Kulmbach
Gastkonzert

Kulmbacher Bürgermeister ersingen 5000 Euro in Rothenburg

Sechs Bürgermeisterchöre trafen sich in Rothenburg ob der Tauber. In der St.-Jakobs-Kirche ersangen sie 5000 Euro für eine Schule in Tansania.
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Der Kulmbacher Bürgermeisterchor bei seinem umjubelten Auftritt in der Rothenburger St.-Jakobs-Kirche. Franz Winter
Der Kulmbacher Bürgermeisterchor bei seinem umjubelten Auftritt in der Rothenburger St.-Jakobs-Kirche. Franz Winter

Wie toll es klingt, wenn sich über 150 Männerstimmen erheben und gemeinsam die deutsche Version des berühmten schottischen Volkslieds "Amazing Grace" intonieren, erlebten Hunderte von Zuhörern auf dem Marktplatz in Rothenburg ob der Tauber. Das Besondere: Bei den Interpreten handelte es sich ausschließlich um noch aktive oder ehemalige Bürgermeister.

Das Konzert vor prächtiger Kulisse auf den Rathaustreppen bildete den krönenden Abschluss eines ersten internationalen Bürgermeisterchortreffens - mitten drin der vor zwölf Jahren anlässlich des 50. Geburtstags von Landrat Klaus Peter Söllner gegründete Klangkörper aus dem Landkreis Kulmbach.

Ein Experiment

Nicht weniger als sechs Bürgermeisterchöre waren für zwei Tage nach Rothenburg gereist: fünf bayerische aus den Landkreisen Ansbach, Landshut, Ostallgäu, Rosenheim und Kulmbach sowie die singenden Gemeindeoberhäupter aus Südtirol. Das Benefizkonzert in der überfüllten St.-Jakobs-Kirche war ein Experiment, noch nie hatte es Vergleichbares gegeben. Denn regelmäßige Singstunden pflegt keiner der teilnehmenden Chöre, auch öffentliche Auftritte sind eher selten, Konzerte gar die absolute Ausnahme.

Umso erstaunlicher war das gesangliche Niveau. Besonders der gastgebende, rund 50 Mann starke Chor aus Ansbach imponierte mit seinem mehrstimmigen, unter die Haut gehenden Gesang. Kein Wunder, dass die Ansbacher sogar schon mehrere CDs aufgenommen und damit rund 150 000 Euro für gute Zwecke eingespielt haben.

Stürmischer Applaus

Imposant auch die Kommunalpolitiker aus Südtirol, die gleich in drei Sprachen aufhorchen ließen. Sie schmetterten ihre Heimatlieder auf deutsch, italienisch und ladinisch.

Doch auch der mit 26 Männern und Doris Leithner-Bisani angereiste Bürgermeisterchor aus dem Landkreis Kulmbach brauchte sich nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Er erntete für seine Darbietungen stürmischen Applaus nicht nur der mitgereisten Frauen.

Die Akteure um Chorleiter und Keyboarder Reinhard Holhut hatten im Vorfeld mehrere Sonderproben eingelegt - und die Mühen lohnten sich. Erstmals sogar zweistimmig brachte das Ensemble die drei Stücke "Der alte Schäfer", "Franken ist mein Heimatland" und - passend zur Umgebung - "Schwarze Madonna" zu Gehör.

Beim Festabend ließen die Kulmbacher dann in der Reichsstadthalle noch das von Ingeborg Degelmann verfasste Lied "Wie spät is auf der Wertshausuhr?" und den "Fränkischen Biermarsch" folgen.

Wenn Landräte strammstehen

Zu Letzterem erzählte Siegfried Decker noch eine Anekdote. Als der Bürgermeisterchor vor einiger Zeit beim Landkreistag in Kulmbach dieses Lied zur Melodie der Bayernhymne angestimmt habe, hätten alle Landräte wie auf Kommando strammgestanden.

Decker, der wie stellvertretender Landrat Dieter Schaar die Grüße und kleine Geschenke des Landkreises Kulmbach überbrachte, erinnerte aber auch an der Konzert der Kulmbacher Gemeindeoberhäupter mit Chorleiter-Legende Gotthilf Fischer auf der Trebgaster Naturbühne.

Meistertrunk im Rathaus

Zum zweitägigen Programm im spätsommerlichen Rothenburg gehörten auch ein Stadtrundgang für die Begleiterinnen und ein Empfang bei Oberbürgermeister Walter Hartl im Rathaus, bei dem der berühmte Meistertrunk nicht fehlen durfte. Auch der Ansbacher Landrat Jürgen Ludwig hieß die Kommunalpolitiker aus nah und fern herzlich willkommen.

Durch das Programm des Benefizkonzerts in der St.-Jakobs-Kirche führte locker und charmant der Vorsitzende des gastgebenden Chors und Bürgermeister aus Landfurth, Klaus Miosga. In der Reichsstadthalle gab er später unter großem Beifall bekannt, dass im Gotteshaus rund 5000 Euro an Spenden eingelegt wurden, die für einen Schulbau im Rothenburger Partnerdekanat Hai in Tansania verwendet werden sollen.

Weitere Treffen möglich

Zu fortgeschrittener Stunde wurde immer deutlicher, dass es nicht bei einer einmaligen Veranstaltung bleiben soll. Neben Landshut und Südtirol boten sich auch die Kulmbacher als Gastgeber eines weiteren Treffens an.

Auf der Heimfahrt zeigte sich Erhard Hildner begeistert von den Erlebnissen. Viele Kontakte seien geknüpft, Freundschaften geschlossen worden. Der Kulmbacher Bürgermeisterchor sei bereit für internationale Auftritte, so Hildner.

Sein besonderer Dank galt Reinhard Holhut, der den Wochenendtrip perfekt vorbereitet hatte.



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