Kulmbach
Landwirtschaft

Kulmbacher Landwirte hoffen auf ein besseres Jahr

Das Thema Trockenheit können Landwirte wahrscheinlich fast nicht mehr hören. Sicher ist, noch solch ein Jahr käme einer Katastrophe gleich.
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45 bis  50 Kilo Futter verdrückt  eine Kuh pro Tag. Das geht ganz schön ins Geld, besonders, wenn man Futter nicht vom eigenen Feld ernten kann, sondern zukaufen muss. Eckehard Kiesewetter
45 bis 50 Kilo Futter verdrückt eine Kuh pro Tag. Das geht ganz schön ins Geld, besonders, wenn man Futter nicht vom eigenen Feld ernten kann, sondern zukaufen muss. Eckehard Kiesewetter
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"2018 war insgesamt ein sehr sehr schwieriges Jahr", beginnt Harald Köppel. Der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Gebiet Bayreuth, Kronach und Kulmbach stellt betrübt fest, dass es im gesamten Kulmbacher Landkreis Ertragsverluste gab.

Im Detail ist die Ertragsbilanz der Landwirte natürlich von Gegend zu Gegend unterschiedlich. So gibt es im Landkreis Fälle mit "nur" 20 bis 30 Prozent Ernteausfällen, allerdings auch einige mit bis zu 60 Prozent. "Da bringt es auch nichts, wenn es mal eine halbe Stunde 100 Liter runterregnet", erklärt Harald Köppel weiter. Er selbst habe noch nie so ein extremes Jahr erlebt. "Ältere Kollegen", erzählt er, "erinnert das Jahr 2018 an das schon weit zurückliegende Jahr 1976."

In Kreisobmann Wilfried Löwingers Erinnerung war es jedoch bisher nie so drastisch wie in diesem Jahr.

Viele landwirtschaftliche Betriebe sind nun aufgrund der schlechten Ernte gezwungen, Viehfutter nachzukaufen. Für die Landwirte stehen dafür zwei Hilfsprogramme von Bayern und dem Bund bereit, welche den Zukauf von Viehfutter nach dieser extremen Dürre erleichtern sollen.

Für Wilfried Löwinger sind diese Programme allerdings nur heiße Luft. "Das bayerische Hilfsprogramm wirft jedem Betrieb einen riesigen Bürokratie-Ziegel in den Weg", kritisiert er.

Vor allem für kleinere Betriebe scheitert ein Antrag zu Förderung häufig an den Nachweisregularien der Hilfsprogramme. So muss, laut Wilfried Löwinger, ein Betrieb seine Existenzgefährdung nachweisen können, um im Bundesprogramm überhaupt eine Chance zu erhalten.

Auch für Harald Köppel sind die Programme zwar gut gemeint, aber sie seien insgesamt mit zu detaillierter Nachweispflicht und bürokratischen Hürden mehr Last als Hilfe. "Die Hoffnung lag nun darauf, dass es im Herbst weniger trocken wird, doch die anhaltende Trockenheit sorgt dafür, dass die Wintersaat einfach verdorrt", klagt Harald Köppel. Ähnliche Erfahrungen macht auch Wilfried Löwinger: "Die Idee mit sogenannten Zwischenfrüchten der Futterknappheit entgegenzuwirken, funktioniert durch diesen bisher zu trockenen Herbst auch nicht."

Eine der wenigen guten Nachrichten ist nämlich, dass viele Betriebe durch das ertragsreiche Jahr 2017 noch Futtervorräte für den Winter haben. Wer jedoch nicht mit seinen Vorräten durch den Winter kommt, ist letztendlich auf Futterzukauf angewiesen.

"Zusammen werden wir durch diesen Winter schon durchkommen", meint Harald Köppel und warnt gleichzeitig "noch so ein trockenes Jahr käme einer Katastrophe gleich - nicht nur für die Landwirtschaft."

Der Diplomagraringenieur spielt hierbei auf ein Thema an, welches neben der Waldbrandgefahr in diesem Jahr häufig weniger aufmerksam verfolgt wurde: Waldschädlinge.

Durch die anhaltende Hitze sind Bäume nicht in der Lage, sich durch die Absonderung von Harz gegen Schädlinge wie den Borkenkäfer zu wehren. "Man sieht jetzt schon, dass sich Waldschädlinge deutlich stärker in den Wäldern ausbreiten", stellt Harald Köppel fest.

Wilfried Löwinger schließt sich an: "Wenn es über den Winter und im nächsten Jahr nicht besser wird, steht die Landwirtschaft, aber auch beinahe jeder Wald, vor einer immensen Katastrophe."

Die Landwirtschaft im Landkreis Kulmbach

Mit rund 48.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche sind im Landkreis Kulmbach 53 Prozent und im Landkreis Kronach 32 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Als Grünland werden im Landkreis Kulmbach circa 30 Prozent und im Landkreis Kronach etwa 45 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaftet. 48.000 Hektar sind umgerechnet ca. 67.226 Fußballfelder.Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach

Was ist ein Kreisobmann?

Er repräsentiert die Landwirte. Der Kreisvorstand bündelt die Interessen der Mitglieder aus den Ortsverbänden und sorgt für die Meinungsvertretung auf Bezirksebene.Er ist Mitglied der Landesversammlung. Als Repräsentant aller landwirtschaftlichen Betriebe im Kreisverband vertritt er die Interessen der bäuerlichen Familien auf Kreisebene. Die Kreisvorstandschaft trägt die Verantwortung für die verbandspolitische Meinungsbildung. Der Kreisvorstand sorgt für den Informationsfluss von der Bezirksebene in die Kreis- und Ortsverbände. Zudem setzt der Kreisobmann die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kreisverband um.Quelle: Bayerischer Bauernverband



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