Kulmbach
Bildung

Kulmbacher Berufsschüler haben Fragen an die Politik

Schüler der Hans-Wilsdorf-Berufsschule wollten herausfinden, welche politischen Themen für junge Leute interessant sind. Sie haben im Nachgang zur Veranstaltung "Geh' wählen" Fragebögen verteilt und ausgewertet.
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Patrick Krasser, Vera Pohl, Thomas Kruse, Dominik Träger und Dennis Täuber (von links) präsentieren die Ergebnisse ihrer Umfrage, mit der sie herausfinden wollten, ob sich ihre Mitschüler für Politik interessieren. Foto: Dagmar Besand
Patrick Krasser, Vera Pohl, Thomas Kruse, Dominik Träger und Dennis Täuber (von links) präsentieren die Ergebnisse ihrer Umfrage, mit der sie herausfinden wollten, ob sich ihre Mitschüler für Politik interessieren. Foto: Dagmar Besand
Jugendliche interessieren sich nicht für Politik. Dieses pauschale Urteil ist ebenso verbreitet wie falsch. Die Schüler der Klasse HTE 10 der Hans-Wilsdorf-Berufsschule wollen das beweisen und haben sich deshalb im Rahmen ihres Deutschunterrichts mit Lehrerin Ilona Konrad ein Projekt ausgedacht, das sie in ihrer Freizeit weiterverfolgt haben.

Sie haben ihre Mitschüler im Beruflichen Schulzentrum zu ihrem politischen Interesse befragt: Wo kommen sie mit Politik in Berührung? Dürfen sie schon wählen, und haben sie kürzlich bei der Kommunalwahl von diesem Recht Gebrauch gemacht? Fühlen sie sich ausreichend informiert? Welche Art politische Veranstaltung ist für sie attraktiv?

380 Fragebögen haben die Schüler der Schreiner-Klasse ausgewertet, verteilt auf alle Jahrgangsstufen und Fachrichtungen des Beruflichen Schulzentrums.

Anlass der Fragenbogenaktion war eine Veranstaltung unter dem Motto
"Geh' wählen!", zu der die Bayerische Rundschau und der Kreisjugendring wenige Tage vor der Kommunalwahl im März mehrere Schulen eingeladen hatten. Einige Klassen der Berufsschule, unter ihnen auch die 10. Klasse der Schreiner, waren zu der Diskussionsrunde in die "Alte Spinnerei" gekommen, bei der Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) und Landrat Klaus Peter Söllner (FW) erzählten, was Politik lokal bewegen kann. Die Diskussion wollte damals nicht recht in Gang kommen. Mangelndes Interesse? Nein, sagt Schülerin Vera Pohl, sondern "für uns eher die falsche Art Veranstaltung".

Am liebsten mit jungen Politikern

Die 20-Jährige und ihre Mitschüler Dennis Täuber, Thomas Kruse, Patrick Krasser und Dominik Träger haben die Ergebnisse ihrer Befragung der Bayerischen Rundschau vorgestellt und machen damit klar, dass sie mitreden wollen - und auch mitreden können. Statt einer Podiumsdiskussion mit einem politischen Rundumschlag wünschen sie sich intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen, die sie unmittelbar betreffen - und das am liebsten mit jungen Politikern: "Da hat man einfach weniger Hemmungen, nachzufragen und seine Meinung zu sagen", meint Dennis.

Ein Thema dafür hätte der 17-Jährige aus der Gemeinde Himmelkron auch schon: Die Energiepolitik und die geplante Gleichstromtrasse beschäftigen ihn sehr. "Aber es ist wirklich schwer, an umfassende und verständliche Informationen zu kommen."

Thomas Kruse würde mit Politikern gerne einmal intensiv über den Internet-Ausbau diskutieren. "Warum gibt es in Kulmbach nicht überall gleich gute Verbindungen? Meine Freunde, die nur ein paar Straßen entfernt wohnen, haben schnelleres Internet als ich. Das ist ärgerlich."

Das gleiche Problem beschäftigt auch Dominik: "Bei uns in Trebgast hat auch nicht das ganze Dorf schnelles Internet. Dabei sind doch viele darauf angewiesen." Dominik hat aber auch Lob für die Politik: "Ich bin bei den Modellfliegern, und wir werden vom Landkreis und von der Stadt gut unterstützt."

Vera interessiert nicht nur, was die Kommunalpolitiker tun, sondern auch die EU-Politik, insbesondere bezüglich der Wirtschaftsbeziehungen zu den USA. "Ich finde, das ist ein spannendes Thema, und wüsste gerne mehr über die Zusammenhänge."

Wie muss eigentlich ein Politiker auftreten, um junge Leute zu erreichen? Die fünf Schüler haben da sehr ähnliche Wünsche: "Er muss klare Positionen vertreten und verständlich erklären, was er will." Wer nur sein Wahlprogramm abspult, schreckt die Jugend ab, wer sich auf Diskussionen auf Augenhöhe einlässt, weckt Lust darauf, eigene Ideen einzubringen.

Dass nicht nur die Schreiner-Klasse politisch interessiert ist, zeigen die Antworten ihrer Mitschüler auf den Fragebögen. Etwa die Hälfte der Befragten ist zwischen 15 und 18 Jahre alt, die andere Hälfte zwischen 19 und Mitte 20. Mit knapp 29 Prozent stufen sich vor allem die Schüler der FOS 13 als politisch "sehr interessiert" ein. Bei den zehnten Klassen der Berufsschule sind es immerhin knapp 16 Prozent. Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss, Abitur oder einer vorausgehenden Berufsausbildung zeigen sich stärker interessiert an politischen Fragen als junge Leute mit Hauptschulabschluss.

Wo wird Interesse geweckt?

97 befragte waren zur Kommunalwahl bereits mindestens 18 Jahre alt und damit wahlberechtigt, stolze 75 Prozent davon sind tatsächlich auch wählen gegangen. Bei einer Gesamtwahlbeteiligung bei der Landratswahl von rund 61 Prozent ist das eine vergleichsweise hohe Quote. "Das hat mich positiv überrascht", sagt Vera Pohl. Die 20-jährige hatte mit einer unterdurchschnittlichen Quote gerechnet.

Wenn es darum geht, politisches Interesse zu wecken, kommt bei den Schülern des Beruflichen Schulzentrums den Medien große Bedeutung zu. 136 Befragte gaben an, dass ihr Interesse durch die Medien geweckt wird. Viele nutzen infranken.de, zu der auch die Bayerische Rundschau gehört, um sich aktuell zu informieren.

Darüber hinaus spielt das Elternhaus eine wichtige Rolle: 101 Schüler entschieden sich für diese Antwort. Immerhin 71 gaben an, die Schule habe ihr politisches Interesse geweckt, nur 25 behaupten das von politischen Veranstaltungen.

Unterrichtsthema sind Wahlen in allen Schulen. Und hier findet die politische Bildung seitens der Schüler die größte Akzeptanz. Nur 18 Prozent sind bereit, politische Veranstaltungen in ihrer Freizeit zu besuchen, aber 94 Prozent finden sie während der Schulzeit sinnvoll, "und das nicht nur, weil in dieser Zeit anderer Unterricht ausfällt". Zusammenhänge zu verstehen, fällt leichter, wenn man das Thema im Unterricht vor- und nachbesprechen kann. Darin sind sich die Schüler einig.
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