Kulmbach
Neueröffnung

Fränkischer Edeka mit neuer Unverpackt-Abteilung: Das steckt dahinter

Der Kulmbacher Edeka hat nun eine Unverpackt-Abteilung: Nudel, Öle & vieles mehr kommen dort aus dem Spender: Was der Marktinhaber damit vor hat.
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Marktinhaber Michael Seidl füllt für Kundin Silke Ludwig ein Glas mit Pecan-Schokonüssen ab. Seit Mittwoch gibt es im Edeka eine neue Abteilung mit Unverpackt-Lebensmitteln. Die Palette reicht von Getreideflocken über Süßwaren bis hin zu Nudeln, Kaffee und Essig. Foto: Jochen Nützel
Marktinhaber Michael Seidl füllt für Kundin Silke Ludwig ein Glas mit Pecan-Schokonüssen ab. Seit Mittwoch gibt es im Edeka eine neue Abteilung mit Unverpackt-Lebensmitteln. Die Palette reicht von Getreideflocken über Süßwaren bis hin zu Nudeln, Kaffee und Essig. Foto: Jochen Nützel

Der Name klingt stark nach denglischem Marketing-Sprech: Gravity-Bin. Ein Behälter also, der die Schwerkraft nutzt - weil er kopfüber hängt. 160 solcher Spender zieren seit kurzem bei Edeka Seidl Am Goldenen Feld eine Regalwand. Die Utensilien sind sichtbares Zeichen dafür, wohin auch im Supermarkt die Reise geht: immer mehr weg von Einwegverpackungen und hin zu unverpackten Lebensmitteln, die jeder Kunde auf Wunsch in mitgebrachten Gefäßen mit nach Hause nehmen kann. Wahlweise gibt es entsprechende Mehrwegbehälter im Laden zu erwerben, sowie Zellulosebeutel, die sich sogar kompostieren ließen.

Edeka in Kulmbach: 240 Artikel im Sortiment

Für Inhaber Michael Seidl ist es "die konsequente Fortführung unserer bisherigen Nachhaltigkeitsstrategie". Und so wirbt der Kaufmann damit, dass Deutschlands größte Unverpackt-Abteilung in einem Supermarkt ab sofort in Kulmbach zu finden sei. "Wir haben recherchiert und uns umgehört. Jüngst hat ein Tegut-Markt in Fulda eine solche Abteilung eröffnet, aber in kleinerem Umfang. Und an der Schweizer Grenze gibt es einen Edeka-Markt, der fünf Regalmeter Sortiment hat. Unseres aber ist gut doppelt so groß und umfasst 240 Lebensmittel."

Dazu zählen Getreide, Nüsse, Müsli und Trockenfrüchte, aber auch Reis, Nudeln, Kaffee, Essig und Öl. Alles, was rieselfähig ist, kann aus den Hängedosierern abgefüllt werden; flüssige Lebensmittel werden aus Edelstahlbehältern gezapft. Backwaren gibt es in Gefäßen mit Zange.

Vor einem Jahr hatte Michael Seidl die Idee und begann mit den Vorbereitungen für die Unverpackt-Abteilung. "Edeka hat uns dabei unterstützt, aber wir sind selber verantwortlich für das, was in unserem Markt angeboten wird." Was die Hygiene angeht, so gelten die bestehenden Vorschriften. "Es wäre sicher schon früher möglich gewesen, Lebensmittel auf diese Art zu verkaufen - aber in einem Supermarkt sah man da nicht die Notwendigkeit. Nun aber ist Umweltbewusstsein in aller Munde. Und mit Blick auf die Verwendung von Plastik ist jeder aufgerufen, bewusster mit Rohstoffen umzugehen. Wir wollen dazu ein weiteres Zeichen setzen."

Produkte ganz ohne Verpackung?

Ganz auf Kunststoff zu verzichten, das sei derzeit jedenfalls nicht möglich. "Trotzdem ist auch hier die Ersparnis an Umverpackungen spürbar", sagt Seidl. Um "Zero Waste", also null Müll, zu erreichen, dazu müsste man in der Lieferkette weiter vorne ansetzen. Heißt: Bereits die Hersteller müssten entsprechend umstellen bei der Verpackung. "Damit aber kämpfen kleine Unverpackt-Läden genauso wie wir."

Einen solchen Laden hatte die Kulmbacherin Julia Schappert ursprünglich eröffnen wollen. Die Mittel für den "Glasvoll"-Laden sollten mittels Crowdfunding zusammenkommen. Das Projekt aber kam nicht zustande. "Es wäre in meinen Augen schlussendlich kontraproduktiv gewesen, einen eigenen Laden zu eröffnen, wenn im Edeka zur gleichen Zeit ein riesengroßes Angebot mit besseren Konditionen aufmacht", sagt sie und ergänzt: "Ich finde es sehr gut, was Herr Seidl auf die Beine gestellt hat. Natürlich kann man dies nicht mit einem kleinen gemütlichen Unverpackt-Laden vergleichen, aber es gibt nun die Möglichkeit, in Kulmbach verpackungsfrei einzukaufen. Ich hoffe, dass viele Menschen dieses Angebot auch nutzen!"

Bayreuth steht in den Startlöchern

In Bayreuth plant eine Initiative den Start eines Vereins namens "Hamsterbacke". Dabei handelt es sich um eine Gruppe um Simon und Laura Pöschl-Kehry. Der Verein arbeite mit dem Transitionhaus zusammen, das derzeit noch auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist. Simon Pöschl-Kehry schwebt vor, das Café des Transitionhauses und den Unverpackt-Laden unter einem gemeinsamen Dach zu realisieren. Der Verein wolle möglichst viele Produkte von Bauern aus der Umgebung beziehen und sucht Erzeuger für eine Kooperation. Der Laden selber soll sich, so sieht es da Konzept vor, ausschließlich über Mitgliedsbeiträge finanzieren und arbeite nicht gewinnorientiert.

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