Kulmbach
Gericht

Kulmbacher Brandstifter: Dümmer, als die Polizei erlaubt

Das Trio brach auch mehrere Parkscheinautomaten auf - und vergaß einmal sogar die Beute.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nachdem das Trio den  Kassenautomaten im Kaufplatzparkhaus in Kulmbach aufgebrochen hatte, suchten die Täter das Weite -  und vergaßen die Beute. Symbolbild: Werner Baier
Nachdem das Trio den Kassenautomaten im Kaufplatzparkhaus in Kulmbach aufgebrochen hatte, suchten die Täter das Weite - und vergaßen die Beute. Symbolbild: Werner Baier

Schwere Jungs stellt man sich anders vor. Was den Kulmbacher Brandstiftern - hier der Bericht vom ersten Prozesstag - vorgeworfen wird, hört sich zwar heftig an: Diebstahl, Diebstahl mit Waffen und Sachbeschädigung sowie Brandstiftung und schwere Brandstiftung. Aber bei ihrer gesamten Vorgehensweise waren die drei Bürschla im Alter von 18, 20 und 21 Jahren an Stümperhaftigkeit fast nicht zu übertreffen.

Brandserie an Ostern

Vor der Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth müssen sie sich unter anderem für eine spektakuläre Brandserie verantworten, die Kulmbach über die Osterfeiertage in Atem hielt. Dabei ging auch ein Holzrückezug beim "Waldschlössla" (Gemeinde Ködnitz) in Flammen auf, und das Einzelanwesen Wehrhaus bei Unterdornlach wurde schwer beschädigt.

Wie sich am zweiten Prozesstag herausstellte, ist das Trio für eine Reihe weiterer Straftaten in Kulmbach verantwortlich: Vandalismus in Parkhäusern, Aufbruch von Parkschein- und Zigarettenautomaten sowie der Münzferngläser auf der Plassenburg.

Kraut erst richtig fett gemacht

Aber Reichtümer erbeuteten die Angeklagten, die die Vorwürfe weitgehend einräumen, nicht. Beim Kassenautomaten im Kaufplatzparkhaus vergaßen sie sogar die Beute. Anschließend klauten sie Positionsleuchten, wie sie an Baumaschinen oder Müllfahrzeugen angebracht sind, die sich praktisch nicht verkaufen lassen. Und dann kamen die drei Spezialisten auf die Idee, die Tatorte anzuzünden, um die Spuren ihres kleinkriminelles Treibens zu verwischen. Damit machten sie das Kraut erst richtig fett.

Was würde der Volksmund dazu sagen? Dümmer, als die Polizei erlaubt.

Geheimtipp Nutella

Die Jugendkammer mit dem Vorsitzenden Michael Eckstein hörte am Montag die Eigentümerin des denkmalgeschützten Einzelanwesens Wehrhaus, das sie 1980 gekauft ("war eine Ruine") und mit großem Aufwand saniert hatte. Sie habe, so die Zeugin, am Karsamstag noch die Mausefallen mit Nutella ("ein Geheimtipp") bestückt. Im Haus sei alles in Ordnung gewesen, "dann sind wir in Urlaub gefahren". In der Schweiz hätten sie und ihr Mann anderntags die Nachricht von der Brandstiftung bekommen und seien gleich wieder heimgefahren.

Für die Zeugin war es schwer, die Bilder von der Brandnacht anzuschauen. "Schlimm, es ist ein Jammer", meinte sie. Den Schaden bezifferte sie auf 40.000 Euro. Das Nebengebäude sei total abgebrannt und werde nicht mehr aufgebaut. Die Schäden am Wohnhaus seien reparabel.

"Das fragen wir uns auch"

Zum Entschuldigungsbrief der Brüder, die das Anwesen angesteckt hatten, sagte sie: "Es ist nicht so, dass ich ihnen was Böses will. Aber es ist nicht mehr gutzumachen. Warum tut man so was?" Darauf der Richter: "Das fragen wir uns auch die ganze Zeit."

Der dritte Angeklagte (21), der angeblich keinerlei Erinnerung mehr hat und in der Psychiatrie untergebracht ist, zeigte sich zerknirscht. Kleinlaut sagte er: "Es tut mir leid."

Die Einlassungen der Angeklagten, dass das Gebäude unbewohnt erschien, widerlegte ein Kriminalkommissar, der am Brandort war: "Es war gut in Schuss." Sein Eindruck sei gewesen, dass es sich um ein Wochenendhaus handelt.

In der Videofalle

Drei Wochen vor der Brandserie hatte die Polizei die Angeklagten schon einmal festgenommen. Wegen wiederholten Vandalismus im Kaufplatzparkhaus - unter anderem wurden dort mehrmals Feuerlöscher versprüht - installierte die Polizei eine Überwachungskamera am Kassenautomaten. Und wer ging in die Videofalle? Unser Trio - und nicht nur einmal.

Die Burschen hätten das Objekt um 9 und um 10 Uhr zweimal in Augenschein genommen, berichtete ein Kulmbacher Polizeibeamter. Um 13 Uhr seien sie mit einem silbernen Mazda vorgefahren. Der ältere Bruder (20) habe sich - alles fein säuberlich auf Video dokumentiert - mit Akkubohrer und anderem Werkzeug am Kassenautomaten zu schaffen gemacht, während seine zwei Komplizen Schmiere standen.

Warum sie um 16 Uhr noch mal aufgetaucht seien, wollte der Richter wissen. "Wir hatten zuerst nur das Wechselgeld mitgenommen. Den Behälter mit der Hauptbeute hatten wir vergessen", gab der Panzerknacker zu, der seit 2. April in Untersuchungshaft sitzt.

"Massiv gezittert"

Die Kulmbacher Polizei führte bei den Verdächtigen Hausdurchsuchungen durch und stellte 1153,55 Euro von den Aufbrüchen sicher. Beide Wohnungen hätten "ziemlich chaotisch" ausgesehen, so der Zeuge. Sorgen habe er sich um den 21-Jährigen gemacht: "Er hat massiv gezittert. Ich habe gedacht, dass er umkippt."

Immerhin gab es am Montag Rabatt beim Gesamtschaden, der nicht bei 400.000, sondern bei 270.000 Euro liegt. Der Harvester ist nur mit 200.000 Euro anzusetzen, und ein Nutzungsausfall entstand nicht.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren