Kulmbach
Entdecker-Tour (150)

Kulmbacher Badhaus war ein Ort des Vergnügens

Die Badstube im Kulmbacher Oberhacken ziert eine Jahreszahl, die etwas über die Geschichte des Hauses erzählt.
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Das mittelalterliche Badhaus im Kulmbacher Oberhacken. Foto: Erich Olbrich
Das mittelalterliche Badhaus im Kulmbacher Oberhacken. Foto: Erich Olbrich
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Ein Wohnhaus ohne ein privates Badezimmer ist heute nicht mehr vorstellbar. Ältere Bürger kennen aber noch die Zeiten, in denen es Luxus war, einen mit Holz beheizbaren Badeofen mit einem darüber befindlichen Wasserboiler zu besitzen.

Vielfach wurde am samstäglichen Badetag in den Haushalten eine größere Zinkwanne in die Küche gestellt. Nacheinander kamen die Kinder, die Mutter und am Schluss der Vater in diese Wanne. Das warme Wasser gab es vom mit Holz geschürten Küchenherd.

In Kulmbach konnte man zusätzlich in der Spinnerei oder im Planck'schen Volksbad für wenige Pfennige ein warmes Bad mit Seife bekommen.

1398 erstmals erwähnt

Bis 1806 gab es in der Stadt noch eine Badstube im Oberhacken. Dazu kamen vorher noch eine Badstube im Unteren Stadtgässchen und eine als "Mainbad" bezeichnete Badeanstalt. Diese wurde in der Sutte von einem kleinen Verbindungsbach vom Weißen Main zum Kohlenbach mit Wasser versorgt.

Die erste nachgewiesene urkundliche Nennung der Badstube im Oberhacken geht zurück auf das Jahr 1398, als sie als "Obere Badstube" erwähnt wird, auf der der Bader Erbrecht hatte. Dieses Haus gilt als eines der ältesten in der Stadt Kulmbach. In den Hussitenkriegen 1430 wurde es ebenso zerstört wie im Bundesständischen Krieg 1553.

Der älteste Teil des Gebäudes dürfte das Erdgeschoss im westlichen Teil sein. Aus dem Wiederaufbau nach den Zerstörungen von 1553 stammt das Fachwerkobergeschoss mit Renaissancewandmalerei und der liegende Dachstuhl der westlichen Haushälfte - dicht angrenzend an das "Kleine Rathaus". In dieser Zeit ersetzte man wohl auch das Gewölbe der Badstube durch Renaissanceholzdecken.

Ärzte und Friseure zugleich

Badhäuser waren damals Orte der Geselligkeit und des Vergnügens. Die Aufgaben der Bader gingen jedoch über das Zubereiten von Bädern und der damit verbunden Kurzweil hinaus. Bei dem seinerzeit herrschenden Mangel an Ärzten füllten sie im Mittelalter eine große Lücke aus. Sie waren es, die bei Not- und Unglücksfällen die Erstversorgung übernahmen. Dabei führten sie auch kleinere Operationen durch. Zudem zogen sie Zähne und schnitten Haare.

Als eine Art Kontaktbörse war das Badhaus durchaus wichtig, um die Einwohnerzahl der Stadt zu vergrößern ...

Die Moralvorstellungen waren ungezwungen, der Umgang kannte keine Schamgrenzen. Nicht selten befanden sich Männer und Frauen in einem Zuber, oft genug gab es nur ein einziges Ankleidezimmer. Die Besucher gingen gern nur leicht bekleidet in die Badhäuser, was alles immer wieder zu behördlichen Ermahnungen und kirchlichen Verboten führte.

Das Wasser "abgesperrt"

In einem Fenstersturz im Erdgeschoss befindet sich die Jahreszahl 1591, etwas versteckt, aber doch erkennbar. Warum wird gerade dieses Jahr besonders erwähnt? Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt ging zügig voran, bereits 1564 wird Erhart Herolt, wohl Sohn des Apothekers Jörg Herolt, als Nachfolger erwähnt. Er und Goldners Witwe versteuern 1564 exakt 1400 Gulden Vermögen.

1572 hat der Bader Martin Vischer die Badestube pachtweise übernommen, anscheinend aber nur für kurze Zeit, denn bereits 1580 wird im Häuserbuch von Richard Lenker erwähnt, dass Erhart Herolt im benachbarten Brauhaus als Heizer tätig und die Badestube ungenutzt sei. Man hatte ihm das Wasser des vor der Mauer gelegenen Reuthbrunnens "abgesperrt". Dieser Brunnen versorgt heute den Hummelsbrunnen in der Trendelstraße, von dort fließt das Wasser über den Entenweiher am Badhaus vorbei in den Kohlenbach.

1590/91 wird Erhart Herolts Behausung wieder als Badestube bezeichnet. Diese Neueröffnung war für ihn Freude genug, das Jahr 1591 im Fenstersturz festzuhalten.

Lieber gepudert als gewaschen

Die mittelalterlichen Badegewohnheiten widersprachen den Vorstellungen des 18. Jahrhunderts. Wasser war inzwischen verpönt, es wurde lieber gepudert, Perücken versteckten die fettigen Haare. Die Reichen bauten sich eigene private Badezimmer, der Normalbürger badete gar nicht mehr. Die Badehäuser wurden abgebrochen oder anderen Nutzungen zugeführt.

Deshalb gibt es in Deutschland davon nur noch wenige gut erhaltene. Glücklicherweise hat das Kulmbacher Badhaus alle Bestrebungen überstanden, es abzureißen. Neben der Jahreszahl im Fenstersturz kündet eine Bronzetafel von der reichen geschichtlichen Vergangenheit des Gebäudes.

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