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Kulmbacher Bahnhof: "Man kommt sich verarscht vor"

Die Stadt wünscht sich einen Umbau des Bahnhofs, die Region eine Elektrifizierung der Oberfranken-Achse. Aber Zusagen gibt es keine.
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Was tut sich am Kulmbacher Bahnhof? Erst mal nichts.Foto: Katrin Geyer
Was tut sich am Kulmbacher Bahnhof? Erst mal nichts.Foto: Katrin Geyer
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Oberbürgermeister Henry Schramm ist sauer. Sehr sauer. Das zeigt sich in seiner Wortwahl, die sonst - zumindest in der Öffentlichkeit - so drastisch nicht ausfällt: "Seit 16 Jahren bin ich mit dem Bahnhof befasst. Es gibt keinen Abgeordnete, der nicht eingeschaltet war. Nun hören wir, dass die Bahn in Bayern weitere 100 Bahnhöfe ausbauen will - und Kulmbach ist wieder nicht dabei. Da kommt man sich doch verarscht vor!"

Schramms Ärger ist nachvollziehbar. Eine gute Stunde lang haben er und Landrat Klaus Peter Söllner und Vertreter der Städte Hallstadt und Bad Staffelstein und der Gemeinden Zapfendorf und Breitengüßbach mit Klaus-Dieter Josel, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Bayern, im Rathaus darüber gesprochen, wo es hakt auf den Strecken und Bahnhöfen der Region.

Blitz-Pressegespräch

Der Gesprächsrunde folgt ein Pressegespräch. Zwölf Minuten dauert das. So kurz war wohl noch nie ein Pressegespräch im Rathaus. Aber der Gast aus München hat einen Anschlusstermin und muss dringend zum Zug. Zwölf Minuten reichen allerdings auch vollkommen aus, um mitzuteilen, dass es nichts Neues gibt. An den Zuständen auf dem Kulmbacher Bahnhof wird sich so schnell nichts ändern. Und auch die Elektrifizierung der Oberfranken-Achse wird bis auf weiteres ein Wunsch mit nur geringen Chancen auf Erfüllung bleiben.

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Emmi Zeulner, Bundestagsabgeordnete der CSU, der man großes verkehrspolitisches Engagement bescheinigen kann, versucht zu beschwichtigen. Der Vertreter der Bahn könne gar nicht entscheiden, welche Maßnahmen umgesetzt werden. Vielmehr sei es in dem Gespräch darum gegangen, dass man Josel ("Ein wichtiger Verbündeter") sensibel machen wollte für das, was sich die Kommunen in der Region wünschen - verbunden mit der Hoffnung, dass sich dies positiv bei den demnächst anstehenden Beratungen zum Bundeshaushalt niederschlagen werde.

In den Koalitionsverhandlungen sei seinerzeit beschlossen worden, 1000 deutsche Bahnhöfe barrierefrei umzubauen. "Umgesetzt wurde noch nichts", sagt Zeulner. Und: "Es pressiert jetzt." Es sei höchste Zeit, Geld in den Haushalt einzustellen. "Man weiß ja schließlich nicht, wie lange die Große Koalition noch hält."

Vorgetragen haben die Vertreter der Kommunen dem Bahn-Bevollmächtigten auch ihr Anliegen, die sogenannte Oberfranken-Achse zu elektrifizieren. Die Maßnahme sei nicht im vordringlichen Bedarf gelistet, berichtet die Abgeordnete. "Da müssen wir den Druck erhöhen." Später erläutert sie noch, dass die Tatsache, dass die Brücke der Ortsumgehung Untersteinach über die Bahnstrecke ursprünglich zu niedrig dimensioniert worden sei, keine Rolle mehr spiele: "Wenn die Elektrifizierung kommt, können wir die Gleise dort tiefer legen."

Was man sich in der Region noch wünscht: Ein Vegetationsmanagement für die Schiefe Ebene. Die berühmte Eisenbahn-Steilstrecke wird in vier Jahren 175 Jahre alt. Das Kulturdenkmal soll sich dann ordentlich präsentieren - anders als im Frühling diesen Jahres, als ein allzu großzügiger Rückschnitt der Bäume für Missmut sorgte.

Weitere Themen des Gesprächs: Die Umweltgestaltung der Bahnhöfe Breitengüßbach, Hallstadt und Zapfendorf und die Versetzung eines Stellwerks am Bahnhof Bad Staffelstein. Konkrete Zusagen: Keine.

Auch nicht, was den allgemeinen Zustand des Kulmbacher Bahnhofs angeht. Während der Blitz-Pressekonferenz sind auf einer Leinwand Fotos zu sehen: Dreck in der Unterführung und im Warteraum, marode Sitzbänke, kaputte Mülleimer. Kein schönes Bild.

Auch Klaus-Dieter Josel spricht. Aber er sagt dabei nicht viel. Dass man die Anliegen unterstütze, dass letztlich aber die Priorisierung beim Bund den Ausschlag gebe, was umgesetzt werden könne. Und so schlecht stehe man ja nicht da. "Von 1000 Bahnhöfen in Bayern haben wir schon 400 barrierefrei gestaltet", hört man. "Wir haben noch 600 vor uns - und dazu gehört Kulmbach."

Es hängt vom Geld ab

Konkrete Zusagen gibt es nicht. Alles hänge von der Finanzierung ab. "Aber sie haben in mir einen Verbündeten", versichert Josel, und betont, dass er "in einen konstruktiven Dialog" einsteigen wolle.

Das ist den Oberfranken zu schwammig. Landrat Klaus Peter Söllner weist darauf hin, dass Kulmbach auf dem Weg zum Oberzentrum und zum Universitätstandort sei, was auch in Sachen Bahn seinen Niederschlag finden müsse. Und Oberbürgermeister Schramm kritisiert, dass in Oberfranken in Sachen Bahn nichts vorwärts geht."Es kann doch nicht sein, dass wir uns immer nur Briefe schreiben. Es muss endlich Möglichkeiten zur Umsetzung geben."

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