Kulmbach
Prozess

Oberfranken: Frau beißt Freund beim Versöhnungssex betrunken in Penis

Das kuriose Geschehen im Schlafzimmer eines Paares blieb nicht geheim: Weil das Liebesspiel aus dem Ruder lief, kreuzte die Polizei auf. Die Angeklagte, die inzwischen mit dem Opfer verlobt ist, stand nun vor dem Kulmbacher Amtsgericht.
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Als eine Frau aus Kulmbach in Oberfranken ihrem Freund beim Sex in sein bestes Stück biss, hatte die Frau 3,14 Promille im Blut. Symbolfoto: Christophe Gateau/dpa
Als eine Frau aus Kulmbach in Oberfranken ihrem Freund beim Sex in sein bestes Stück biss, hatte die Frau 3,14 Promille im Blut. Symbolfoto: Christophe Gateau/dpa

Sie hatten sich gestritten. Sie hatte die Wohnung verlassen und er rief tags darauf an, um sich zu versöhnen. Sie kam zurück. Es war der 24. Februar.  Trotz nachmittäglicher Stunde wurde gefeiert, der Wodka floss in Strömen. 

Das Paar war offenbar in bester Stimmung, es kam, wie es kommen musste: Beim Versöhnungssex sollte das Ende des Streits besiegelt werden.

Verletzung am Penis: Überall Blutspuren

Doch das Liebesspiel lief aus dem Ruder. Es wurde sehr laut, und ein Nachbar rief die Polizei. Die Ordnungshüter kreuzten in der Wohnung auf und fanden überall Blutspuren vor. Als Übeltäterin wurde die Frau (27) identifiziert, die gestern auf der Anklagebank des Amtsgerichts Kulmbach Platz nehmen musste. Körperverletzung lautete der Vorwurf. Verletzt worden war sein bestes Stück.

Was sich im Schlafzimmer zugetragen hatte, war nun nicht mehr privat. Denn die Staatsanwaltschaft bejahte das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung. Ein Einschreiten von Amts wegen war geboten, sagte Staatsanwältin Kathrin Hecht: "Der Geschädigte erlitt eine blutende Wunde und Schmerzen." Die Frau habe den Mann beim Oralverkehr gebissen - in den Penis. Die Angeklagte habe eine andere Person vorsätzlich körperlich misshandelt, strafbar als Körperverletzung.

Der Geschädigte (32), inzwischen mit der Angeklagten verlobt, war als Zeuge geladen. Von seinem Aussageverweigerungsrecht machte er keinen Gebrauch und ließ gleich durchblicken, dass er keinerlei Strafverfolgungsinteresse hat. "Wir wohnen zusammen, wir lieben uns, und das wird auch so bleiben", erklärte er.

Nächstes Jahr wird geheiratet

Nächstes Jahr im Sommer, so die Angeklagte, soll die Hochzeit sein.

Richterin Sieglinde Tettmann wollte wissen, welche Verletzungen er davongetragen habe. "Einen Biss in die Koppe, hat a bissla wehgetan", sagte der Zeuge. "Ist schon lange ausgeheilt, es funktioniert alles wie vorher."

Was sich bei dem Geschädigten jetzt so harmlos anhörte, muss aber trotzdem ein äußerst schmerzhafter Biss gewesen sein. Man habe den Mann "stehend" angetroffen, sagte einer der Polizisten, die am Tatort waren. Er sei ohne Hose rumgelaufen und habe gejammert: "Es tut so weh." Die Bissspur und ein Hämatom seien deutlich zu sehen gewesen.

Verletzt war aber auch die Angeklagte. Nach dem Biss muss sie der Mann so heftig weggestoßen haben, dass sie durch die Glasscheibe der Badezimmertür flog. Die Frau lag nach Angaben des Polizisten leicht bekleidet, blutend und ziemlich apathisch auf dem Balkon. "Ein Zustand zwischen Schock und Alkohol", sagte der Polizeibeamte.

Gefesselt ins Krankenhaus

Als sie in den Sanka einsteigen sollte, habe sich die Frau massiv gewehrt. Sie sei gefesselt und ins Krankenhaus gefahren worden, wo ihre Schnittverletzungen genäht wurden. Ein zweiter Rettungswagen habe auch den Mann ins Klinikum gebracht. Er sei von einem Urologen untersucht und gleich wieder nach Hause entlassen worden.

Die Angeklagte und ihr Verlobter machten vor Gericht erhebliche Erinnerungslücken geltend. Was passiert war, wüssten sie nicht mehr so ganz genau. Sie seien ziemlich betrunken gewesen. Dass es Wodka in rauen Mengen gewesen sein muss, legt der Alkoholwert der Frau nahe: 3,14 Promille wurden bei ihr gemessen.

Ihr Problem: der Wodka

Die Richterin bezeichnete die Angeklagte als alkoholkrank. Sie habe zwei Vorstrafen wegen Straßenverkehrsgefährdung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort (2015) sowie wegen Beleidigung und Sachbeschädigung (2018). Beide Male habe sie vorher viel Wodka getrunken. Zuletzt war eine sechsmonatige Freiheitsstrafe mit Bewährung verhängt worden. Das heißt: Die Frau, die schon zweimal eine Entgiftung gemacht hat und seit einiger Zeit zur Alkoholberatung geht, aber nicht abstinent lebt, stand bei der neuerlichen Tat unter Bewährung. Trotzdem, so die Richterin: "Eingesperrt wird sie jetzt nicht."

Auf Vorschlag des Verteidigers Werner Brandl und mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren vorläufig eingestellt, weil die Angeklagte selbst erheblich verletzt worden war. Ihr wurden 100 gemeinnützige Arbeitsstunden auferlegt.

Vom Gericht bekam sie noch eine eindringliche Ermahnung mit auf den Weg, da sie unter Alkoholeinfluss zu Straftaten neigt. Tettmann: "Wenn Sie das nicht in den Griff kriegen, bekommen Sie ein Problem."

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