Seidenhof
Gericht

Kieswäsch bei Kulmbach: Täter nicht verurteilt

Vandalismus im Naherholungsgebiet ist immer wieder ein Ärgernis für die Stadt Kulmbach: Warum das Verfahren gegen zwei jugendliche Rowdys jetzt eingestellt wurde.
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Von den Rowdys wurden unter anderem die Fenster des Toilettenhäuschens an der Kieswäsch eingeschlagen. Foto: Stadt Kulmbach
Von den Rowdys wurden unter anderem die Fenster des Toilettenhäuschens an der Kieswäsch eingeschlagen. Foto: Stadt Kulmbach

"Wir kennen uns ja schon." Die zwei Burschen, die vor ihm auf der Anklagebank saßen, waren für Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner keine Unbekannten. Beide standen schon mehrfach vor Gericht - immer wieder im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen.

Der eine, 18 Jahre alt, wurde erst im August wegen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln in elf Fällen verurteilt. Der andere, fast 16, hatte heuer schon drei Auftritte vor Gericht: wegen Diebstahls, wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und wegen Handels mit Betäubungsmitteln in 30 Fällen.

"Eine blöde Aktion"

Am Mittwoch ging es, so der Jugendrichter, um "eine blöde Aktion": um einen Vorfall an der Kieswäsch. Dort hatten am 4. April Vandalen das Toilettenhäuschen verwüstet und unter anderem die Scheiben eingeschlagen. Der Stadtbauhof war mehrere Tage damit beschäftigt, massenweise Müll im Naherholungsgebiet wegzuräumen und im Spielplatzbereich Glasscherben zu beseitigen.

Vor Gericht spielten nur die kaputten Fenster eine Rolle. Staatsanwalt Julius Klug legte den Angeklagten Sachbeschädigung zur Last und bezifferte den Schaden auf 500 Euro.

Gelage am Badesee

Obwohl laut Satzung der Stadt verboten, hatten die Angeklagten in den Nachtstunden mit einer größeren Gruppe junger Leute am Badesee gefeiert. Es müssen wohl 20 bis 30 Personen gewesen sein. So genau wusste es keiner. Alkohol floss offenbar in Strömen. Und beide Angeklagten räumten ein, ziemlich betrunken gewesen zu sein.

Für die Polizei war es im Nachhinein schwierig, die Vorkommnisse aufzuklären. "Es gibt eine dicke Ermittlungsakte. Aber es ist nicht lückenlos gelungen, die Straftaten zuzuordnen", sagte der Richter.

Der 18-Jährige gab zu, ein Fenster eingeschlagen zu haben. Nach einem Streit mit seiner Freundin habe er seinen Frust abreagiert und sich dabei an der Hand verletzt.

Der zweite Angeklagte will erst später zu dem Gelage dazugekommen sein. Zum Tatvorwurf sagte er: "Stimmt nicht ganz." Er habe lediglich "eine kaputte Scheibe noch kaputter gemacht". Trotzdem liege eine Sachbeschädigung vor, musste er sich belehren lassen.

Wer das dritte Fenster demoliert hatte, wollen sie nicht gesehen haben. Jedenfalls flatterte ihnen eine Rechnung der Stadt Kulmbach ins Haus: jeweils über 700 Euro. Bezahlt hat aber bisher keiner etwas.

Richter Berner, Staatsanwalt Klug und Stefan Fürst von der Jugendgerichtshilfe waren sich einig, dass beide Angeklagte ihr Freizeitverhalten ändern müssen, um nicht endgültig eine kriminelle Karriere einzuschlagen.

"Der schlechte Umgang in der Stadt ist das Problem", meinte der Staatsanwalt. Er riet dringend dazu, den alten Freundeskreis zu meiden.

Kein Alkohol und keine Drogen

"Halten Sie sich von Alkohol und Drogen fern, sonst sehen wir uns garantiert hier wieder", warnte der Jugendrichter und stellte das Verfahren ein. Das heißt: Im Hinblick auf die jüngsten Urteile gibt es keine zusätzlichen strafrechtlichen Sanktionen, weil damit bereits erzieherische Maßnahmen eingeleitet wurden.

Allerdings erwarte er, so Berner, "dass es weiter aufwärtsgeht". Dass sich beide an ihrer Arbeits- beziehungsweise Lehrstelle nichts zuschulden kommen lassen.

Zahlen oder nicht zahlen?

Am Rande der Verhandlung wurde diskutiert, ob die Angeklagten die Rechnung der Stadt Kulmbach bezahlen sollen. Man habe den Ausgang des Strafverfahrens abwarten wollen, sagte der Vater des jüngeren Angeklagten. "Das wird Sie nicht voranbringen", meinte der Amtsgerichtsdirektor. Es sei nun Sache der Stadt, wie sie weiter verfährt. Aber in jeden Fall sei es ratsam, so Berner, Kontakt mit der Verwaltung aufzunehmen.

Für die Stadt ist Vandalismus an der Kieswäsch ein ständig wiederkehrendes Ärgernis. Man muss Zeit und Geld aufwenden, um die Schäden zu beheben. Meist bleibt die Allgemeinheit auf den Kosten sitzen. Diesmal sieht es allerdings anders aus.

Die Kosten, die durch den Vandalismus entstanden sind, hat die Stadt Kulmbach bei den beiden jetzt Angeklagten geltend gemacht. "Bisher haben wir noch keine zivilrechtlichen Schritte eingeleitet, da wir den Abschluss des strafrechtlichen Verfahrens abwarten wollten. Im Sinne der Bürger werden wir grundsätzlich weiter an dem Anspruch festhalten", so die Sprecherin der Stadt, Ulrike Michael.

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