Himmelkron
Landwirtschaft

Kulmbacher Kreiserntedankfest: "Bauern verdienen mehr Respekt"

Die Landwirte - auch im Kreis Kulmbach - sehen sich vieler unfairer Angriffe ausgesetzt. Damit müsse endlich Schluss sein, hieß es beim Erntedankfest.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Landfrauenchor unter der Leitung von Christine Thomas (rechts) umrahmte das Kreiserntedankfest mit Liedbeiträgen. Werner Reißaus
Der Landfrauenchor unter der Leitung von Christine Thomas (rechts) umrahmte das Kreiserntedankfest mit Liedbeiträgen. Werner Reißaus

Es war eher eine bescheidene Ernte, die die Bauern im Landkreis Kulmbach in diesem Jahr einfuhren. Viele Betriebe kämpfen sogar um ihre Existenz kämpfen. Das zentrale Erntedankfest ist ihnen aber nach wie vor wichtig.

"Unsinnige und praxisfremde Auflagen"

BBV-Obmann Harald Peetz, für seine kritischen und zugleich ehrlichen Worte bekannt, machte in seiner Begrüßung in der Himmelkroner Frankenfarm deutlich, dass den Landwirten in diesen Tagen ganz andere Gedanken durch den Kopf gehen: "Es ist schon nicht einfach als Landwirt, die vielen, meist unsinnigen und praxisfremden Auflagen und Vorschriften einzuhalten und trotzdem ein Einkommen für die Familie zu erwirtschaften."

In der Bevölkerung herrsche "ein die Bauern verachtendes Klima", für viele Bauernfamilien sei die Grenze des Ertragbaren überschritten. "Sie fühlen sich als Sündenbock für alles, war zurzeit in unserem Land schiefläuft."

"Die Biene missbraucht"

Bei dem Volksbegehren hätten Parteien und Einzelpersonen die Honigbiene missbraucht, um ihre Ideologien durchzusetzen und den Berufsstand der Bauern einseitig an den Pranger zu stellen, fuhr Peetz fort. Das "Versöhnungsgesetz" bezeichnete er als einen zahnlosen Papiertiger.

Besonders kritisch ging Peetz mit der "Fridays for Future"-Bewegung um: "Was von Demonstranten zu halten ist, die nur während der Schulzeit und nicht in den Ferien ihr Gewissen für das Klima entdeckt haben und an den anderen Tagen am liebsten mit dem Mama-Taxi bis vor die Schultür gefahren werden wollen, darüber mag sich jeder sein eigenen Bild machen, aber leider Gottes werden sie von den Medien unterstützt und groß rausgebracht."

Stiller Protest

BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger rief bei dem Treffen in Himmelkron dazu auf, das Erntedankfest auch dazu zu nutzen, in einen Dialog zu treten, denn das Land brauche auch in Zukunft die Bauern. Die "Grünen Kreuze", die in ganz Deutschland aufgestellt wurden, sind laut Löwinger ein stiller Protest, ein Mahnzeichen gegenüber Politik und Gesellschaft.

"In Zeiten von Globalisierung und Hightech gerät in Vergessenheit, dass unsere Bäuerinnen und Bauern mit ihrer Arbeit in der Natur für das Wichtigste überhaupt sorgen: unsere Lebensmittel", so Löwinger. Dessen seien sich viele Menschen nicht mehr bewusst, dabei sei es "nicht selbstverständlich, dass wir ausreichend zu essen haben". Weltweit würden etwa 800 Millionen Menschen hungern, und dass es den Menschen in Deutschland und Europa besser gehe, sei ein Verdienst der Bauern. "Sie sind es, die uns satt machen, nicht die Discounter. "

Löwinger: Klimahysterie

Löwinger verwies darauf, dass vor mehr als hundert Jahren ein Bauer vier Menschen ernährte. Heute erzeuge ein Landwirt im Schnitt Nahrungsmittel für 160 Personen. Auch das Wetter beeinflusse die Ernte: "Regen, Hagel, Hitze und Dürre sind entscheidende Faktoren. Wir hatten nach dem katastrophalen Dürrejahr 2018 wieder mit großer Trockenheit zu kämpfen. Speziell im Kulmbacher Land war dies sehr ausgeprägt." Der Kreisobmann machte außerdem deutlich, dass das Augenmaß bei der derzeitigen Klimahysterie "total verloren gegangen" sei. Die Bauern seien die einzigen, die seit Jahrtausenden das Prinzip der Nachhaltigkeit vorlebten, schloss Wilfried Löwinger.

MdL Martin Schöffel, stellvertretender Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Landtag und Agrarsprecher der CSU, zeigte auf, dass die Ernte im Landkreis Kulmbach im jahrzehntelangen Vergleich sehr schlecht ausgefallen sei. Er rief dazu auf, die Landwirte vor unfairen Angriffen und vor Respektlosigkeit zu verschonen.

Viel zu viele Experten

"Wenn sich in der Branche Resignation breitmacht, dann fehlt unserem Volk und unserem Land mit das Wichtigste, was wir haben: der Bauernstand, der für unser tägliches Brot sorgt und die Landschaft so erhält, wie wir es alle lieben und schätzen." Schöffel betonte, dass die Landwirte den Respekt und die Wertschätzung der Bevölkerung verdient hätten.

Heute wollten gefühlte 82 Millionen Bürger über Landwirtschaft mitreden, genau das mache es aber für die Politik und die Bauern selbst auch extrem schwierig. Viele Menschen realisierten überhaupt nicht mehr, nach welchen Gesetzmäßigkeiten ein landwirtschaftlicher Betrieb heute funktioniere. Hier müsse wieder mehr Nähe, Verständnis und Wissen in die Bevölkerung gebracht werden. "Eines muss auch klar sein: Eigentum muss respektiert werden. Das ist ein Grundsatz, der nicht bei jeder politischen Richtung so akzeptiert wird."

Überzeugungsarbeit leisten

In ihren Grußworten verwiesen stellvertretende Landrätin Christina Flauder (SPD) und Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) auf die Bedeutung der Landwirtschaft.

Beate Opel war im Schlusswort der Meinung, dass ihr Berufsstand mehr Überzeugungsarbeit leisten müsse.

Gedanken zum Erntedank sprach Pfarrer Michael Krug von der evangelischen Kirchengemeinde Himmelkron. Der Landfrauenchor umrahmte unter der Leitung von Christine Thoma das Kreiserntedankfest in der Frankenfarm.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren