Mangersreuth
Stadtentwicklung

Kulmbacher gegen Baugebiet: Aufstand im Amselweg

Warum ein mögliches Neubaugebiet die Nachbarn auf die Palme bringt: Was plant die Stadt Kulmbach in Mangersreuth?
Artikel drucken Artikel einbetten
Bürgerprotest gegen ein mögliches Baugebiet  - die Nachbarschaft im Amselweg und in der Mangersreuther Straße will ihre blühende Wiese behalten. Foto: Stephan Tiroch
Bürgerprotest gegen ein mögliches Baugebiet - die Nachbarschaft im Amselweg und in der Mangersreuther Straße will ihre blühende Wiese behalten. Foto: Stephan Tiroch
+3 Bilder

Es lebt sich angenehm in Kulmbachs Südwesten. Im Amselweg, in der Mangersreuther Straße und im ganzen Viertel stehen gediegene Einfamilienhäuser. Ein bürgerliches Wohnquartier. Man kennt sich, und wenn sich die Nachbarn treffen, gibt es derzeit nur ein Thema: Nebenan, wo bisher blühende Wiesen waren, soll ein Baugebiet entstehen. Zwei Flurstücke, 2,3 Hektar groß, seien von der Stadt schon gekauft worden. Platz für 60 Häuser, so wird gemutmaßt.

Nichts Genaues weiß man aber nicht. Das ärgert die Leute. Wie zuvor in Höferänger und Forstlahm formiert sich auch in Mangersreuth Bürgerprotest: Aufstand im Amselweg. Neubaugebiete sind schon lange nicht mehr unumstritten.

"Getier noch und nöcher"

Aufmerksam wurde man, weil heuer etwas anders war. Es fiel auf, dass erstmals seit vielen Jahren die Wiesen wieder gemäht wurden. "Zehn Jahre lang hat keiner was gemacht", meint Friederike Barth-Kruse. "Hier gibt es Vögel und Getier noch und nöcher." Dazu zwei wertvolle Biotophecken.

Die Nachbarschaft sammelt Informationen. "Einiges ist durchgesickert", sagt Michael Reis und bedauert, dass man offiziell bisher nichts gehört hat. Er habe sich im Stadtbauamt erkundigt und erfahren, dass der betreffende Bereich im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen ist, nicht als Baugebiet. Aber Reis vermutet, "dass in der Schublade fertige Pläne liegen, die keiner kennt".

Argumente gegen eine Bebauung gibt es viele. Zunächst etwas Grundsätzliches. Denn es sei seit vielen Jahren immer gesagt worden, dass am Rande von Katzbachtal und Rotmaintal nichts mehr gebaut werde.

Besonders wichtig ist den Menschen der ökologische Wert der beiden Flurstücke. Eine Bebauung nennt Friederike Barth-Kruse "Frevel an der Natur". Reinhard Ott stellt einen Vergleich an: "In der Stadt legt man Blühflächen für 50.000 Euro an. Und hier würde ohne Not ein Biotop plattgemacht."

Gegen Flächenfraß

Für Michael Reis wäre es der Idealzustand, die Wiesen der Natur zu überlassen. Er wendet sich gegen Flächenfraß und Versiegelung und betont: "Hier wäre die Gelegenheit, sich ökologisch zu profilieren."

Neben dem Verkehr - in der Siedlung sei es jetzt schon eng - spricht Markus Wehrfritz technische Probleme der Entwässerung an. Vom möglichen Baugebiet müsse das Abwasser per Hebeanlage zur Wickenreuther Allee befördert werden. Er bezweifelt, dass der Kanal dafür ausgelegt sei. "Bei Starkregen ist es jetzt schon schwierig."

Michael Reis plädiert für eine andere Stadtplanung: Innenstadt stärken, Baulücken schließen, Natur erhalten. So, wie es auch im städtebaulichen Entwicklungskonzept (2009) empfohlen wird: "Von weiteren Neuausweisungen von Wohnbauflächen sollte im Sinne einer Innenentwicklung und vor dem Hintergrund schrumpfender bzw. stagnierender Bevölkerungszahlen abgesehen werden."

Kann man alles so sehen. Aber bisher stochern die Nachbarn im Nebel. Was plant die Stadt tatsächlich in Mangersreuth?

Kaufentscheidung einstimmig

Um die Sachlage zu erklären, muss Stadtsprecher Simon Ries ein bisschen ausholen. Im Februar 2018 habe der Stadtrat darüber beraten, wo in Kulmbach Potenzial für Bauflächen sei. "Da war diese Fläche mit dabei." Der Eigentümer sei verkaufsbereit gewesen, so Ries, und der Stadtrat habe vor einem Jahr einstimmig entschieden, die Grundstücke zu erwerben.

Er räumt ein, dass die Stadt nichts kaufe, um nichts zu machen. "Aber im Moment gibt es keine konkrete Planung. Es ist eine Option für die Zukunft, um im Hinblick auf die Entwicklung Kulmbachs Handlungsmöglichkeiten zu haben."

Andere Priorität

Es gibt laut Ries keine Garantie, dass beim Amselweg nie etwas gebaut wird. Doch im Moment liege der Fokus auf einem anderen Schwerpunkt: auf Nachverdichtung und Innenentwicklung der Stadt. Kulmbach bekomme dafür Fördergelder, und ein Fachbüro aus Gunzenhausen untersuche derzeit die Innenstadt. "Das hat Priorität."

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren