter" Toni Steinl hatte große Mühe, umzudisponieren und noch genügend Fahrer zu finden. "Dann ist auch noch ein Fahrer für unsere Brottour am Freitag ausgefallen. Da musste ich um dreiviertel neun einen Notfallplan entwickeln", schildert Toni Steinl die Situation.

Da kam Knud Espig, ebenfalls seit zwei Jahren Fahrer bei der Kulmbacher Tafel, auf die Idee, über Facebook neue Freiwillige anzuwerben. Eigentlich hatten alle ihre Zweifel, ob das das richtige Medium ist. Schließlich wird das soziale Netzwerk hauptsächlichen von jungen Leuten genutzt. Doch die Facebook-Meldung schlug ein wie eine Bombe.

Innerhalb weniger Tage wurden zehn neue Fahrer geworben - aus dem ganzen Landkreis. "Die neuen Fahrer haben einfach die soziale Aufgabe erkannt und wollten sich gerne freiwillig zur Verfügung stellen", freut sich Espig über den Erfolg.

Hoderlein und die Tafel

Der wohl prominenteste neue Fahrer der Tafel ist Wolfgang Hoderlein. "Ich könnte so jemand sein, der kurzfristig einspringt. Wenn ich in Bamberg oder im Kreistag bin, kann ich natürlich nicht, aber wenn ich Zeit habe, kann ich was machen", sagt Wolfgang Hoderlein. Doch warum meldet sich ein so Vielbeschäftigter? Zur Kulmbacher Tafel hat Hoderlein eine ganz besondere Beziehung. Die fing schon an, als er noch sein Abgeordnetenbüro in der Blaich direkt neben der Tafel hatte. "Ich habe das Elend gesehen, und ich habe gesehen, wie viele Menschen dorthin kommen und froh sind, wenn sie etwas bekommen", sagt Hoderlein. Im Winter saßen bei ihm im Abgeordnetenbüro manchmal ältere Tafel-Kunden am Ofen.

"Und als klar war, dass ich aufhöre, bin ich schon früher ausgezogen. Die letzten eineinhalb Jahre hatte ich mein Abgeordnetenbüro im zwölf Quadratmeter großen Kinderzimmer", lacht Hoderlein. Und die Tafel konnte ihre Räume erweitern. Derzeit wird Wolfgang Hoderlein von Knud Espig "angelernt". In den nächsten Wochen werden auch die anderen Fahrer mit einem "Erfahrenen" auf Tour gehen und ihr neues Ehrenamt ausüben.
"Wenn man das eine Weile macht, dann baut sich eine Art Netzwerk auf. Da entstehen richtige Freundschaften", sagt Knud Espig und hofft, dass auch die anderen Neulinge ähnlich positive Erfahrungen machen können. Die neuen Fahrer sollen wie auch alle anderen nicht öfter als ein oder zwei Mal im Monat eingesetzt werden. "Wir achten immer darauf, dass sich die Belastung, die die Leute ja ehrenamtlich auf sich nehmen, in Grenzen hält", sagt Toni Steinl.

Gebraucht werden auch noch Freiwillige, die beim Ladeneinräumen helfen - immer montags und donnerstags von 13 bis zirka 15.30 Uhr, so Elfriede Höhn.

Immer mehr Aufstocker

Die Tafel versorgt übrigens nicht nur Hartz-IV-Empfänger und sozial Schwache, sondern auch immer mehr Menschen, die ganz normal einer geregelten Arbeit nachgehen, aber von ihrem Gehalt allein nicht mehr leben können. "Die Aufstocker werden immer mehr", sagt Elfriede Höhn. Und auch Alleinerziehende und ältere Menschen sind immer öfters auf die Hilfe der Tafel angewiesen.


Ostereier gesucht

Die Tafel sucht noch dringend bunt gefärbte Ostereier. Wer welche für die Tafel spenden möchte, kann sich mit Elfriede Höhn, Telefon 09225/6866, in Verbindung setzen.
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