Kulmbach
Gericht

Schwere Brände in Kulmbach: Wie drei junge Männer zu Brandstiftern wurden

Das Trio wurden am Freitag zu Haftstrafen verurteilt: Die Taten werden ihnen nachhängen bis ins hohe Alter.
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Wurde von den Brandstiftern abgefackelt: das Nebengebäude des Einzelanwesens Wehrhaus bei Unterdornlach. Allein der Schaden dort:  40.000 Euro. Archiv/News5
Wurde von den Brandstiftern abgefackelt: das Nebengebäude des Einzelanwesens Wehrhaus bei Unterdornlach. Allein der Schaden dort: 40.000 Euro. Archiv/News5
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Sie waren Außenseiter und hatten keine Freunde. Sie suchten Anerkennung. Deshalb taten sie sich zusammen - und bekamen mehr öffentliche Aufmerksamkeit, als ihnen lieb war. Auch die Polizei interessierte sich für die drei jungen Kerle, die sich vorher nie strafbar gemacht hatten: Aus ihnen wurden die Kulmbacher Brandstifter.

In der Osterwoche legten sie ein Feuer nach dem anderen. Unter anderem ging beim "Waldschlössla" (Ködnitz) ein Harvester in Flammen auf - Schaden über 200.000 Euro, und das Einzelanwesen Wehrhaus bei Unterdornlach (Bild) wurde schwer beschädigt. Am Freitag wurden sie von der Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth wegen einer beispiellosen Straftatenserie - neben Brandstiftung auch Diebstahl, Diebstahl mit Waffen und Sachbeschädigung - zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger waren sich einig, dass bei den 18, 20 und 21 Jahre alten Angeklagten die Voraussetzungen erfüllt sind, um sie als Heranwachsende nach dem Jugendstrafrecht abzuurteilen. Damit sollen die Weichen gestellt werden, dass ihre kriminelle Karriere hier endet.

Eckstein stellte fest, dass die Schwere der Schuld gewaltig sei. Die Straftaten müssten wie ein Kick gewirkt haben, dass sie immer weitergemacht hätten. "Die Folgen sind desaströs. Die Taten werden Ihnen nachhängen bis ins hohe Alter", sagte der Richter. Die Schadenssumme von 270.000 Euro - macht für jeden 90.000 Euro - sei horrend.

Geständnis machte sich bezahlt

Einem der Brandstifter war die Erleichterung gestern förmlich anzusehen: dem jüngsten Angeklagten. Er atmete tief durch, als Vorsitzender Richter Michael Eckstein verkündete: "Zwei Jahre Jugendstrafe mit Bewährung." Ihm wurde angerechnet, dass er, während sein älterer Bruder und der dritte Täter zunächst mauerten, als Erster ein volles Geständnis ablegte.

Ihm wurde zur Auflage gemacht, dass er in der dreijährigen Bewährungszeit gewissenhaft seinen Beruf ausübt. Er müsse alles tun, damit er seine Arbeit behält, und monatlich 200 Euro Schadenersatz leisten.

Mitglied bei der Feuerwehr

Der 18-Jährige erklärte sogleich, dass er das Urteil annimmt. Seine Kumpane zogen wenig später nach. Sein älterer Bruder, dem die größte Tatbeteiligung nachgewiesen worden war, kassierte mit dreieinhalb Jahren die höchste Strafe. Dem 20-Jährige, der früher Mitglied bei der Feuerwehr war, wurde angekreidet, dass er eine geladene Schreckschusswaffe am Mann trug.

Besonders auf den ältesten Angeklagten, der zur drei Jahren Haft verurteilt wurde, soll erzieherisch eingewirkt werden. Nachdem bei ihm zwar eine verminderte Schuldfähigkeit, aber keine schwere psychische Störung festgestellt worden sei, wurde Haftbefehl erlassen. Er wird vom Bezirkskrankenhaus in die JVA verlegt.

Die Urteile sind rechtskräftig. Staatsanwalt Julius Klug verzichtete ebenfalls auf Rechtsmittel.

Sein letzter Kulmbacher Fall

Der Prozess gegen die drei Brandstifter war sein letzter Kulmbacher Fall. Nach 15 Jahren als Vorsitzender der 1. Strafkammer am Landgericht Bayreuth geht Richter Michael Eckstein am Jahresende in Pension.

Sein spektakulärstes Verfahren aus Kulmbacher Sicht: Er verurteilte 2005 den Mörder von Melanie P. (16), die 1993 mit 40 Messerstichen umgebracht worden war. Den Täter konnte man erst Jahre später überführen, als er 2004 wieder gemordet hatte: Der Pfleger erstach seine Nichte Julia (14) aus Untersteinach.

2015/16 leitete der Vizepräsident des Landgerichts den Mammutprozess gegen einen Geschäftsmann aus dem Ruhrgebiet, der vom Vorwurf freigesprochen wurde, seine im Landkreis Kulmbach lebende Tochter jahrelang vergewaltigt zu haben. Der 65-jährige Richter hatte es hier mit einem streitbaren Verteidiger zu tun: Johann Schwenn, der durch die Verteidigung von Wettermoderator Jörg Kachelmann überregional bekannt wurde. Der Hamburger Staranwalt konnte Eckstein nicht aus der Ruhe bringen, der auch der Richter im Peggy-Prozess war und Ulvi K. im Wiederaufnahmeverfahren freisprach.

"Fair und weise"

Ecksteins unprätentiöse Art, seine Verfahren zu leiten, haben ihm Respekt eingebracht - nicht nur bei den Kollegen. So bescheinigte ihm Rechtsanwalt Werner Brandl aus Kulmbach im aktuellen Fall, "immer sehr fair und weise geurteilt zu haben".

Der Bayreuther Rechtsanwalt Johannes Driendl prägte gar den Begriff der Herz-Jesu-Kammer - und drückte damit aus, dass hier ein Menschenfreund in der Richterrobe sitzt. Ein Vorsitzender der Strafkammer, der - neben dem Respekt vor Opfern und Angehörigen - auch dem Täter mit Respekt begegnet. Nicht selten, dass es für den Angeklagten einen guten Rat gab, wie sein weiteres Leben aussehen sollte.

Heiße Höschen verboten

Im Gegenzug kann Eckstein Respektlosigkeit nicht leiden und schickte schon mal eine Zeugin aus dem Saal, die mit knappen T-Shirt und heißen Höschen erschienen war. Neben der Würde des Gerichts fühlte sich der renommierte Jurist auch der Transparenz verpflichtet: Es gab immer wieder Erklärungen für die Zuhörer im Saal, warum die Kammer dies oder jenes tut.

Ecksteins Nachfolger wird Bernhard Heim. Der Richter, der derzeit noch am Landgericht Hof tätig ist, kehrt nach Bayreuth zurück.



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