Kulmbach
Versicherung

Kulmbacher Hausärzte verärgert über Briefe der AOK

Versicherte der AOK Bayern erhalten zur Zeit ein Schreiben ihrer Versicherung. Dieses soll über ein Sonderkündigungsrecht aufklären, doch die Hausärzte finden die Formulierung des Briefes ungeschickt.
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Anja Tischer, Vorsitzende des Hausarztvereins Kulmbach Stadt und Land, hat in ihrer Praxis in Untersteinach einen Zettel aufgehängt, der ihre Patienten informieren soll.  Foto: Jennifer Hauser
Anja Tischer, Vorsitzende des Hausarztvereins Kulmbach Stadt und Land, hat in ihrer Praxis in Untersteinach einen Zettel aufgehängt, der ihre Patienten informieren soll. Foto: Jennifer Hauser
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In den vergangenen Tagen flatterte bei rund 600.000 AOK-Versicherten ein Schreiben in den Briefkasten, dem ein vorgedrucktes Widerrufsformular beigelegt ist. Das Thema: der Hausarztvertrag. "Es ist juristisch nötig, dass wir unsere Versicherten darauf aufmerksam machen", sagt Michael Leonhart, Pressesprecher der AOK Bayern. Doch Anja Tischer, Vorsitzende des Hausarztvereins Kulmbach Stadt und Land, findet den Brief unverständlich formuliert. Das sorgt für schlechte Stimmung.


Hintergrund

Die AOK Bayern versichert rund 4,3 Millionen Menschen in Bayern. 600.000 von ihnen haben einen Hausarztvertrag geschlossen. Dieser Vertrag verpflichtet einerseits die Hausärzte dazu, sich regelmäßig fortzubilden, andererseits, verpflichten sich die Patienten, immer zuerst zum Hausarzt zu gehen, der sie dann gegebenenfalls zum Facharzt überweist. "Damit soll eine bessere Versorgung der Patienten gewährleistet werden", sagt Anja Tischer. "Aber die Krankenkassen haben natürlich auch einen Vorteil: Sie sparen Geld, weil die Patienten nicht zu den falschen Fachärzten rennen und Doppeluntersuchungen somit ausbleiben."

Der aktuelle Vertrag ist bis zum 30. Juni gültig. Da es noch keinen Folgevertrag gibt, wurde eine Übergangslösung gefunden: Alle alten Vereinbarungen gelten, bis der neue Vertrag steht. Doch das kann dauern.
"Um es klar zu sagen: Wir konnten uns nicht einigen. Nun warten wir auf einen Schiedsspruch. Wie lange das dauert, kann ich aber nicht sagen", beteuert Michael Leonhart. Welche Punkte im neuen Vertrag noch strittig sind, dazu wollte er mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nichts sagen.

Mit dem Schreiben will die AOK die Versicherten auf ihr Widerrufsrecht aufmerksam machen - auch, weil es ihre rechtliche Pflicht sei. Darin sieht Anja Tischer aber das Problem gar nicht. "Wenn das rechtlich nötig ist, dann verstehe ich das. Ich finde es einfach schade, dass es so missverständlich formuliert ist und die Leute nicht wissen, welche Konsequenz eine Unterschrift hat", sagt die Ärztin. Ihrer Meinung nach sei der Brief so formuliert, dass die Versicherten nicht verstehen, dass sich für sie nichts ändert, wenn sie nicht unterschreiben.
Die meisten Patienten mit Hausarztvertrag sind zwischen 60 und 80 Jahre alt. "Wir Hausärzte werden vermehrt von unseren Patienten angesprochen und gefragt, was sie tun sollen", sagt Anja Tischer. Daher hat der bayerische Hausärzteverband ein Rundfax verschickt.

Darin ist ein Aushang für die Praxen enthalten, der auf diesen Brief der AOK aufmerksam macht: "Einen AOK Bayern Hausarztvertrag wird es weiter geben. Wenn Sie weiter am Hausarztvertrag teilnehmen möchten, brauchen Sie nichts zu unternehmen und können diesen Brief ignorieren!"


Angst vor Bürokratie

Auch Anja Tischer hat den Brief in ihrer Praxis aufgehängt und findet es wichtig zu betonen, dass dieses Sonderkündigungsrecht zwar existiert, allerdings keiner dazu verpflichtet sei, den Brief zu unterschreiben. "Bei Fragen können sich die Patienten gerne an uns Hausärzte wenden. Wir wollen einfach nicht, dass jetzt alle kündigen und wenn der neue Vertrag steht dann wieder ein riesiger bürokratischer Aufwand für uns und die Patienten entsteht."

Schließlich wolle man ja gut mit der Kasse zusammenarbeiten. Außerdem sei die Kooperation im Landkreis gut. Das Problem liege eher auf bayerischer Ebene.

Im Vergleich zur AOK Bayern haben andere Krankenkassen ihre Verträge unbegrenzt geschlossen. So zum Beispiel die Barmer. "Und wir haben auch nicht vor, sie zu kündigen", sagt Reiner Kaulfuß von der Barmer in Kulmbach. Dies begrüßen auch die Hausärzte, wie Anja Tischer sagt, denn das erspare den Ärzten das Ausfüllen von vielen neuen Formularen und helfe mit, die Versorgung auf dem Land durch Hausärzte zu sichern.

Michael Leonhart weiß, dass es Ärzte gibt, die sich über die Briefe aufregen. Er findet jedoch, die Aufregung vor Ort sei umsonst. "99 Prozent der Versicherten werden sowieso nicht von ihrem Widerrufsrecht gebrauch machen."


Informationen

HzV (=Hausarztzentrierte Versorgung) Das zentrale Element der HzV in Bayern ist die ärztliche Erstversorgung sowie die Koordinierung und Steuerung ärztlicher Leistungen durch den Hausarzt.

Teilnehmer Die Teilnahme an der hausarztzentrieren Versorgung ist freiwillig. Die Versicherten können ihre Teilnahme an der HzV durch Teilnahme- und Einwilligungserklärung beantragen. Der Hausärzteverband organisiert die Teilnahme und nimmt die Abrechnung der HzV-Vergütung gegenüber der Krankenkasse vor.

Gültigkeit Der aktuelle Vertrag läuft bis 30. Juni 2014, bleibt aber so lange gültig, bis ein Folgevertrag augehandelt ist.

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