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Kulmbach
Entdecker-Tour (153)

Kulmbacher Stützmauer besteht aus 153 Grabsteinen

An der Kulmbacher Petrikirche wurden früher Gläubige bestattet. An die längst aufgelassenen Gräber erinnern heute noch besondere Steine.
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Die Grabsteine an der kleinen Stützmauer sind noch gut erkennbar. Foto: Erich Olbrich
Die Grabsteine an der kleinen Stützmauer sind noch gut erkennbar. Foto: Erich Olbrich
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Christliche Bestattungen wurden einst im geweihten Bereich der Kirche und in deren Umgebung durchgeführt, denn die Gläubigen wollten so nah wie nur möglich an den Gotteshäusern begraben werden. Die Entfernung zum Altar spielte dabei durchaus eine große Rolle bei den anfallenden Gebühren. Nur die Reichsten konnten sich eine Ruhestätte in der Kirche leisten.

Beinhaus gleich nebenan

Um möglichst viele Verstorbene im Kirchhof beisetzen zu können, wurden oft die Liegezeiten der Leichen verkürzt, um die Gräber neu zu belegen. Die ausgegrabenen Gebeine wurden in ein eigens dafür errichtetes Beinhaus, auch Ossarium genannt, umgebettet.

Bereits seit dem 11. und 12. Jahrhundert waren solche Schritte aus praktischen Gründen notwendig. Die Bevölkerung in den Städten wuchs rasant an, so dass es immer schwieriger wurde, die Toten zu beerdigen.

Als der "Alte Friedhof" entstand

Auch um die Petrikirche herum befand sich ein Friedhof. Sein Beinhaus lag auf der Ostseite des Gotteshauses, an der Straße zur Plassenburg.

Als es mehr Beisetzungen gab als freie Gräber, verbot Markgraf Carl Alexander das Bestatten in den Kirchen. Der heutige "Alte Friedhof" außerhalb der Stadt entstand.

Das Wort Friedhof leitet sich von der althochdeutschen Bezeichnung frithof ab, die für einen eingefriedeten Bereich um eine Kirche steht. Dort wurden die im Krieg Umgekommenen und die Opfer von Seuchen begraben. Auch Kriminelle, Exkommunizierte und Selbstmörder hatten noch nie einen Platz in geweihter Erde um die Petrikirche herum gefunden, sondern wurden außerhalb der Stadtmauern verscharrt.

Neuer Treppenaufgang

Das Beinhaus der Petrikirche durfte übrigens bis 1880 stehenbleiben. Erst durch die Bauarbeiten zur Verbreiterung der Zufahrt zur Plassenburg musste es weichen. Auch der Kirchhof wurde dabei um einiges verkleinert, und man errichtete den Treppenaufgang auf der süd-östlichen Seite. Leider ist die dort angebrachte Jahreszahl 1880 im Laufe der vielen Jahre unkenntlich geworden.

Wie auf einem alten Plan erkennbar ist, war die einstige Zufahrt in diesem Bereich eng. Zur besseren Kontrolle der Straße zur Burg stand an der Ecke des alten Burggutes ein Wachturm, der auch heute noch im Mauerwerk erkennbar ist. Wir haben in der Entdecker-Tour 38 darüber berichtet. Auch das Kirchnerstor musste weichen. Der Ausbau der Straße zur Plassenburg erfolgte ab 1876, wie die in einem Stein unterhalb der Leitplanke eingemeißelte Jahreszahl 1876 berichtet.

Auf zur "Weiss'n Hanna"

Daneben entstand 1905 der Gasthof "Markgrafenburg", der auch liebevoll "Weiss'n Hanna" genannt wurde. Markant war der zur Petrikirche gerichtete runde Anbau aus dem Jahr 1929. Dieses Gebäude wurde in den 1970er Jahren abgebrochen.

Mit dem Verlagern des Friedhofes vor die Tore Kulmbachs wurden die bisherigen Gräber an der Petrikirche aufgelassen und eingeebnet. Die vorhandenen Grabsteine - viele aus Sandstein, Granit oder Marmor - waren als günstiges Baumaterial begehrt, konnte doch damit so manche, auch heute noch bestehende Mauer günstig errichtet werden.

Meist wurden die Steine so verarbeitet, dass sich die Grab-Inschriften auf der nicht sichtbaren Seite versteckten. Nicht aber an der kleinen Stützmauer auf der Rückseite der Gebäude Kirchplatz 4 und 5. Hier sind sowohl Inschriften als auch Ornamente der alten Grabsteine deutlich sichtbar.

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