Kulmbach
Gericht

Kulmbacher attackiert 22-Jährigen mit Bierflasche

Nach einem Schlag mit der Bierflasche wird das Opfer wohl lebenslang leiden. Der Angeklagte machte zum Prozessauftakt einen Filmriss geltend.
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Mit einer Bierflasche soll ein 26-jähriger Kulmbacher einem 22-Jährigen ins Gesicht geschlagen und schwer verletzt haben.  Symbolfoto: Tobias Hase
Mit einer Bierflasche soll ein 26-jähriger Kulmbacher einem 22-Jährigen ins Gesicht geschlagen und schwer verletzt haben. Symbolfoto: Tobias Hase
Der Schlag mit der Bierflasche in das Gesicht eines 22-jährigen Kulmbachers hätte durchaus tödlich sein können. Der gelernte Kfz-Mechatroniker hat zwar glücklicherweise überlebt, doch die Folgen des Angriffs sind enorm. Physisch wie psychisch ist der Geschädigte schwer gezeichnet.

Schuld daran soll ein 26 Jahre alter gelernter Maler aus Kulmbach sein. Ihm wird seit Dienstag vor dem Landgericht in Bayreuth der Prozess gemacht.


Sieben Stunden operiert


Das Opfer erlitt eine ausgedehnte Schnittverletzung im Gesicht, die sieben bis acht Zentimeter lange Narbe wird dauerhaft bleiben. Außerdem wurden sämtliche Nerven durchtrennt, der 22-Jährige hört seitdem auf einem Ohr schlecht und hat Schluckbeschwerden. Allein die Operation in einer Erlanger Spezialklinik hat fast sieben Stunden gedauert.

Aber auch die psychischen Auswirkungen sind enorm. Das Opfer leidet seitdem an Alpträumen, wacht nachts immer wieder schweißgebadet auf. Monatelang war der Geschädigte krankgeschrieben, jetzt hat er deshalb auch noch seinen Arbeitsplatz verloren.

Angefangen hatte alles ganz harmlos. Mit seinem Kumpel hatte der 22-Jährige in der Nacht vom 21. auf den 22. April in der Bayreuther Diskothek "Fabrik" ein paar vergnügliche Stunden verbracht. Schließlich legte an diesem Abend einer der angesagtesten Techno-DJs auf. Kurz vor fünf Uhr morgens verließ das spätere Opfer die Disco, ging ins Freie und traf auf den ihm bis dorthin völlig unbekannten Angeklagten.

Ob es nur zu einem verbalen Streit oder zu einer Schubserei kam, ist nicht ganz klar. Jedenfalls soll der Angeklagte zu dem 22-Jährigen "Scheiß Deutscher" gerufen haben, obwohl er selbst Deutscher ist. Das spätere Opfer entgegnete "Halt's Maul". Dann soll der Angeklagte die zersplitterte Bierflasche genommen und sie dem 22-Jährigen mit voller Wucht mitten ins Gesicht geschlagen haben.


Menschenauflauf im Morgengrauen


Der Angeklagte wollte daraufhin zunächst flüchten und legte einen Spurt in Richtung Erlanger Straße hin, konnte aber von einem Security-Mitarbeiter zurückgebracht werden. Kurz darauf trafen Polizei und Rettungskräfte ein, und trotz der ungewöhnlichen Zeit kam es zu einem großen Menschenauflauf.

Vor Gericht machte der Angeklagte einen Filmriss geltend. Er wisse lediglich noch, dass man sich in der Wohnung eines Bekannten in Kulmbach zunächst zum "Vorglühen" getroffen habe. Drei Kästen Bier habe man dabei zu sechst geleert. Dann sei man gegen halb elf Uhr mit dem letzten Zug nach Bayreuth gefahren. Weitere vier "Kurze" will der junge Mann dort konsumiert haben. Irgendwann sei es zum Filmriss gekommen, die nächste Erinnerung sei die an die Polizeiwache, wo er mit Handschellen gesessen und ihm ein Arzt Blut abgenommen habe.

Erklären könne er sich das alles nicht, er wolle in Kenntnis der Beweislage aber auch nichts abstreiten, ließ er über seinen Verteidiger Alexander Schmidtgall aus Kulmbach erklären.


"So etwas habe ich noch nicht gesehen"


"Schlägereien hatten wir oft, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen", sagte der Security-Mitarbeiter, der den Angeklagten zweifelsfrei als Täter identifizieren konnte. Das war deshalb so wichtig, weil er der wohl einzige am Tatort war, der zum Tatzeitpunkt absolut nüchtern war.

Zur Person des Angeklagten merkte der Zeuge an, dass man ihm die zwei Promille nicht angesehen habe. "Da muss noch was anderes im Spiel gewesen sein", mutmaßte der Mann von der Sicherheitsfirma. "Vielleicht hat er sich noch was eingeworfen." Der Zeuge war es auch, der fest davon ausging, dass dem Schlag mit der Bierflasche nicht nur ein Wortwechsel, sondern ein Schubsen vorausgegangen war.

Die Verhandlung ist auf drei Tage ansetzt. Dabei soll noch eine ganze Reihe an Zeugen vernommen werden. Außerdem sind zwei Sachverständige, ein Gerichtsmediziner und ein forensischer Sachverständiger, anwesend, die beide ein Gutachten erstatten werden.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt, bereits am Freitag soll ein Urteil gesprochen werden.
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