Kulmbach
Tragödie

Kulmbacher Kreißsaal-Drama: Tod durch innere Blutungen - was der Vater zum Gutachten sagt

Im Klinikum Kulmbach sterben kurz vor Weihnachten Mutter und Kind bei der Entbindung. Jetzt liegt das Gutachten der Rechtsmedizin vor. Genau das aber kann der hinterbliebene Vater nicht nachvollziehen, wie er uns erzählt.
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Kurz vor Weihnachten kam  es zur Tragödie: Nun liegt das Gutachten der Rechtsmedizin vor. Katrin Geyer
Kurz vor Weihnachten kam es zur Tragödie: Nun liegt das Gutachten der Rechtsmedizin vor. Katrin Geyer

Hinter dem Begriff "zentrales Regulationsversagen" verbirgt sich eine menschliche Tragödie, die kaum zu fassen ist: Kurz vor Weihnachten waren bei einer Entbindung im Klinikum in Kulmbach erst das Baby und wenig später die Mutter verstorben. Jetzt liegt ein Gutachten der Rechtsmedizin vor, das zu erklären versucht, was nicht zu begreifen ist.

Am allerwenigsten für ihn: Der 36 Jahre alte Vater und Partner erlebte am 8. Dezember 2018 den schwersten Tag seines Lebens. "Ich kann seither kaum schlafen, meine Gedanken kreisen ständig um jene paar Stunden", sagt Robby Handschuh.

Das Ergebnis der Obduktion ist für ihn weder Trost noch Beruhigung, er kann es nicht nachvollziehen: "Wie kann es sein, dass meine Frau in einem Haus voller Ärzte verblutet ist?", sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. "Die Geburt verlief normal, nichts hat darauf hingedeutet", so Handschuh. "Das kann doch nicht sein!".

Dass er überdies von dem Gutachten erst aus der Presse erfahren hat, findet er sehr ungewöhnlich. "Hätte man unsere Familie nicht zuerst informieren können?", fragt er. Gespannt wartet er nun auf das zweite Gutachten, das die Staatsanwaltschaft angefordert hat - in der Hoffnung, dass es ein wenig mehr Licht in die für ihn unverständlichen Umstände bringt. "Bis es so weit ist, werde ich wohl weiterhin kein Auge zumachen können", sagt Handschuh.

Innere Blutungen

Das Gutachten des rechtsmedizinischen Instituts in Erlangen spricht Ärzte und Klinikum von jeder Schuld an dem tragischen Geschehen frei, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt in Bayreuth, Herbert Potzel, der Redaktion. Seine Behörde hatte Ermittlungen aufgenommen, nachdem die Ärzte des Klinikums selbst die Polizei verständigt hatten, um schnell Klarheit auch über ein mögliches eigenes Verschulden zu erhalten. Bei ungeklärten Todesfällen ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft grundsätzlich.

Das Gutachten der Obduktion in Erlangen liegt jetzt vor, sagt Potzel. Das Kind ist demnach gestorben, weil es einen Blutstau im Gehirn gab. Innere Blutungen waren auch die Ursache für den Tod der 33 Jahre alten Mutter wenige Stunden nach der Entbindung - ein außergewöhnliches Zusammentreffen tragischer Umstände, heißt es. Weder während der Schwangerschaft noch bei der Entbindung selbst hatte es zunächst Hinweise auf mögliche Komplikationen gegeben, auch das bestätigen die Rechtsmediziner in Erlangen.

Für Potzel ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Er hat, was ebenfalls zur Routine solcher Ermittlungen gehört, ein zweites, unabhängiges Gutachten zum Tod von Kind und Mutter in Auftrag gegeben.

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