Kulmbach
Demonstration

Kulmbach zünden 500 Lichter gegen Hass und Hetze an

Die Kulmbacher haben am Sonntagabend ein deutliches Zeichen für mehr Toleranz und Respekt gesetzt.
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Rund 500 Menschen waren gekommen, um eine Lichterkette gegen den Hass zu bilden. Foto: Uschi Prawitz
Rund 500 Menschen waren gekommen, um eine Lichterkette gegen den Hass zu bilden. Foto: Uschi Prawitz
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Die Kulmbacher haben am Sonntagabend ein deutliches Zeichen gegen Hass und Hetze gesetzt. Rund 500 Menschen waren dem Aufruf der Kirchen gefolgt und bildeten eine durchgängige Lichterkette von der Pfarrkirche Unsere liebe Frau bis zur Petrikirche.

"Nicht mit Ruhm bekleckert"

"Hass und Gewalt im Namen Gottes ist das Schrecklichste, was ich mir vorstellen kann, deswegen bin ich heute hier", sagte Pfarrer Hans Roppelt zu Beginn der Aktion im Rahmen einer kleinen Andacht. "Als Christen haben wir uns nicht immer mit Ruhm bekleckert, daher sind die Toleranz zwischen den Religionen und der Respekt vor jedem Menschen essenziell wichtig, auch wenn er nicht an das Gleiche glaubt." Wer anderen im Namen eines Gottes Gewalt antue, handele gotteslästerlich.

Die Stimmung in der ULF war andächtig und feierlich, die Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus. "Es ist gut, dass wir heute ein Zeichen setzen, doch wo kommt der Hass her?", fragte Dekan Thomas Kretschmar. Für ihn begründe sich der Hass auf einer falsch verstandenen Freiheit. "Meine Freiheit endet jedoch dort, wo die des anderen beginnt."

"Wehret den Anfängen!"

Pfarrer Holger Fischer aus Burghaig erinnerte daran, dass Vorkommnisse wie die "Untat von Halle" gegen die Menschenwürde verstoßen. "Menschenwürde setzt nicht erst beim Grundgesetz an, wir müssen Hass, Gewalt und Hetze mit allen Mitteln der Rechtsstaatlichkeit und mit allen Mitteln der Zivilcourage entgegen treten. Wehret den Anfängen!"

Stefan Ludwig, der als Geschäftsführer der Evangelischen Jugend in Kulmbach Mitinitiator der Aktion "Lichter gegen Hass" war, beschäftigt sich viel mit den sozialen Netzwerken. "Mir fehlen da oft die Worte", sagte er, ein respektvoller Umgang sei nicht nur offline, sondern auch online nötig. "Über die sozialen Medien verbreitet sich der Hass sehr schnell", sagte er, und oft werde die freie Meinungsäußerung als Argument angeführt. "Es werden jedoch Persönlichkeitsrechte verletzt. Jemandem das Schlimmste zu wünschen, ist Hass, das gehört sanktioniert, wir dürfen Hetzern keinen Platz geben."

Auch der soziale Frieden muss gepflegt werden

Mit diesen klaren Positionen machten sich die Demonstrationsteilnehmer im Anschluss auf, um von der ULF bis zur Petrikirche eine Lichterkette zu bilden. Kerze für Kerze erstrahlte, und auch wenn der Wind versuchte, sie wieder auszublasen, halfen sich die Menschen gegenseitig, entfachten das Licht immer wieder erneut, schützten die kleine Flamme mit ihren Händen. "So ist das auch mit dem sozialen Frieden, der muss ebenfalls gehegt und gepflegt werden", sagte Dekan Kretschmar zur gemeinsamen Abschlussandacht in der Petrikirche.

Friedvolle Stimmung

Dort wurde die friedvolle Stimmung noch bekräftigt, als Stefan Ludwig mit seiner Gitarre "Amazing Grace" anstimmte.

An diesem Abend sah man in Kulmbach noch viele vereinzelte Lichter durch die Stadt ziehen. An diesem Abend konnte man Hoffnung schöpfen.

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