Kulmbach
Urteil

Kulmbacher Fahrraddieb muss vier Monate ins Gefängnis

Das Kulmbacher Amtsgericht glaubte einem mehrfach vorbestraften Angeklagten nicht, einen Drahtesel nur gefunden zu haben.
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Wegen eines Fahrraddiebstahls stand ein 48-Jähriger vor dem Amtsgericht. Symbolfoto: Archiv
Wegen eines Fahrraddiebstahls stand ein 48-Jähriger vor dem Amtsgericht. Symbolfoto: Archiv

Wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall musste sich am Donnerstag ein 48 Jahre alter Kulmbacher vor Gericht verantworten. Alle Beteuerungen, ein Fahrrad nicht gestohlen, sondern nur gefunden zu haben, halfen nichts. Richterin Sieglinde Tettmann verurteilte den "Bewährungsversager" zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten.

Am Bahnhof angekettet

Fest stand, dass ein 15-Jähriger am 21. November 2018 sein "Ghost"-Fahrrad beim Kulmbacher Bahnhof abgestellt hatte. Der Drahtesel hatte 520 Euro gekostet und war dem Jungen lieb und teuer. Aus diesem Grund war er ganz sicher, dass er ihn ordnungsgemäß abgeschlossen hatte. Doch als der 15-Jährige abends zurückkam, war das Rad verschwunden.

Etliche Monate später fiel einem Freund des Beklauten beim Einkaufszentrum "Fritz" ein Fahrrad auf, das dem abhanden gekommenen verdächtig ähnelte. Allerdings war die Farbe verändert worden.

In Widersprüche verwickelt

Der Freund teilte seine Beobachtung der Polizei mit. Und die sorgte - gemeinsam mit der Kulmbacher Sicherheitswacht - für eine verdeckte Überwachung. Wenig später verbuchten die Beamten einen Erfolg. Der Angeklagte löste das von ihm angebrachte Schloss. Die Überprüfung ergab, dass es sich tatsächlich um das Rad des 15-Jährigen handelte.

Bei der Vernehmung verwickelte sich der Angeklagte schnell in Widersprüche. "Anfangs hat er gesagt, das Fahrrad in einem Bikeshop gekauft zu haben. Dann hat er erzählt, es von einem Freund bekommen zu haben", schilderte ein Polizist im Zeugenstand. Und schließlich räumte der Beschuldigte eingeräumt, dass es sich nicht um sein eigenes Rad handeln würde. "Er hat dann gesagt, dass er das Fahrrad auf dem Weg nach Mainleus gefunden hat", so der Polizist.

Bei dieser Version blieb der Angeklagte, der durch Rechtsanwalt Werner Brandl vertreten wurde, auch vor Gericht. Über seinn Verteidiger ließ er verlauten, dass er den Drahtesel gefunde, aber "nur" nicht abgegeben habe. Dass er das Schloss aufgebrochen und das Fahrrad auch noch umgespritzt haben könnte, wies er von sich.

Finanzieller Engpass

Der Angeklagte habe damals einen finanziellen Engpass gehabt, weil er kein Krankengeld mehr bekommen und keinen gültigen Aufenthaltstitel gehabte habe, nur deshalb habe er das Fahrrad nicht abgegeben, sagte Brandl. "Ich weiß, dass das ein Fehler war", beteuerte der Angeklagte selbst.

Die Staatsanwaltschaft ließ den Vorwurf "Diebstahl in einem besonders schweren Fall" zwar fallen. Richterin Sieglinde Tettmann verurteilte den 48-Jährigen jedoch wegen Unterschlagung zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten.

Mehrfach vorbestraft

Ein Grund für das harte Urteil: Der 48-Jährige hat bereits sechs Eintragungen im Bundeszentralregister. Tettmann machte klar, dass der Angeklagte wegen Betrugs, vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr, mehreren Diebstählen, aber auch wegen Beleidigung, Hausfriedensbruch, Beihilfe zum Diebstahl und Bedrohung durch Waffen verurteilt worden war. Zudem stand er unter Bewährung.

Aktuell habe der Mann keine Aufenthalts- und keine Arbeitserlaubnis. "Ich denke, dass eine Geldstraße nicht mehr ausreicht", sagte der Vertreter Staatsanwaltschaft.

Richterin Sieglinde Tettmann folgte dieser Einschätzung. "Ich sehe auch keine günstige Prognose", sagte sie und bezeichnete den Angeklagten als "Bewährungsversager".

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