Kulmbach
Kommentar

Kulmbacher Kaufland-Filiale: Trotz allem ein Verlust

Auch wenn die Verhandlungen über einen Sozialplan ein erfreuliches Ergebnis brachten: Die Schließung der Kaufland-Filiale ist ein Verlust.
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Was die Schließung der Kaufland-Filiale bedeutet: ein Kommentar.Foto: Archiv/Richard Sänger
Was die Schließung der Kaufland-Filiale bedeutet: ein Kommentar.Foto: Archiv/Richard Sänger

So etwas ist nicht alltäglich: Ein Unternehmen kündigt die Schließung einer Filiale an. 50 Mitarbeiter wissen, dass es ihre Arbeitsplätze in einem Jahr nicht mehr geben wird. Ein Sozialplan wird erarbeitet - und im Pressegespräch, in dem es um diesen Sozialplan geht, fällt kein einziges böses Wort über den Arbeitgeber!

So zu erleben in diesen Tagen in Sachen Kaufland. Für den Standort Kulmbach gibt es keine Chance mehr. Trotzdem sind Mitarbeiter und Gewerkschaft zufrieden: Weil die Betroffenen in einer Weise entschädigt werden, wie sie in der Branche in diesem Umfang nicht üblich ist. Dennoch: Auch wenn es großzügige Abfindungen und das Angebot gibt, in anderen Filialen weiterzuarbeiten, sollte man nicht vergessen, dass die 50 betroffenen Mitarbeiter für 50 Einzelschicksale stehen. Viele von ihnen sind dem Unternehmen seit langem verbunden, einige seit der Eröffnung der Filiale vor 19 Jahren dabei.

Nicht alle werden das Angebot, in eine andere Filiale zu wechseln, annehmen: Viele der Kaufland-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen haben Teilzeit-Beschäftigungsverhältnisse. In einer Branche, in der die Löhne von Haus aus niedrig sind, wird sich ein langer Arbeitsweg zur neuen Arbeitsstelle nicht immer rechnen - selbst wenn es Benzingeld vom Arbeitgeber gibt.

Mitarbeiter, die sich einen neuen Job in Kulmbach suchen wollen, haben gute Chancen, fündig zu werden. Aber vermutlich zu schlechteren Bedingungen als zuvor. Während Kaufland nämlich zu den wenigen Konzernen gehört, die noch nach Tarif oder sogar darüber hinaus bezahlen, einschließlich Weihnachts- und Urlaubsgeld, haben sich andere Lebensmittelketten längst aus dem Tarif verabschiedet und zahlen wenig mehr als den vorgeschriebenen Mindestlohn. Auch in ihren Kulmbacher Filialen.

Schon jetzt gehen Experten davon aus, dass von den derzeit etwa 3,4 Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel 70 bis 75 Prozent von Altersarmut betroffen sein werden. Dieses Damoklesschwert schwebt auch über einigen der Kaufland-Beschäftigten. Da helfen auch ein paar Tausend Euro Abfindung nicht viel.

Selbst wenn die Beteiligten immer wieder betonen, dass die Verhandlungen über den Sozialplan in guter Atmosphäre über die Bühne gegangen seien: Ein Verlust ist die Schließung der Filiale doch.

Für die Beschäftigten. Aber auch für die Kulmbacher Innenstadt und ihre Bewohner: Die haben dann nämlich endgültig keinen auf kurzem Weg erreichbaren Lebensmittelhändler mit einem Vollsortiment mehr in ihrer Nähe.

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