Kulmbach
Integration

Kulmbacher Gymnasiastin freut sich über besonderes Stipendium

Die 16-jährige MGF-Schülerin Lin Al Hamwi freut sich über ein Stipendium. Die junge Syrerin ist hochbegabt und würde gerne Medizin studieren.
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Lin Al Hamwi mit ihrer Förderlehrerin Susanne Götz (rechts) Werner Reißaus
Lin Al Hamwi mit ihrer Förderlehrerin Susanne Götz (rechts) Werner Reißaus
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Lin Al Hamwi freut sich riesig. Die aus Syrien stammende Schülerin des Kulmbacher Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium ist eine von 50 jungen Leuten aus dem Freistaat, die aktuell über das Programm "Talent im Land - Bayern" unterstützt werden. Kultusminister Michael Piazolo und Dagmar Wolf von der Robert-Bosch-Stiftung überreichten bei einem Festakt in der Münchner Residenz die Stipendien. Die monatlichen Geldzuwendungen sind für besonders begabte Jugendliche gedacht.

Eine Jury hatte die Stipendiaten aus mehr als 230 Bewerbern ausgewähl. "Das Programm eröffnet Chancen und erhöht die Bildungsgerechtigkeit. Die Begabungen und Leistungen der Stipendiaten bereichern unsere schulische Gemeinschaft und sind ein Gewinn für unsere Gesellschaft und Wirtschaft", sagte Kultusminister Piazolo.

Motto  "Talent im Land"

Das Programm "Talent im Land - Bayern" besteht seit 2005 und wird gemeinsam vom Kultusministerium und von der Bosch-Stiftung getragen. "Um in der Schule Erfolg zu haben, reichen Begabung und Motivation allein manchmal nicht aus. Etwa, weil es zu Hause nicht genug Unterstützung oder Interesse am Lernen gibt oder weil Geld oder Sprachkenntnisse fehlen", so Dagmar Wolf von Stiftung. Mit "Talent im Land" helfe man jungen Menschen über die Hürden hinweg und ermutigt sie, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ziel sei, dass mehr junge Menschen, die aufgrund ihrer Biografie besondere Herausforderungen zu meistern haben, studieren können - getreu des Mottos "Bildung fördert Integration. Wir fördern Bildung."

Bis 2014 richtete sich das Programm an Schüler mit Migrationshintergrund, seitdem ist es für alle offen. Neben einer finanziellen Unterstützung bekommen die Stipendiaten eine umfassende Betreuung und Förderung, etwa mit Seminaren oder Studienreisen.

Eine Ausnahmeschülerin

Am MGF betreut Förderlehrerin Susanne Götz die 16-jährige Ausnahmeschülerin Lin Al Hamwi. "Wir müssen immer die verschiedenen Aufsatzformen trainieren. Gerade am Anfang haben wir auch sehr viel Wortschatztraining gemacht, auch Grammatiktraining war angesagt." Im Gespräch habe Lin kaum noch Probleme, "aber da wir im deutschen Sprachgebrauch zwischen Mündlichem und Schriftlichem sehr große Unterschiede haben, müssen wir das immer wieder üben."

Es sei ein schwieriger Weg, auch mit Frustrationszeiten, aber es werde kontinuierlich besser, so die Pädagogin. "Natürlich wollen wir auf das Abitur hinarbeiten. Der Schwierigkeitsgrad und die Anforderungen steigen von Jahr zu Jahr, gerade auch im Fach Deutsch."

Schwierigkeiten gemeistert

Die Schwierigkeiten seien für eine junge Gymnasiastin, die erst seit knapp vier Jahren in Deutschland lebt, schon enorm, so Förderlehrerin Susanne Götz. Im Meistern dieser Schwierigkeiten zeige Lin Al Hamwi jedoch gerade außergewöhnliche Fähigkeiten. So spreche sie inzwischen die deutsche Sprache mit einer Leichtigkeit geradezu fließend.

Lin Al Hamwi ist in Syrien geboren und aufgewachsen. Nach zwei Jahren Aufenthalt in Jordanien beantragte ihre Familie ein Visum für Deutschland. Die erste Station war in Berlin: "Wir waren aber dort nur vier Tag, dann kamen wir schon nach Kulmbach", sagt die 16-Jährige, die von einer "Zufallsentscheidung" spricht. "Der Anfang war für mich wegen der Flüchtlingskrise sehr chaotisch. Zunächst bin ich in die Max-Hundt-Mittelschule gegangen. Fast alle Flüchtlinge wurden dort eingeschult. Fast einen Monat lang besuchte ich nur einen Deutschkurs, ich hatte noch keinen Unterricht."

Faible für Naturwissenschaften

Es dauerte etwas, bis das Schulzeugnis aus Jordanien in die deutsche Sprache übersetzt worden war. Dann war für das Mädchen der Weg frei, um ans MGF-Gymnasium zu wechseln.

"Ich wurde in die fünfte Klasse eingeschult, war aber nicht zufrieden damit. Mein Vater hat mit der Klasslehrerin gesprochen und ich konnte als Gastschülerin die siebte Klasse besuchen. Jetzt bin ich in der zehnten Klasse", so Lin. Besonders begabt ist sie in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie und Chemie. Lin Al Hamwi schweben derzeit verschiedene Berufsziele vor: "Ich hoffe, dass ich es schaffe, Medizin zu studieren. Wenn nicht, kann ich auch Biologie oder Chemie studieren."

Das Stipendium wird bis zum Abitur gewährt. Gleichzeitig bekommt Lin Al Hamwi auch Unterstützung in anderen Bereichen, etwa, wenn sie Nachhilfeunterricht oder einen Laptop benötigt. Gleichzeitig werden ihr der Besuch an einer Sommer-Universität oder Treffen mit den anderen Stipendiaten angebotenen. Derzeit hat sich die 16-Jährige für einen Schreibwettbewerb angemeldet: "Ich versuche einfach, mich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen. Wenn man sie gut beherrscht, dann tut man sich auch in den anderen Fächern leichter. Alles, was neu für mich klingt, das schreibe ich mir auf."

"Absolut außergewöhnlich"

Förderlehrerin Susanne Götz nennt die Schritte ihres Schützlings in dieser Schnelligkeit "absolut außergewöhnlich". Lin lerne Grammatik und Vokabeln äußerst schnell und könne sich gewählt ausdrücken.

Was Lin Al Hamwi an ihrer Klasse besonders schätzt: "Die Mitschüler sind nett zu mir, wir haben eine gute Klassengemeinschaft - und manchmal werde ich auch gefragt, ob man in Syrien Zucker isst."

Bei den Hobbys kommt der Sport bei Lin an erster Stelle: "Ich spiele beim ATS Kulmbach Basketball und gehe oft zum Joggen." Sie mag Sport allgemein sehr gern, auch Fußball - und hier ist der englische Spitzenclub FC Liverpool ihr Lieblingsverein.

Ebenfalls ein Stipendium erhielt Valerie Brandt vom Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium in Bayreuth.

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