Kulmbach
Uni-Fakultät

"Kulmbacher Campus muss mitten in die Stadt"

Die Suche nach dem Uni-Standort gestaltet sich schwierig. Simon Ries von der Stadt spricht über die Verhandlungen mit der Brauerei, die 1a-Lösung und den Plan B. Und erklärt, warum kostspielige Planungen erfolgen, obwohl nicht klar ist, wo der Campus entsteht.
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So könnte sich der Universitäts-Campus nach Vorstellungen des Planers in das Kulmbacher Stadtbild einfügen. Grafik: Archiv/Büro Schirmer
So könnte sich der Universitäts-Campus nach Vorstellungen des Planers in das Kulmbacher Stadtbild einfügen. Grafik: Archiv/Büro Schirmer
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Wo wird der Uni-Campus gebaut? Warum präsentiert die Stadt Kulmbach einen Planungsentwurf, obwohl die Grundstücksverhandlungen zwischen der Kommune und der Brauerei nach wie vor stocken. Fragen, die der Pressesprecher der Stadt, Simon Ries, im Interview beantwortet. Ende Januar hat ein Stadtplaner aus Würzburg im Stadtrat vorgestellt, wie der Uni-Campus auf dem Güterbahnhofs-Areal verwirklicht werden soll. Die dafür notwendigen Grundstücke sind zum Teil aber noch im Besitz der Kulmbacher Brauerei. Warum wurde das Projekt präsentiert, obwohl der Standort noch auf sehr wackeligen Füßen steht? Simon Ries: Der Entwurf wurde auf Vorgabe des Freistaats Bayern als sogenannter städtebaulicher Rahmenplan erarbeitet. Dieses Verfahren sieht zwingend eine Information des Stadtrats und der Öffentlichkeit vor. Dem sind wir in der Sitzung vom 31. Januar nachgekommen. Im Übrigen ist der Campus ja ein Projekt, das die Kulmbacherinnen und Kulmbacher interessiert und bewegt. Unserer Auffassung nach haben die Menschen auch ein Recht darauf, zu erfahren, wie weit wir sind und wo es eventuell noch hakt.

In der Öffentlichkeit wird kritisiert, dass die Stadt, ohne im Besitz der notwendigen Flächen zu sein, weitreichende und kostenintensive Planungen vorgenommen hat. Würde das Projekt nicht auf dem Güterbahnhofsareal realisiert, hätte man Steuergelder verschleudert. Was sagen Sie zu dem Vorwurf? Der Rahmenplan hatte die Aufgabe, grundsätzlich zu klären, ob und wenn ja wie die verschiedenen Interessen dort zusammengebracht werden können. Er ist die Basis für alles Weitere. Der Freistaat ist Bauherr der Universität. Ohne eine derartige Vorprüfung hätte er die Flächen ohnehin nicht erworben. Insofern war dieser erste Schritt eine Vorgabe, über die wir uns gar nicht hätten hinwegsetzen können. Im Übrigen übernimmt der Freistaat deshalb auch 90 Prozent der Kosten für den Rahmenplan. Die Stadt Kulmbach hat einen Eigenanteil von 14 000 Euro.

Die Brauerei, mit der sich die Stadt Kulmbach bis dato nicht einigen konnte und die sich mit eigenen Aussagen zurückhält, braucht das Areal offenbar, um selbst bauliche Erweiterungen vornehmen zu können. Ein aus Ihrer Sicht nachvollziehbarer Grund für die offenbar nicht allzu große Verkaufsbereitschaft des Unternehmens? Alle Überlegungen zum Güterbahnhof seit Mai 2017 wurden in Abstimmung mit der Brauerei durchgeführt. Nun geht es um inhaltliche Details, ob und in welcher Form sich das Vorhaben realisieren lässt. Dabei ist nicht nur die Eigentumsfrage zu klären. Es geht auch um technische Voraussetzungen, zum Beispiel, was die Verlegung des Weißen Mains, die Ausgleichsflächen für Flora und Fauna und die Altlastensanierung betrifft.

Da ja rund ein Drittel der Güterbahnhofsflächen der Stadt Kulmbach gehören, hat es zudem für beide Seiten etwa bei der Verkehrsanbindung Vorteile, wenn man eine gemeinsame Lösung anstrebt und nicht jeder für sich plant. Oberbürgermeister Henry Schramm hat beim politischen Aschermittwoch erklärt, dass die Uni auf dem Güterbahnhof die 1a-Lösung wäre, man sich aufgrund der zähen Verhandlungen aber auch nach einem Plan B umschauen müsse. Wäre der Campus auf dem Kaufplatz- und Spinnereiareal nicht auch eine 1a-Lösung, zumal man bereits bebaute Flächen nutzen könnte und keine weitere Versiegelungen durch Neubauten vornehmen müsste? Die Universität favorisiert die Lösung Güterbahnhof, deswegen werden wir diese Bemühungen auch weiterhin konstruktiv unterstützen. Andererseits wäre es fahrlässig, wenn wir uns nicht auch mit Alternativen beschäftigen, so, wie es Unternehmen ja auch tun. Wichtig für uns ist, dass die Uni ins Herz und nicht vor die Tore der Stadt kommt, damit die Studenten unsere Innenstadt beleben.

Das Kabinett hat für die Uni-Fakultät 136 Millionen freigegeben, die in den nächsten fünf Jahren investiert werden können. OB Schramm hat erklärt, dass die Gefahr droht, dass Gelder, die nicht zeitnah abgerufen werden, in andere Kommunen fließen. Gibt es einen Zeitraum, in dem mit dem Bau des Campus begonnen werden muss? Fakt ist: Wir sollten schnell sein. Schon 2020 sollen ja die ersten Studenten nach Kulmbach kommen. Wo werden die unterrichtet? Wie lange wird die Uni ohne den Neubau auskommen? Campus-Bau und Uni-Start sind unabhängig voneinander. Von Anfang an war klar, dass die erste Zeit mit Interimslösungen überbrückt werden muss. Wir als Stadt unterstützen die Uni dabei und haben mehrere Tausend Quadratmeter in städtischen Gebäuden angeboten - unter anderem auf dem Spinnereigelände, VHS, etc.. Was davon zum Tragen kommt, entscheiden Universität und Freistaat. Wir stehen immer bereit, um konstruktiv zu helfen.

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