Kulmbach
Liebe

Kulmbacher Ehepaar: Die Liebe, die ein Leben lang hält

66 Jahre verheiratet und noch immer glücklich mit dem Jawort von damals: Dafür muss es nicht rote Rosen regnen, sagen Irmgard und Kurt Dippold.
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Genauso glücklich wie auf ihrem Hochzeitsfoto wirken Kurt (90) und Irmgard Dippold (86) heute.  Barbara Herbst
Genauso glücklich wie auf ihrem Hochzeitsfoto wirken Kurt (90) und Irmgard Dippold (86) heute. Barbara Herbst
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Die große Liebe finden und für immer zusammen glücklich sein - viele träumen davon, doch nur für wenige geht dieser Traum in Erfüllung. Irmgard und Kurt Dippold sind ein solches Paar: 66 Jahre sind die beiden schon miteinander verheiratet und jeden Tag aufs Neue froh und dankbar, dass sie einander haben.

Wie haben sie das geschafft? Liest sie ihm seit Jahrzehnten jeden Wunsch von den Augen ab? Bringt er ihr jede Woche einen Blumenstrauß? Nichts von alledem. Romantische Inszenierungen und Schmeicheleien sind nicht ihr Ding. Aber Harmonie, die ist ihnen wichtig, und dass man als Paar zusammenhält, egal was kommt.

Beim zweiten Treffen alles klar

Beide sind wachechte Kulmbacher: Die junge Irmgard ist in der Pörbitsch aufgewachsen, Kurt hat mit seiner Familie in der Mittelau gewohnt. Die Freizeitmöglichkeiten für junge Leute waren in den frühen 1950-er Jahren sehr überschaubar. "Es war eine andere Zeit. Es gab nicht viele Unterhaltungsmöglichkeiten", erzählt Kurt Dippold. "Die Jugend hat sich in der Langgasse getroffen. Wir sind spazieren gegangen oder ins Kino."

Bei einem dieser Treffen hat der 22-Jährige die vier Jahre jüngere Irmgard kennengelernt. "Sie hat mir gleich gut gefallen, und beim zweiten Mal habe ich auf dem Nachhauseweg gesagt: "Ich bring dich heim."

Bei dem einen Mal ist es nicht geblieben: Von diesem Tag an betrachteten sich die beiden als Paar. Hat er sich nie für eine andere interessiert? Kurt Dippold lacht: "Ich bin Pragmatiker. Warum soll ich lang rumsuchen, wenn ich weiß: Die passt!"

Zwei Jahre später wurde es ernst: Wie es sich damals gehörte, hielt Kurt zunächst bei Irmgards Vater um ihre Hand an. Der Vater meinte: "Da musst du die Irmgard fragen." Das ließ sich der junge Mann nicht zweimal sagen. Und Irmgard? Hat sie gleich Ja gesagt? "Ja freilich", sagt sie lachend. "Das war doch klar!" Am 25. Oktober 1952 war es dann soweit: In der Petrikirche ließ sich das Paar trauen.

Was sich liebt, das neckt sich: Auf die Dippolds passt dieser Spruch. Sie ziehen einander gerne ein bisschen auf, sagen geradeheraus, was ihnen in den Sinn kommt, auch wenn es mal nicht unbedingt schmeichelhaft ist. Böse ist das nie gemeint, und gezankt wird nur selten.

"Natürlich gab und gibt es manchmal Streit, sagt Kurt Dippold. "Aber spätestens abends vor dem Schlafengehen wird das bereinigt." Sie sei früher schnell mal beleidigt gewesen und habe dann nicht mehr mit ihm gesprochen, sagt Irmgard Dippold selbstkritisch: "Dann hat Kurt immer den ersten Schritt gemacht." Das ist eine von vielen Eigenschaften, die sie an ihrem Mann schätzt.

40 Jahre waren die Dippolds weg von Kulmbach, bevor sie im Ruhestand wieder in ihre alte Heimat zogen. Der gelernte Schlosser hatte sich über den zweiten Bildungsweg zum Gas- und Rohrnetzmeister hochgearbeitet, war unter anderem in Essen und Waldershof bei Marktredwitz tätig, die gelernte Floristin arbeitete als Verkäuferin. Eigene Kinder haben sie nicht, "aber nette Nichten und Neffen, die immer ihre Ferien bei uns verbracht haben".

Wichtig: Gemeinsame Werte

Was braucht es, um bis ins hohe Alter miteinander glücklich zu sein? "Die Schmetterlinge im Bauch sind irgendwann weg. Das reicht nicht als Basis", sagt Irmgard Dippold. "Es braucht auch gemeinsame Werte, Verständnis und Vernunft. Wer die nicht hat, kriegt keine gescheite Ehe zustande", davon ist die 86-Jährige überzeugt.

"Ich höre das Wort Toleranz nicht mehr so gerne, weil es überstrapaziert wird. Aber es ist wichtig, über eigene Fehler und die des Partners hinwegsehen zu können", ergänzt Kurt Dippold. Man sollte sich darauf freuen können, nach Feierabend nach Hause zu kommen. "Ich kann von mir sagen: Ich bin mein ganzes Leben immer gern heimgekommen."

Gibt es eine schönere Liebeserklärung nach einem langen Eheleben?

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