Kulmbach
Zustellungsprobleme

Kulmbacher fragen sich: Wann kommt die Post???

In Stadt und Landkreis Kulmbach bleiben immer wieder Briefkästen leer. Zum Ärger privater Haushalte, vor allem aber auch von Geschäftsleuten, die über eine mangelhafte Zustellung klagen. Nicht selten landet die Post beim Nachbarn.
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Wo bleibt die Post? Eine Frage, die sich viele Stellen, die wie Jana Schieber aus Windischenhaig den Blick in einen leeren Briefkasten werfen. Foto: privat
Wo bleibt die Post? Eine Frage, die sich viele Stellen, die wie Jana Schieber aus Windischenhaig den Blick in einen leeren Briefkasten werfen. Foto: privat

Viele Kulmbacher schauen in die Röhre. Oder besser gesagt in den leeren Briefkasten. "Bei uns ist vom 28. September bis zum 3. Oktober keine Post zugestellt worden", klagt Jana Schieber, die sechs Tage weder private Briefe noch wichtige Geschäftspost erhalten hat.

Dass die Firmenpost ausgeblieben ist, sei besonders ärgerlich, sagt die Chefin des gleichnamigen Windischenhaiger Malerfachbetriebes. Nicht nur, weil es eine Frist gibt, innerhalb der man bei rechtzeitiger Begleichung von Rechnungen Skonto abziehen kann. Auch deshalb, weil es bei Kunden wie auch Architekten schlecht ankomme, wenn man auf Anfragen nicht zeitnah reagiert, einem da sogar auch schon mal ein Auftrag durch die Lappen gehen kann.

Kein Einzelfall

"Wenn es ein Mal Probleme gibt, hat man ja noch Verständnis, aber nicht, wenn es zum Dauerzustand wird", sagt Schieber, nach deren Worten es in Windischenhaig nicht nur Ende Oktober, sondern schon von Februar bis Juni immer wieder mit der Zustellung gehapert hat.

Mit Beschwerden sei sie mehr oder weniger abgeblitzt. In der Kulmbacher Hauptstelle sei sie mit ihrem Anliegen nicht beachtet worden. Auf ein Schreiben an die Post habe sie die Antwort erhalten, dass Urlaub und eine Vielzahl an Krankheitsfällen die Verzögerungen bedingten, so Schieber, die weiß, dass die Paketzustellung Vorrang hat und in der Regel auch funktioniert, weil sonst Strafzahlungen von Großkunden wie Amazon drohten. Bei der Briefpost habe man es nicht so eilig. Schieber: "In der privaten Wirtschaft könnte man sich so was nicht leisten."

Post auch vom Gericht

Nachbarin Susanne Sesselmann ist ebenfalls Leidtragende. Sesselmann ist hauptberufliche Betreuerin und kümmert sich in dieser Funktion vielfach auch um den Schriftverkehr der von ihr betreuten Personen. Darunter ist regelmäßig Post von Gerichten und Behörden. "Da müssen Fristen eingehalten werden, die man oft aber nicht einhalten kann, wenn die Post nicht zugestellt wird."

Grund zum Klagen

Grund zum Klagen hat auch Peter Heinlein, der Geschäftsführer der Firma Heinlein und des Obi-Baumarktes sowie Aufsichtsratsvorsitzender der VR-Bank Oberfranken Mitte ist. Über eine Woche hat er weder private Schreiben noch Post der Bank an seiner Privatadresse erhalten. Die Geschäftspost wird in einem Schließfach in der Post-Hauptniederlassung hinterlegt. "Auch da fehlen aber immer wieder Rechnungen", so Edeltraud Kerl, die Mitgeschäftsführerin bei der Firma Heinlein ist.

Brief landet im fremden Briefkasten

Auch viele Landkreis-Gemeinden sind betroffen. Wie Klaus Förster mitteilt, gibt es im Thurnauer Ortsteil Limmersdorf seit zwei Jahren immer wieder Ärger. Oft komme gar keine Post, zudem landen seinen Worten zufolge Briefe im fremden Briefkasten. Jüngst sei eine für ihn bestimmte wichtige Mitteilung des Finanzamts bei der Nachbarin eingeworfen worden. "Das geht gar nicht", erklärt Förster, der die Erfahrung gemacht hat, dass Aushilfs-Zusteller oftmals überfordert seien. Nicht Krankheitsfälle, sondern ein akuter Personalmangel sei der Grund für die Post-Misere, hätten ihm Zusteller mitgeteilt. Förster hat sich inzwischen mit einer Beschwerde an die Bundesnetzagentur gewandt, die Aufsichtsbehörde der Post ist.

Post: Hoher Krankenstand

Dass ein extrem hoher Krankenstand für den Zustell-Stau in der vergangenen Woche veranwortlich war, macht Erwin Nier von der Pressestelle Süd der Deutsche Post DHL Group deutlich. Es sei teilweise drunter und drüber gegangen. Viele Aushilfskräfte seien eingesetzt worden, die in fremden Bezirken nicht selten in zeitlichen Verzug gekommen seien. Nach den zehn Stunden, die die Kollegen arbeiten dürften, sei die Zustellung eingestellt, in der Regel am darauffolgenden Tag fortgesetzt worden. Dass die Post mit einem oder zwei Tagen Verspätung im Briefkasten gelandet ist, sei möglich. "Dass es eine Woche sein soll, bezweifle ich aber."

Post: nur ein Ausfalltag

In Windischenhaig sei die Post am 28. und 30. September sowie zu Teilen auch am 2. Oktober zugestellt worden. "Am 1. Oktober hatten wir tatsächlich einen Ausfalltag", sagt Nier.

Jana Schieber wundert sich über diese Aussage. Wie sie mitteilt, werde in Windischenhaig montags nie Post zugestellt. "Am 30. September war der Briefträger deshalb definitiv nicht da." Zudem habe sie beispielsweise einen Brief der Handwerkskammer, der am 26. September abgestempelt worden ist, erst am 4. Oktober erhalten. "Und das war nicht der einzige Brief, den wir mit vielen Tagen Verzögerung bekommen haben."

Wie Post-Pressesprecher Erwin Nier weiter ausführt, sollte sich die Lage spätestens am heutigen Dienstag beruhigt haben. In den Orten im Landkreis Kulmbach, die in der vergangenen Woche von den Ausfällen am stärksten betroffen waren, habe man die Bezirke am Montag mit zwei Austrägern besetzt, um die noch ausstehenden Briefe zuzustellen.

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