Kulmbach
Wirtschaft

Kulmbacher Metallbaufirma: Flaute tangiert Neubau in Thurnau nicht

Die Firma Konrad Friedrichs errichtet in Thurnau für 17 Millionen Euro eine Produktionsstätte, die 2019 bezogen werden soll. Das Unternehmen investiert, bekommt die Konjunkturdelle aber zu spüren. In Kulmbach wird kurz gearbeitet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im Industriegebiet an der Autobahn bei Thurnau wird die neue Produktionsstätte errichtet. Foto: Alexander Hartmann
Im Industriegebiet an der Autobahn bei Thurnau wird die neue Produktionsstätte errichtet. Foto: Alexander Hartmann

Die Entscheidung, in Thurnau für 17 Millionen Euro eine neue Produktionsstätte zu errichten, hat die Kulmbacher Firma Konrad Friedrichs in einer Zeit getroffen, als das Geschäft noch richtig boomte. "Der erhöhte Auftragseingang und die gute wirtschaftliche Lage haben dazu geführt, dass wir in Kulmbach am absoluten Maximum der räumlichen Kapazität arbeiten", hatte im November vergangenen Jahres Geschäftsführer Steffen Blömer erklärt. Der wirtschaftliche Erfolg hat, wie auch die Tatsache, dass die Firma Ende 2019 eine in Kulmbach angemietete Produktionsfläche verlassen muss, die Neubaupläne forciert.

Branche im Abwärtstrend

Inzwischen hat sich die Lage in der Branche verändert. Die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland ist im zweiten Quartal des laufenden Jahres in die Rezession abgerutscht. Das geht aus aktuellen Zahlen des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall hervor, über welche die Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" berichtet haben. Nach einem Rückgang der Produktion um 1,6 Prozent im ersten Quartal gegenüber dem vierten Quartal vergangenen Jahres verbuchte die Branche im zweiten Quartal 2019 ein Minus von 2,4 Prozent.

Kurzarbeit wurde verlängert

Ein Abschwung, der offenbar auch die Firma Konrad Friedrichs erfasst hat, die vorgefertigte Rohmaterialien (Halbzeuge) produziert, aus denen Präzisionswerkzeuge für die Luft- und Raumfahrt oder auch die Automobil- und Elektrobranche gefertigt werden. Die Zahl der Aufträge scheint zurückgegangen zu sein. Seit Monaten arbeiten Teile der Belegschaft in Kulmbach kurz. Diesbezüglich sei eine Betriebsvereinbarung getroffen getroffen, sagt Gewerkschaftssekretär Oliver Oster von der IG Metall, der mitteilt, dass die Kurzarbeit jetzt auf Januar verlängert wurde.

Das sagt das Unternehmen

"Bei der Kurzarbeit handelt es sich um eine notwendige Anpassungsmaßnahme an die aktuelle Konjunktur-Entwicklung, wie sie derzeit bei vielen Unternehmen der Branche zum Tragen kommt", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Konrad-Friedrichs-Geschäftsführer Steffen Blömer und Bernd Schatz, der Geschäftsführer Finanzen und Administration bei der Gühring KG ist. Die Kulmbacher Konrad Friedrichs GmbH & Co. KG ist hundertprozentige Tochter der Gühring-Gruppe, die der größte deutsche und weltweit viertgrößte Werkzeughersteller ist und ihren Hauptsitz in Albstadt-Ebingen in Baden-Württemberg hat.

In der Presseerklärung wird darauf verwiesen, dass die Kurzarbeit temporärer Natur ist, nichts mit der Investition zu tun hat und diese auch künftig nicht beeinflussen wird. Die Anzahl der Arbeitsplätze werde sich mittelfristig sogar erhöhen.

Mitarbeiterzahl soll steigen

In Kulmbach waren Ende 2018 rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. In Thurnau, so hatte Steffen Blömer im November mitgeteilt, sollen vorerst 60 Arbeitsplätze entstehen. Die Produktion will Konrad Friedrichs künftig zwischen Kulmbach und Thurnau aufteilen. Der Standort Kulmbach werde auch perspektivisch nicht angetastet, so Blömer damals im Interview.

Der Neubau

Am gewaltigen Gebäudekomplex in Thurnau wird derweil weiter eifrig gebaut. Neben einer 5000 Quadratmeter großen Produktionshalle entstehen dort auf 2000 Quadratmetern Büro- und Sozialflächen. Gerüchte, dass die Produktion in der neuen Halle nicht wie vorgesehen noch in diesem Jahr startet, entbehren offenbar jeder Grundlage. Steffen Blömer hatte Ende 2018 erklärt, dass in Thurnau noch zwingend 2019 gefertigt werden muss. Daran wird nicht gerüttelt, auch wenn Kulmbacher Mitarbeiter bezweifeln, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Das Unternehmen stellt fest: "Es gibt keinen Baustopp, und dieser ist auch nicht beabsichtigt. Dabei handelt es sich lediglich um Gerüchte. Die Investition wird planmäßig durchgeführt und ist Ende September 2019 mit dem ersten Bauabschnitt abgeschlossen." Bezogen werden soll das Gebäude planmäßig ab Oktober.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren